Pro und contra: Eine Therapie-Robbe für demenzkranke Menschen?

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Pro: Heiner Friesacher

Modernes Leben ist ohne Technik nicht vorstellbar und nicht mehr realisierbar. Das betrifft natürlich auch das Gesundheitssystem und damit auch die Pflege. Technische Innovationen haben ohne Zweifel zur Lebensverbesserung von Patienten/innen und Bewohnern/innen beigetragen (denken wir z.B. an Gehhilfen und Rollstühle, an elektronische Kommunikationsmedien und Notrufsysteme), bergen aber auch Risiken und Gefahren. Es kommt in technikintensiven Arbeitsbereichen schnell zur Verschiebung der Aufmerksamkeit weg von den Menschen und hin zu den technischen Systemen. Weiterlesen

InDebate: Rassismus als Repräsentationskrise

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Solongo Wandan

Warum Bilder das effektivste Mittel gegen Rechts sind

Man könnte meinen, sie sind angekommen in der Mitte der deutschen Gesellschaft: Ausländer, Bildungsinländer, Immigranten, Migranten, Menschen mit Migrationshintergrund. Nach später und erst zögerlicher, heute scheinbar selbstverständlicher Selbstbeschreibung als „Einwanderungsland“ auf Bundesebene, zweifelt spätestens nach Thilo Sarrazins Gesellschaftsdiagnose, Christian Wulffs offizieller Anerkennung eines deutschen Islams und, in Folge des medialen Echos nach der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) niemand mehr, dass Ausländer Teil der deutschen Gesellschaft sind. Obwohl diese Erkenntnis und die daraus folgende mediale Aufmerksamkeit an sich schon eine Errungenschaft sind, so lässt sich doch eine allgemeine Tendenz in der Repräsentation von Vielfalt feststellen, die sich nicht nur in der Berichterstattung in Folge der NSU-Taten verdeutlicht. Weiterlesen

Philosophy and the Web: Philosophie to go?

“Heutzutage ist ja alles Bio, sogar die Macht”. Dieses Bonmot verdanke ich FIPH-Fellow Dr. Eike Brock, der diese Feststellung in einem Gespräch über den Bio-Trend und die Konjunktur postmoderner Philosophie traf. Kulturkritiker*innen, die sich an den Schriften von Byung-Chul Han oder an den Befunden von Hartmut Rosa orientieren, könnten darauf verweisen, dass heutzutage eher alles „to go“ ist. Angefangen bei den Nahrungsmitteln. Denn neben Kaffee gibt es freilich auch Brötchen, Pizza, Pommes Frites und jede Menge anderes Fast Food zum Mitnehmen. Freilich ist in diesem Bereich auch an das LOHASSegment auf dem Markt gedacht. Der Comedian Rainald Grebe beschreibt dies in seinem Song „Karoshi“, der ein wenig wie der Soundtrack zu Hartmut Rosas Beschleunigungsthese klingt: „Es gibt jetzt Suppe-to-go, Suppe-to-go, so’ne Minestrone auf die Hand, das brauch ich“. Weiterlesen

InDebate: Wer bin ich zwischen den Kulturen? Kulturelle Neurowissenschaft und neue Fragen an das Selbst

Liya Yu

Liya Yu

Ich stehe an der gusseisernen Universitätspforte der Columbia Universität und blicke ein letztes Mal zurück auf den schneebedeckten Campus bevor ich die Treppen zur Subway Station hinuntersteige. Heute war wieder ein Tag, an dem ich mich nicht fragen musste, wer ich bin. In den Seminarräumen, der Bibliothek, der Kantine und den verwinkelten Korridoren der Vorkriegsgebäude des Morningside Campuses wird mein britisches Englisch mit deutschem Akzent und meine gar nicht dazu passende chinesische Erscheinung nicht kommentiert, eher, mit unerschütterlicher New Yorker Gleichgültigkeit und leichter Ungeduld übersehen um sofort auf das Wesentliche zu kommen: meinen Kommentar zum Seminartext, die überfälligen Leihgebühren, meine Unterschrift für die Rechnung des Earl Grey Tees. Ein guter Tag für mich, so konnte ich mich ebenfalls auf das Wesentliche konzentrieren und ich selbst sein. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Mensch und Person

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Tilman Borsche

Bei einer derartigen Begriffserörterung wird man nicht erfahren, was der Mensch oder was die Person ist. Bedeutungsfragen kennen keine endgültigen Antworten. Kein Wort hat Bedeutung an sich; gerade deshalb sind Worte so aufschlußreich und beunruhigend. Aber man wird vieles wiedererkennen. Was ich hier betreibe, ist Spurensuche im Feld der Begriffe. Der Weg ist die Botschaft. Folglich werden meine Ausführungen auch nicht abgeschlossen sein; sie führen nicht zu einem Ergebnis, das man getrost mit nach Hause nehmen könnte. Man könnte allerdings lernen, die beiden in Frage stehenden Begriffe, ‚Mensch’ und ‚Person’, nachher etwas vorsichtiger zu verwenden. Damit wäre schon viel erreicht. Weiterlesen

Pro und contra: Braucht Europa eine Zivilreligion?

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Pro: Roland Benedikter

Zunächst gilt es eine Eingrenzung vorzunehmen. Diese ist für alles Weitere grundlegend, weil ansonsten Missverständnisse entstehen. Europa kann und sollte vor seinem eigenen Hintergrund unter „Zivilreligion“ nicht dasjenige verstehen, als was sie Robert N. Bellah für die USA definierte: als die Präsenz traditioneller religiöser Symbole im Alltag, womit vor allem christliche und freimaurerische Elemente gemeint sind, die sich in Amerika täglich – und wie selbstverständlich – mit der säkularen Kultur mischen. Dieser Begriff von Zivilreligion steht in den USA gleichberechtigt neben dem meta-religiösen Freiheitsidealismus, der das Land ebenso prägte wie die ersten Einwanderer, die zum Teil fundamentalistische Christen, zum anderen Teil humanistisch gebildete Aufklärer waren. Weiterlesen

InDebate: „Wie bitte geht Gerechtigkeit?“ – Zum 4. Festival der Philosophie Hannover

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Jürgen Manemann

Das Thema des 4. Festivals der Philosophie lautet „Wie bitte geht Gerechtigkeit?“. Es wird bewusst nicht gefragt: „Was ist das – die Gerechtigkeit?“. Auf dem Festival soll nämlich nicht distanziert und abstrakt über Gerechtigkeit gesprochen werden. Wenn wir abstrakt von der Gerechtigkeit sprechen, geht jede konkrete Verantwortung unter. Wir müssen also die Frage so stellen, dass uns das, wonach wir fragen, so trifft, dass es uns betrifft. Deshalb fragen wir: „Wie bitte geht Gerechtigkeit?“. Weiterlesen

Philosophy and the Web: Trugschlüsse und Entgleisungen

Gewalt- und hierarchiefreie Kommunikation ist, vor allem in Gruppendiskursen, ein hohes Gut, das es zumindest anzustreben gilt. Ein Kritikpunkt, der bereits gegen die Habermas’sche Diskurstheorie vorgebracht wird, ist daher, dass die sogenannte „ideale Sprechsituation“ empirisch nicht anzutreffen sei. Habermas ist sich dieses Umstandes bewusst. Er versteht die „ideale Sprechsituation“ eher als eine Diskurse leitende, möglicherweise auch kontrafaktische Unterstellung. Damit bleibt aber die Frage, ob Gewalt- und Hierarchiefreiheit der Kommunikation überhaupt auch nur unterstellt werden können, unbeantwortet. Weiterlesen