Pro und contra: Sollen Kinderrechte in die Verfassung aufgenommen werden?

Pro: Jochen Ehrich und Hendrik Ehrich
Kinderrechte müssen in die Verfassung aufgenommen werden!

Ehrich, Jochen      Ehrich, Hendrik

Kinderrechte wurden in die nationalen Verfassungen zahlreicher Staaten in unterschiedlicher Form und Ausführlichkeit aufgenommen. Das von den drei westlichen Besatzungsmächten mit Vorgaben in Auftrag gegebene Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (DGG) wurde 1949 vom parlamentarischen Rat verabschiedet und aufgrund von Reformbestrebungen geändert, ohne die Rechte der Kinder direkt zu berücksichtigen. Das aktuelle DGG stellt den Menschen allgemein, die Ehe und die Familie in das Zentrum, unterlässt es aber, auf Kinder in Abhängigkeit von ihren unterschiedlichen Entwicklungsstufen konkret einzugehen. Weiterlesen

InDebate: Was ist das – das Anthropozän?

Johannes Frisch - Aus der Menschenheimath. Vierter Brief. Die Vulkane in Die Gartenlaube, 1853 ("The Garden Arbor"), S. 36-38  (http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ADie_Gartenlaube_(1853)_b_037.jpg)

Johannes Frisch – Aus der Menschenheimath. Vierter Brief. Die Vulkane in Die Gartenlaube, 1853 („The Garden Arbor“), S. 36-38 (http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3A Die_Gartenlaube_(1853)_b_037.jpg)

Jürgen Manemann

Was ist das – das Anthropozän? Zunächst einmal ein Begriff. Wir benötigen Begriffe, um zu Erkenntnissen zu gelangen. Begriffe führen uns aber nicht automatisch zur Erkenntnis. Sie können sogar von ihr wegführen. Es bedarf Begriffe, die, wie Theodor W. Adorno fordert, das auf den Begriff Gebrachte – das Begrifflose – hervortreten lassen, ohne es dem Begriff gleichzumachen. Das bedeutet, dass wir uns „die Begriffe nicht mehr nur schenken lassen, sie nicht nur reinigen und aufhellen, sondern sie allererst machen, schaffen, hinstellen (…).“ Begriffe müssen also „erfunden, hergestellt oder vielmehr erschaffen werden“ (G. Deleuze/F. Guattari, 10). Es gibt Begriffe, die willkürlich sind, haltlos, und es gibt Begriffe, die triftig sind. Es gibt Begriffe, denen wir vertrauen, und solche, denen wir misstrauen. Aber: Es gibt keinen einfachen Begriff. Gilles Deleuze und Félix Guattari bringen es auf den Punkt: Jeder Begriff ist eine Mannigfaltigkeit. Er besitzt nicht nur eine Komponente, sondern mehrere. Mannigfaltig sind Begriffe nicht zuletzt deshalb, weil sie eine Geschichte haben. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Politische Repräsentation und radikale Demokratie

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Andreas Hetzel

Das im antiken Latein alltagssprachlich für „sich etwas vorstellen“ verwendete Verb repraesentare taucht seit dem Mittelalter verstärkt in juristischen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen auf. Die Substantivform repraesentatio markiert den Anspruch eines herausgehobenen Teiles zunächst der Kirche, dann aber auch der Gesellschaft, das Ganze in privilegierter Weise verkörpern zu können. Einen Höhepunkt findet diese Entwicklung in Thomas Hobbes’ Formel „rex est populus“. Die in dieser Wendung ausgesagte Identität der repräsentierenden und der repräsentierten Instanz manifestiert sich in einer absoluten Souveränität, welche sich wiederum im Körper des einen Königs inkarniert. Nur durch den Willen des Königs, der sie beherrscht, wird die Menge für Hobbes zu einem politischen Körper: „For it is the Unity of the Representer, not the Unity of the Represented, that maketh the Person One.“ (Thomas Hobbes, Leviathan I, 16.) Weiterlesen

InDebate: Soziale Ungleichheit

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Wilhelm Vossenkuhl

Nach Marx hat es keinen ernst zu nehmenden Versuch mehr gegeben, um der Gleichheit willen die soziale Ungleichheit wenigstens in der Theorie abzuschaffen. Selbst der an der Idee der gleichen Gerechtigkeit orientierte John Rawls geht nicht nur vom Faktum der Ungleichheit aus, sondern will sie mit seiner Theorie der Gerechtigkeit als Fairness nur lindern, aber nicht abschaffen. Er hat sich wie die meisten Theoretiker damit abgefunden, dass es die soziale Ungleichheit gibt. Es kommt aber gewiss darauf an, wie groß sie ist, und ob sie wächst. Kürzlich ließ Oxfam verlauten, dass 99% des Reichtums weltweit lediglich einem Prozent der Menschheit gehörten. Dagegen argumentierten dann rasch einige Ökonomen – beschwichtigend –, diese Zahlen seien der Geldschwemme zu verdanken, die von einigen Notenbanken verursacht wurde, sie seien künstlich und nicht ernst zu nehmen. Weiterlesen