Pro und contra: Burkaverbot – ja oder nein?

Hirn Foto

Pro: Lisz Hirn

In der aktuellen Diskussion rund um das Thema Burkaverbot werden zweifelsohne viele Argumente gegen eine gezielte Verhüllung des weiblichen Körpers ins Feld geführt. Im Folgenden beziehe ich mich ausschließlich auf das Verbot zur Ganzkörper- bzw. Gesichtsverschleierung und nicht auf den Hijab. So zeige diese angeblich die Ungleichheit von Mann und Frau und sei ferner ein Mittel zur Unterdrückung der Letzteren sowie das Symbol eines zutiefst konservativ geprägten, politischen Islams. Da der Koran kein (eindeutiges) Verschleierungsgebot für Frauen ausspricht, gibt es auch für die Burka keinerlei religiöse Legitimation. Worum geht es also in der Debatte um die Burka? Weiterlesen

Pro und Contra: Ist gute Kritik konstruktiv?

Honnacker Foto

Pro: Ana Honnacker

Der Begriff der Kritik ist nicht notwendigerweise mit der Idee der Konstruktivität verknüpft. Das Gebot, Kritik müsse zwingend konstruktiv sein, muss daher mit Vorsicht (und Nachsicht) eingesetzt werden. Allzu häufig mag es als Immunisierungsstrategie eingesetzt werden, um unbequeme Stimmen mundtot zu machen. Das Recht, Missstände anzuprangern, scheint an die Bedingung geknüpft zu sein, eine Alternative für den Status Quo anzubieten. Wer das nicht kann, hat zu schweigen. Dass jedoch eine Vielzahl an Situationen vorstellbar ist, in denen nur Kritik im Sinne von Protest und gar Widerstand gegen das Bestehende auf der Tagesordnung stehen kann, möchte ich gar nicht bestreiten. Allein, dass man es dabei nicht auf Dauer belassen kann, halte ich für wichtig. Spätestens im Moment des erreichten Umsturzes, der Abschaffung des Kritisierten, muss etwas Neues an dessen Stelle gesetzt werden. Auf die Dekonstruktion oder Destruktion muss die Konstruktion folgen. Weiterlesen

InDebate: Die abgesagte Katastrophe –Kritische Randnotizen zum EINEWELT Zukunftsforum

Honnacker Foto

Ana Honnacker

Nichts weniger als die Zukunft der globalen Gesellschaft war das Thema des am 24. November 2014 in Berlin ausgerichteten „EINEWELT Zukunftsforums„. Eingeladen hatte das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ), um den Abschluss des Dialogprozesses, der Anfang 2014 gemeinsam mit zahlreichen Nichtregierungsorganisationen, Vereinen und Initiativen gestartet worden war, mit der Übergabe der daraus entstandenen „EINEWELT Zukunftscharta“ an die Bundeskanzlerin zu begehen. Eingerahmt von „Zukunftsslams“ und „Erlebnisinseln“, in denen die verschiedenen Akteure sich und ihre Projekte vorstellen konnten, präsentierte sich eine durchweg zufriedene Bundesregierung. Die insgeheim ausgegebene Losung der Veranstaltung dürfte jedoch „Alles unter Kontrolle, keine Panik“ gelautet haben. Welthunger, Armut und Klimawandel wurden zu einer rein technologischen Herausforderung stilisiert, die im Rahmen des bestehenden Systems bewältigt werden kann. Die Logik des Wachstums wird mit dem Stichwort Nachhaltigkeit indiziert. Das beruhigt und schont die Nerven: Wir müssen nicht uns ändern. Jedenfalls nicht radikal. Wir bauen energieeffiziente Häuser und höhere Deiche. Wir kaufen fair gehandelten Kaffee und trinken Wasser aus der Leitung statt aus Plastikflaschen.  Der notwendige radikalere Kulturwandel wird vertagt. Weiterlesen