Philosophy and the Media: Demos und Demut der digitalen Demokratie. Twitch Plays Pokémon und internetgestützte Steuerung

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Agnes Wankmüller

Am 12. Februar 2014 wurde eines der bemerkenswerteren Online-Computerspiele auf dem internationalen Videospiel-Netzwerk Twitch als kollektives Echtzeit-Spiel durch einen anonymen australischen Entwickler eingebettet und gestartet. Twitch Plays Pokemon: Edition Red (im folgenden TPP abgekürzt) konnte man mit hunderttausenden[1] weiteren Personen spielen, und zwar nicht in einem üblichen Multiplayer-Szenario. Vielmehr sieht das Spielformat die Navigation einer einzigen Figur (Red) durch die simultane Beteiligung einer beliebigen Anzahl von Spieler*innen über einen zeitlich verzögerten Chat vor, in dem eine Masse sich widersprechender Steuerungseingaben (wie up, down, left und start) in Sekundenbruchteilen einströmen. Weiterlesen

Philosophy and the Media: Im Herzen der technischen Katastrophe: Auf den Spuren des Avatars Jake Sully

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Natalja Pustovit

James Cameron ist nicht nur Regisseur des weltberühmten Blockbusters Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009), sondern in gewisser Hinsicht auch Philosoph. Sein Film zeigt, wie philosophische Ideenfäden in einen Film verwebt werden können und wie damit über die Komplexität von sozial relevanten Themen für die Welt reflektiert werden kann. Zumeist wird Avatar als „Wunder der Kinematographie“ und „technische Überraschung“ beschrieben, da modernste technische Entwicklungen des 3D-Kinos erfolgreich in der Filmproduktion realisiert wurden. Doch darüber hinaus verhandelt der Film ein philosophisches Problem. Avatar zeigt uns etwas über unsere inneren Wiedersprüche und Konflikte im Bezug auf unser Verhalten gegenüber anderen Gesellschaften und der Natur. Weiterlesen

Philosophy and the Web: Googles Marktmacht: Ein neues Kapitel zur Lehre von der Souveränität?

Anfang April startete in der FAZ eine Debatte über die Monopolstellung von Google und deren negative Auswirkungen für den Wettbewerb. Nachdem der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt in einem Beitrag auf den ersten Artikel antwortete, bekam er wiederum eine Antwort in Form eines offenen Briefes, geschrieben vom Chef des Axel Springer Verlages, Mathias Döpfner. In seinem Brief gesteht Döpfner Angst vor der Macht von Google ein, führt wettbewerbsschädigende Praxen und die Monopolstellung des Internetkonzerns auf sowie die Datenschutzproblematik, die sich durch Googles Zugriff auf die Daten seiner Nutzer*innen ergebe. Weiterlesen

Philosophy and the Web: Philosophie to go?

“Heutzutage ist ja alles Bio, sogar die Macht”. Dieses Bonmot verdanke ich FIPH-Fellow Dr. Eike Brock, der diese Feststellung in einem Gespräch über den Bio-Trend und die Konjunktur postmoderner Philosophie traf. Kulturkritiker*innen, die sich an den Schriften von Byung-Chul Han oder an den Befunden von Hartmut Rosa orientieren, könnten darauf verweisen, dass heutzutage eher alles „to go“ ist. Angefangen bei den Nahrungsmitteln. Denn neben Kaffee gibt es freilich auch Brötchen, Pizza, Pommes Frites und jede Menge anderes Fast Food zum Mitnehmen. Freilich ist in diesem Bereich auch an das LOHASSegment auf dem Markt gedacht. Der Comedian Rainald Grebe beschreibt dies in seinem Song „Karoshi“, der ein wenig wie der Soundtrack zu Hartmut Rosas Beschleunigungsthese klingt: „Es gibt jetzt Suppe-to-go, Suppe-to-go, so’ne Minestrone auf die Hand, das brauch ich“. Weiterlesen

Philosophy and the Web: Trugschlüsse und Entgleisungen

Gewalt- und hierarchiefreie Kommunikation ist, vor allem in Gruppendiskursen, ein hohes Gut, das es zumindest anzustreben gilt. Ein Kritikpunkt, der bereits gegen die Habermas’sche Diskurstheorie vorgebracht wird, ist daher, dass die sogenannte „ideale Sprechsituation“ empirisch nicht anzutreffen sei. Habermas ist sich dieses Umstandes bewusst. Er versteht die „ideale Sprechsituation“ eher als eine Diskurse leitende, möglicherweise auch kontrafaktische Unterstellung. Damit bleibt aber die Frage, ob Gewalt- und Hierarchiefreiheit der Kommunikation überhaupt auch nur unterstellt werden können, unbeantwortet. Weiterlesen

Philosophy and the Web

Begrüßung

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich, Euch unsere neue Kategorie „Philosophy and the Web“ vorstellen zu dürfen. An dieser Stelle werdet Ihr künftig regelmäßig Beiträge zum Themenkomplex „Internet und Philosophie“ finden. In dieser Kategorie wollen wir Websites vorstellen, die sich mit philosophischen Themen beschäftigen. Auch möchten wir aktuelle philosophische Diskussionen im und über das Internet vorstellen und kommentieren. Unser Ziel ist es, zu erforschen, welche Bedeutung dem Internet für die Philosophie im Allgemeinen und als Raum des Philosophierens im Besonderen zukommt. Wir freuen uns über Eure Kommentare, Kritik und Anregungen. Auch Hinweise auf Seiten, die Eurer Meinung nach hier vorgestellt werden sollten, nehmen wir gerne entgegen. Wir wünsche Euch viel Freude mit „Philosophy and the Web“

Dominik Hammer für das Philosophie InDebate-Team

Philosophy and the Web: The Indiana Philosophy Ontology (InPhO) project

Für die theoretische Philosophie ist die Ontologie eine der grundlegenden Disziplinen. Als Seinslehre beschäftigt sich Ontologie als Fachbereich der Philosophie mit Fragen, welche die Existenz selbst betreffen. In der Informatik wird der Begriff der Ontologie in Anlehnung an den philosophischen Begriff dazu verwendet, Darstellungs- und Ordnungsmethoden zu bezeichnen. Durch solche „Ontologien“ sollen in der Informatik Verknüpfungen von Wissensbeständen graphisch sichtbar und editierbar gemacht werden. Doch auch für geisteswissenschaftliches Arbeiten lassen sich diese mit der Mind-Map eng verwandten Graphiken gut nutzen. Welche Möglichkeiten eine solche Darstellung für die Philosophie bietet, demonstriert unter anderem das Indiana Philosophy Ontology (InPhO) -Projekt. Eine Forscher*innengruppe, die im Bereich der “Digital Humanities“ arbeitet, hat in diesem Projekt eine hilfreiche Übersicht der besonderen Art erstellt. Diese präsentiert eine graphische Einordnung philosophischer Ideen und Strömungen und verlinkt zu den jeweiligen Wikipedia-Artikeln (und in vielen Fällen auch zu den Einträgen aus der Stanford Enyclopedia of Philosophy). Die Ontologie kann durch mehrere Clicks so weit aufgefächert werden, dass die gesuchten philosophischen Konzepte oder die jeweiligen Philosoph*innen erscheinen. Die Website kann allerdings auch gezielt mithilfe einer Suchleiste nach Personen oder Begriffen durchsucht werden. Auf den Seiten der einzelnen Denker*innen finden sich neben Links und kurzen biographischen Angaben auch Philosoph*innen aus dem gleichen Disziplin, verwandte Denker*innen, und solche, die philosophische Positionen der gesuchten Philosoph*innen beeinflusst haben (oder von diesen beeinflusst wurden). Gleiches gilt für die gesuchten philosophischen Begriffe. Dort werden Untergliederung der jeweiligen philosophischen Fachdisziplinen, Schlagworte und die den Themenfeldern zuzuordnenden Philosoph*innen angezeigt. Damit stellt das Indiana Philosophy Ontology -Projekt einen gute Adresse für alle dar, die sich einen Überblick über Ideen oder Philosoph*innen und deren Kontext verschaffen wollen. Auch zur philosophischen Spurensuche lädt die Seite mit ihrer ansprechenden Fächeroptik ein.

Link: https://inpho.cogs.indiana.edu/taxonomy