InDebate: Cultural Appropriation or Cultural Dialog?

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Michael L. Thomas

Back in August, many Americans distracted themselves with an extended conversation about whether San Francisco Quarterback Colin Kapernick’s refusal to stand during the national anthem before NFL games was an „appropriate“ form of protest against police brutality or, somehow, disrespectful to members of the US military. This discussion diverted attention from the murders of Alton Sterling and Philando Castile, which gave rise to the protest, while simultaneously ducking away from actual dialog about patterns of racism in America. As we now know, Americans’ inability to directly confront issues of race in this context was an ominous portent of things to come. The election of Donald Trump and subsequent explosion of racial violence have brought racism bubbling up to the surface of everyday life, thus beginning a the new low point in the cyclical narrative of racial inequality in the US.  Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Anthropologie der Macht

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Dirk Jörke

Macht und Gewalt stellen Grundformen menschlichen Zusammenlebens dar. Doch der Machtbegriff ist schwer zu fassen. Es sind vor allem drei Fragen, die in Philosophie und Wissenschaft immer wieder aufgeworfen, aber bis heute nicht endgültig beantwortet worden sind: 1. Was ist Macht? 2. Ist das Streben nach Macht dem Menschen als solchem angeboren oder wird er von den gesellschaftlichen Verhältnissen zur Macht gezwungen? 3. Wie lassen sich die destruktiven Wirkungen des Machtstrebens verhindern? Weiterlesen

Pro und contra: War Kant Anti-Judaist?

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Pro: Eva Bucher

War Kant Anti-Judaist? Darauf kann man philosophisch antworten, also nicht biographistisch, sondern systematisch. Denn es ist möglich zu fragen, ob der Autor Immanuel Kant in seinen philosophischen, insbesondere seinen religionsphilosophischen Werken auf systematischer Ebene antijudaistisch argumentiert hat. Und dazu muss man sagen: Ja, das hat er. Weiterlesen

InDebate: In unsere Wünsche verstrickt: Wie eine Unterscheidung uns neu orientieren kann

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Katrin Wille

Ich schreibe diesen Beitrag mit dem Ziel, auf die Unterscheidung zwischen Wunsch und Wille aufmerksam zu machen, die aus meiner Sicht eine große Kraft hat, um sich und die Welt besser verstehen, aber auch kritisieren und verändern zu können. Die Unterscheidung ist wichtig für das Verhältnis von uns als handelnden Subjekten zu uns selbst, für die konkreten Beziehungen zwischen uns und anderen und für den Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen. Ich will die Unterscheidung zuerst im Selbstverhältnis einführen und dann im zweiten Schritt Konsequenzen für ein aktuelles Thema unserer Zeit aus der Medizinethik aufzeigen. Vor allem daran zeigt sich drittens die radikale Konsequenz dieser Unterscheidung, die ich hiermit zur Diskussion stellen möchte. Weiterlesen

InDebate: Stranger Things? – Naturalistische Religionsphilosophie

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Gregor Reimann

Gemäß der Zeitdiagnose von Jürgen Habermas gehören die »gegenläufigen Tendenzen« von Naturalismus und Religion zu den wesentlichen Herausforderungen der Gegenwart.[1] Vor allem in Anbetracht des religiös motivierten Terrorismus und der Diskriminierung von Minderheiten im Namen Gottes ist eine kritische Auseinandersetzung mit religiösen Sinndeutungssystemen unabdingbar. Ob sich religiöse Überzeugungen rational rechtfertigen lassen, ist deshalb nach wie vor eine der Grundfragen der Religionsphilosophie.[2] Dort, wo sich die Vernunft den Glauben vornimmt, besteht zumindest die Hoffnung, dass auch der Glaube Vernunft annimmt. Rationale Glaubensverantwortung ist noch immer die beste Prophylaxe gegen Fundamentalismus und Fanatismus. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Demokratische Repräsentation und die alten und neuen politischen Körperlehren

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Philip Manow

In der zeitgenössischen Demokratietheorie herrscht die Meinung vor, Volkssouveränität sei prinzipiell nicht darstellbar und die Vorstellung eines politischen Volkskörpers seit langem verabschiedet. Die Rede vom politischen Körper gilt heute als anachronistisch, die Körperlosigkeit der Demokratie wird geradezu zum Definitions- und Abgrenzungskriterium gegenüber der Monarchie mit ihrem politischen Königskörper: Demokratie beginne überhaupt erst am Ende aller politischen Verkörperungsmechanismen, demokratische Herrschaft sei gleichbedeutend mit der „Entkörperung der Macht“ (Claude Lefort). Der „Platz des verabschiedeten Volkskörpers“ markiert daher einen „vakante[n] Sitz der Souveränität“[1]. Aber was füllt diese Leerstelle? Welcher „symbolische Körper [tritt] an Stelle eines Volkes, das unauffindbar ist und nicht dargestellt werden kann“[2]? Weiterlesen

InDebate: „Sehnsuchtsort Europa“ – am Ende der Großen Erzählungen? Laudatio auf Albrecht Koschorke

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Birgit Recki

Sehnsuchtsort Europa. Wenn ich nach einem gelungenen Beispiel für eine der schönen Tugenden aus dem vielstimmigen und dabei doch überwiegend einvernehmlichen europäischen Tugend-Kanon suche: für unprätentiöses Auftreten, für die Maxime Mehr sein als scheinen, für Understatement, oder altmodisch gesagt: für Bescheidenheit — dann kann ich seit kurzem auf das Buch unseres diesjährigen Buchpreisträgers Albrecht Koschorke verweisen. Dem Titel (Hegel und wir. Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2013, Berlin 2015) ist beim besten Willen nicht zu entnehmen, welche großen (und nicht nur für die Frage nach dem Sehnsuchtsort Europa einschlägigen) Fragen darin ausgetragen werden. Es geht tatsächlich um Europa als ein von Sinn getragenes Ganzes, es geht um den prekären Status eines europäischen Selbstverständnisses, und dabei vor allem um das Potential von Theorien, durch grundlegende konzeptuelle Entwürfe ein solches Selbstverständnis, das gemeinsame Verständnis einer europäischen Identität, zu vermitteln. Albrecht Koschorke geht von der Einsicht aus, dass ein Bewusstsein von politischer und kultureller Identität nicht schon aus der direkten gesellschaftlichen Praxis, ja noch nicht einmal aus den programmatischen und ideologischen Erklärungen der tagespolitischen Auseinandersetzung entspringt, sondern auf große historische, gesellschaftstheoretische, philosophische Systementwürfe angewiesen ist, die mit der begrifflichen Welterklärung immer zugleich Sinn stiften, Sinn als das Element der Reflexion auf das Ganze, als dessen Teil sich der Erkennende begreifen können muss, um sich in der Welt orientieren und in konstruktiver Bereitschaft zur Partizipation seinen Platz in ihr ausfüllen zu können. Weiterlesen

InDebate: Post-Racial Discourse and American Genocide

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Lissa Skitolsky

Over the past three years the media in the United States has drawn attention to the epidemic of racist murders perpetrated by police officers against unarmed young black men and women (the five murders that received the most attention were those of Michael Brown, Eric Garner, Tamir Rice, Sandra Bland and Freddie Gray). These events provoked new protests against police brutality and our racist system of mass incarceration at the same time that the media and our politicians portrayed each murder as an “exception” to the norm of a just Justice system that was no longer informed by structural discrimination against African Americans. As President Obama has reminded the nation after every publicized police murder of a young black man, we “have come a long way” since the Civil Rights era of legal segregation and Jim Crow. Since Obama’s election as the first black president of the United States, the media has referred to the American present as a ‘post-racial’ society and scholars have started to explore how this ‘post-racial discourse’ has informed (mis)representations of state violence and precluded opportunities for political activism in the United States. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Bildung für eine Kultur der Verständigung

Katja Neuhoff

Katja Neuhoff

Menschen sind von Natur aus sowohl bildungsfähig als auch bildungsbedürftig. Als je besondere Menschen bringen sie ihre eigene Perspektive auf die Wirklichkeit mit. Ausgehend davon können sie sich in Freiheit bilden. Bildung kann eine Kultur der Verständigung fördern durch die Anleitung zur Ausbildung eigener Werthaltungen und eines moralischen Bewusstseins; durch die Erkenntnis, dass die eigene Sichtweise immer begrenzt ist und daher angewiesen bleibt auf andere Perspektiven zur Erfassung der Realität und durch die Orientierung an dem intersubjektiven Anspruch, die eigenen Einstellungen und Werthaltungen begründen zu können. Weiterlesen

InDebate: Flüchtlingskrise: die Erfahrung der Unbehaustheit

Ferdinand Fellmann

Ferdinand Fellmann

Die Flüchtlingskrise beschäftigt auf verschiedenen Ebenen die Politik, die mit allen Mitteln versucht, die Probleme in den Griff zu bekommen und soziales Gleichgewicht zu schaffen. Begleitet wird die Politik von Bürgerbewegungen gegen Fremdenfeindlichkeit und Aufrufen zur Solidarität und Menschlichkeit. Auf seine Willkommenskultur kann Europa stolz sein. Auch die moralischen Reflexionen über die Pflicht zur Hilfe für Menschen in Not sind eindrucksvoll. Allerdings gibt es eine Dimension, die von Philosophen nicht oder nur marginal erfasst wird. Daher ist es angezeigt, nach anthropologischen Argumenten Ausschau zu halten, die uns tiefere Einblicke in die Mechanismen der Integration von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen verschaffen. Dafür bieten sich die Schriftsteller an. Allerdings nicht diejenigen, die sich mit vorschnellen Äußerungen an die Öffentlichkeit wenden, sondern eher Klassiker, die gleichwohl hoch aktuell sind. Dazu zählt Thornton Wilder mit seinem Schauspiel Wir sind noch einmal davongekommen aus dem Jahre 1941. Weiterlesen