InDebate: Should Elderly Former Nazis Be Prosecuted For Their Crimes?

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Zachary J. Goldberg

Recent headlines have focused on elderly former Nazis being charged over allegations concerning their actions during the Holocaust. In May 2015, Oskar Groening, the so-called Accountant of Auschwitz, was charged with 300,000 counts of accessory to murder. Groening collected and counted the money and other valuables stolen from the prisoners arriving at the camp, and sent the money to his Nazi superiors in Berlin.[1] In July 2016 he was sentenced to four years in prison.[2] In September 2015, an elderly woman who worked as a telegraph operator at Auschwitz was charged with 260,000 counts of complicity to murder.[3] This year alone has already seen the suspended trial of Hubert Zafke, accused of 3,681 counts of murder while he was a medical attendant at Auschwitz, and the trial of Reinhold Hanning, a former camp guard at Auschwitz accused of being an accessory to 170,000 counts of murder.[4] Weiterlesen

InDebate: Politische Beleidigungen und andere Arkana

Andreas Mix

Andreas Mix

In der öffentlichen Debatte um die Causa Erdogan gegen Böhmermann ist viel davon die Rede, dass ‚Satire alles dürfe‘. Das Tucholsky-Zitat dient hierbei der Solidarisierung der deutschen Öffentlichkeit mit einem durch den übermächtigen türkischen Staatspräsidenten bedrängten Grimme-Preisträger und ist in diesem Kontext sicher richtig. Was jedoch bedeutet der Satz ‚Satire darf alles‘ praktisch? Ist gemeint, dass wir als Publikum ein Recht auf Transparenz dahingehend haben, dass wir auch eindeutig beleidigende Inhalte als Satire geschützt ansehen können (transparent verfügbar halten, d.h. es kein Recht auf Unterlassung gibt), wenn die Beleidigung nur durch die Konstruktion einer Meta-Ebene angekündigt war? Nachdem inhaltlich schon von allen alles dazu gesagt wurde, fallen an diesem angenommenen ‚Recht auf Transparenz‘ (allein von Beleidigungen oder wäre auch Volksverhetzung okay, wenn sie nur als Satire angekündigt würde?) aus Sicht der politikwissenschaftlichen Geheimnisforschung einige Aspekte auf, die in Teilen so charakteristisch für die Gegenwart erscheinen, dass sie im Folgenden kurz dargestellt werden sollen. Insbesondere wird zu fragen sein, ob die Forderung nach Transparenz an sich eine politische Haltung darstellt oder ob Transparenz ein ambivalentes Prinzip ist, dessen emanzipatorisches Potential davon abhängt, in welchem Kontext seine Realisation gefordert wird. Weiterlesen

InDebate: ‚Lügenpresse‘: zum Anspruch auf Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Die Pose der Wahrheit als Instrument der Meinung

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Agnes Wankmüller

Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) und die Proteste der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) in Dresden sind seit 2013 bzw. 2014 eine Erscheinung in Deutschland, über die seitens der etablierten Politik Ratlosigkeit herrscht. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass sie die Einwanderung von Muslimen und Muslimas problematisieren, sondern ebenfalls mit der Haltung und dem Selbstanspruch, die seitens AfD und Pegida in Bezug zum politischen und medialen Establishment evoziert werden: man sieht sich als exklusive Vertreter der Wahrheit und der Wahrhaftigkeit. Weiterlesen

InDebate: Der Philosophenkönig Peter Sloterdijk. Zum aktuellen Philosophenstreit

Peter Sloterdijk By Rainer Lück http://1RL.de - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7325682

Peter Sloterdijk
By Rainer Lück http://1RL.de – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7325682

Jürgen Manemann

Der Philosoph Peter Sloterdijk sieht seine Zeit gekommen. Der Denker in dürftiger Zeit schaltet sich in die große Politik ein und fordert nichts weniger als eine Revolution. Schon seit geraumer Zeit hält er Ausschau nach einer „neue(n) Generation von Politikern“, die sich mit visionären Antrieben aufladen, um „große Politik“ zu machen. Mit der Alternative für Deutschland (AfD) scheint der Kairos da zu sein. „Große Politik“ basiere auf dem Gespür für die Macht des Schicksals. Sloterdijk, der Seher, experimentiert damit, Stifter oder Medium einer gegenreligiösen Weltanschauung zu sein. Und nicht nur das: Er versteht seine Philosophie als einen Beitrag zu einer „Loskettungspraxis“, und derjenige, der Ketten löse, sei der Erlöser. Weiterlesen

InDebate: Absolute Helden? Anmerkungen zum „aggressiven Humanismus“

: CC by Rasande Tyskar Schwabinggrad Ballett - place of inequitable solutions II via Flickr

CC by Rasande Tyskar Schwabinggrad Ballett – place of inequitable solutions II via Flickr

Ana Honnacker

„Alle fragen sich: wie kann ich noch schöner werden?
Aber keiner fragt sich: für wen?
alle klagen ständig über Burn Out- Beschwerden
doch nach Hause will keiner gehn
Ich hab nen neuen Anzug, neues Auto – und die alten Probleme
was ich jetzt brauche, sind bequeme
Überlebensstrategien für das dritte Jahrtausend.“ [1]

Was Farin Urlaub hier ironisch herbeisehnt, darauf lässt sich nur noch mit einer gehörigen Portion Ignoranz hoffen: Die Zeit der Bequemlichkeit ist vorbei. Ein einfache Fortsetzung des Gewohnten stellt keine angemessene Antwort auf die vielgesichtigen und komplexen Krisen unserer Gegenwart dar. Die Einsicht, dass wir unsere Komfortzone verlassen müssen und es neue, alternative Formen des Zusammen- und Miteinanderlebens braucht, mündet auch in einem Nachdenken über das, was es heißt, menschlich zu sein und menschlich zu handeln. Weiterlesen

InDebate: Ein Plädoyer für eine nicht-anthropozentrische Philosophie

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Iwona Janicka

In den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren ist eine bedeutsame Verschiebung in der Philosophie zu beobachten, in der unsere Beziehung zur Außenwelt radikal überdacht wird. Ein neuer Begriff „Neo-Materialismus“ oder „Neuer Materialismus“ wurde ins Leben gerufen, um diese philosophische Verschiebung in Richtung Materie oder so genannten „non-humans“ (der Umwelt, der Tiere, der Pflanzen, der Technologie, der künstlichen Intelligenz, der Maschinen) zu bezeichnen. Philosophen und Geisteswissenschaftler wie zum Beispiel Donna Haraway, Manuel De Landa, Karen Barad, Rosi Bradotti, Jane Bennett, Bill Brown, Bruno Latour sind einige der wichtigsten Denker, die die zentrale Stellung menschlicher Wesen in der Philosophie des Abendlandes problematisieren. Warum ist diese Problematisierung wichtig und warum findet sie jetzt statt? Weiterlesen

InDebate: Können Kulturen kämpfen?

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Lisz Hirn

Beweisen die weltweiten Attentate und Anschläge terroristischer Gruppen, dass wir uns schon mitten in einem „Kampf der Kulturen“ befinden? In seinem kontrovers diskutierten Buch argumentiert Samuel P. Huntington gegen die Vorstellung einer einheitlichen „Weltkultur“. Er geht davon aus, dass sich Konflikte zwischen den Zivilisationen zunehmend verschärfen werden. Viele seiner Prognosen haben sich bewahrheitet. Aber heißt das gleichzeitig, dass wir nun Huntingtons Weltbild übernehmen können?

Erinnern wir uns nochmal an eines der Ereignisse, das Anfang des Jahres 2015 für Aufsehen gesorgt hat. Zwölf Menschen werden im Januar bei einem Terror­anschlag auf die Redaktion des Magazins „Charlie Hebdo“ ermordet. Einmal mehr wird klar, dass Terror keine europäischen Grenzen kennt. Ein Aufschrei geht durch die westliche Zivilisation, man nimmt sich an den Händen und präsentiert eine zivilisatorische Einheit wie schon lange nicht mehr. Alle sind plötzlich Charlie, selbst die, die Charlie einen Tag vor dem Anschlag gar nicht kannten. Allerdings bleibt unklar, von wem eigentlich die Bedrohung ausgeht. Weiterlesen

InDebate: Besitzt unsere Gesellschaft noch „Sinn für Abenteuer“?

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Tim Grafe

Blickt man auf die gegenwärtige politische und gesellschaftliche Entwicklung in Europa, so zeigen sich zweifellos besorgniserregende Tendenzen. Rechtspopulistische und rechtsradikale Bewegungen erhalten immer mehr Zulauf, in Staaten wie Polen und Ungarn verwandelt sich die Demokratie schleichend in ein autoritäres System. Als Legitimationsgrund für solche Transformationsprozesse dient dabei immer wieder das Heraufbeschwören einer grundsätzlichen Gefahr für „unsere“ Zivilisation, ohne dass wirklich klar wird, wie sich Letztere eigentlich bestimmen lässt. Weiterlesen

InDebate: Willkommen, aber unerwünscht. Die Kämpfe der Geflüchteten um Menschenrechte und Menschenwürde

Ein Interview mit Maissara Saeed, Refugee-Aktivist in Hannover
(englische Fassung siehe unten)

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Maissara Saeed, Yoko Arisaka, Jeanette Ehrmann, Michael Thomas

Maissara Saeed flüchtete 2010 von Omdurman in Sudan nach Deutschland, wo er politisches Asyl beantragte. 2012 erhielt er eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. In Sudan hat Maissara Saeed an der Universität Khartum einen Bachelor-Abschluss in medizinisch-technischer Laborassistenz und in klinischer Chemie erworben. Anschließend arbeitete er als medizinisch-technischer Assistent in verschiedenen Krankenhäusern in Omdurman sowie als Berater für soziale Arbeit im Bereich Kindergesundheit. Er war als Mediator für HIV-positive MigrantInnen am Ethno-Medizinischen Zentrum Hannover tätig und hat auf internationalen Konferenzen zahlreiche Vorträge zu den Themen Public Health und soziale Arbeit gehalten. Maissara Saeed ist Mitbegründer von drei NGOs: AFRIDE. AfrikanerInnen in Deutschland, The German Sudanese Association for Development und Al Bait Al Sudani Association. Zurzeit ist Maissara Saeed am Aufbau einer selbstorganisierten Empowerment-Gruppe von geflüchteten Menschen beteiligt.

Maissara, wie war Ihr erster Eindruck, als Sie in Deutschland angekommen sind?

Ich habe Sudan im Juni 2010 wegen der untragbaren Sicherheitslage und der politischen Instabilität des Landes verlassen. Ich flüchtete über Ägypten und Österreich und kam im August 2010 in Deutschland an. Weiterlesen

InDebate: Hat Meinungsfreiheit Grenzen?

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Martin Breul

Ein altes Phänomen ist in den letzten Jahren durch die sozialen Netzwerke und die digitalen Medien in einer potenzierten Neuauflage zu beobachten: Fremdenfeindliche Personen, die ja inzwischen nicht mehr eindeutig äußerlich durch Springerstiefel und Glatze zu erkennen sind, beleidigen, diffamieren und hetzen online oder auf einschlägigen Demos gegen Flüchtlinge, Muslime, Juden, Schwule, und alle anderen, die als Sündenböcke herhalten müssen. Dieses Phänomen ist nicht nur eine neue Qualität des Fremdenhasses als Massenerscheinung, sondern zugleich auch eine Art Testfall für liberale Demokratien: Die Facebook-Hetzer und Twitter-Rechten fühlen sich ja gerade deshalb gerechtfertigt, ihre Hassbotschaften ungefiltert in die (digitale) Welt hinauszuposaunen, weil sie sich auf das Menschenrecht der Meinungsfreiheit berufen. Dabei stellt sich automatisch die Frage: Hat Meinungsfreiheit eigentlich Grenzen? Ist jede noch so menschenverachtende Ideologie im Sinne der Meinungsfreiheit von allen anderen zu ertragen, oder können Leitplanken ersonnen werden, bei deren Überschreiten Meinungen nicht länger als legitimer Ausdruck bürgerlicher Freiheiten toleriert werden müssen? Weiterlesen