InDebate: Pegida ist eine anti-politische Bewegung!

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Jürgen Manemann

Auf der politischen Ebene lässt sich so etwas wie eine Rückkehr zur Politik ausmachen. Der Souverän, Bürgerinnen und Bürger, melden sich zurück. Man denke etwa an die überraschende Bürgerbewegung „Stuttgart 21“ oder die Occupy-Bewegung. Selbst wenn es sich hier nur um vorübergehende Erscheinungen handeln sollte, so kann das politische Signal, das von ihnen ausgegangen ist, nicht mehr geleugnet werden.

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InDebate: Schenken

Liebe Blogger-Freundinnen und Freunde,

in der Weihnachts- und der Neujahrswoche möchten wir Euch bitten, uns Eure Kommentare, Fragen, Reaktionen o.ä auf folgendes Zitat des Philosophen Theodor Adorno zu senden:

„Die Menschen verlernen das Schenken. … Dafür übt man charity, verwaltete Wohltätigkeit, die sichtbare Wundstellen der Gesellschaft planmäßig zuklebt. … Noch das private Schenken ist auf eine soziale Funktion heruntergekommen, die man mit widerwilliger Vernunft, unter sorgfältiger Innehaltung des ausgesetzten Budgets, skeptischer Abschätzung des anderen und mit möglichst geringer Anstrengung ausführt. Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. Es heißt wählen, Zeit aufwenden, aus seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken: das Gegenteil von Vergeßlichkeit. Eben dazu ist kaum einer mehr fähig. Günstigenfalls schenken sie, was sie sich selber wünschten, nur ein paar Nuancen schlechter. Der Verfall des Schenkens spiegelt sich in der peinlichen Erfindung der Geschenkartikel, die bereits darauf angelegt sind, daß man nicht weiß, was man schenken soll, weil man es eigentlich gar nicht will. Diese Waren sind beziehungslos wie ihre Käufer. Sie waren Ladenhüter schon am ersten Tag. Ähnlich der Vorbehalt des Umtauschs, der dem Beschenkten bedeutet: hier hast du deinen Kram, fang damit an, was du willst, wenn dir’s nicht paßt, ist es mir einerlei, nimm dir etwas anderes dafür. Dabei stellt gegenüber der Verlegenheit der üblichen Geschenke ihre reine Fungibilität auch noch das Menschlichere dar, weil sie dem Beschenkten wenigstens erlaubt, sich selber etwas zu schenken, worin freilich zugleich der absolute Widerspruch zum Schenken gelegen ist.

Gegenüber der größeren Fülle von Gütern, die selbst dem Armen erreichbar sind, könnte der Verfall des Schenkens gleichgültig, die Betrachtung darüber sentimental scheinen. Selbst wenn es jedoch im Überfluß überflüssig wäre …, so blieben des Schenkens jene bedürftig, die nicht mehr schenken. Ihnen verkümmern jene unersetzlichen Fähigkeiten, die nicht in der Isolierzelle der reinen Innerlichkeit, sondern nur in Fühlung mit der Wärme der Dinge gedeihen können. Kälte ergreift alles, was sie tun, das freundliche Wort, das ungesprochen, die Rücksicht, die ungeübt bleibt. Solche Kälte schlägt endlich zurück auf jene, von denen sie ausgeht. Alle nicht entstellte Beziehung, ja vielleicht das Versöhnende am organischen Leben selber, ist ein Schenken. Wer dazu durch die Logik der Konsequenz unfähig wird, macht sich zum Ding und erfriert.“

Theodor Adorno, Minima Moralia, 46/47

Schwerpunktbeitrag: Wozu Metaethik?

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Nico Scarano

Die Frage nach dem Wozu einer philosophischen Disziplin ist nicht einfach zu beantworten. Dies gilt auch für die Metaethik. Einen Zugang zur Frage nach ihren Zielen und Zwecken gewinnt man darüber, dass es Philosophie generell um Verstehen geht. Was versucht die Metaethik zu verstehen? Welche Fragen möchte diese Disziplin mit Hilfe philosophischer Methoden beantworten? Im Folgenden werde ich (1.) zunächst umrisshaft skizzieren, was überhaupt Metaethik ist, um (2.) dann vier metaethische Arbeitsgebiete voneinander abzugrenzen und deren jeweilige Hauptfragen zumindest ansatzweise zu benennen. Schließlich werde ich (3.) kurz darauf eingehen, inwiefern die Metaethik neben ihrer eigentlichen Aufgabe, die in der Beantwortung dieser Fragen liegt, auch als Hilfsdisziplin für andere wissenschaftliche Untersuchungen dienen kann. Weiterlesen

InDebate: Die abgesagte Katastrophe –Kritische Randnotizen zum EINEWELT Zukunftsforum

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Ana Honnacker

Nichts weniger als die Zukunft der globalen Gesellschaft war das Thema des am 24. November 2014 in Berlin ausgerichteten „EINEWELT Zukunftsforums„. Eingeladen hatte das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ), um den Abschluss des Dialogprozesses, der Anfang 2014 gemeinsam mit zahlreichen Nichtregierungsorganisationen, Vereinen und Initiativen gestartet worden war, mit der Übergabe der daraus entstandenen „EINEWELT Zukunftscharta“ an die Bundeskanzlerin zu begehen. Eingerahmt von „Zukunftsslams“ und „Erlebnisinseln“, in denen die verschiedenen Akteure sich und ihre Projekte vorstellen konnten, präsentierte sich eine durchweg zufriedene Bundesregierung. Die insgeheim ausgegebene Losung der Veranstaltung dürfte jedoch „Alles unter Kontrolle, keine Panik“ gelautet haben. Welthunger, Armut und Klimawandel wurden zu einer rein technologischen Herausforderung stilisiert, die im Rahmen des bestehenden Systems bewältigt werden kann. Die Logik des Wachstums wird mit dem Stichwort Nachhaltigkeit indiziert. Das beruhigt und schont die Nerven: Wir müssen nicht uns ändern. Jedenfalls nicht radikal. Wir bauen energieeffiziente Häuser und höhere Deiche. Wir kaufen fair gehandelten Kaffee und trinken Wasser aus der Leitung statt aus Plastikflaschen.  Der notwendige radikalere Kulturwandel wird vertagt. Weiterlesen