Schwerpunktbeitrag: Die „Sinnesvergessenheit“ und die Compassion. Versuch einer Weiterführung der Philosophie der Kyoto-Schule

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Ryôsuke Ohashi

Dort (in der Leere) gibt es kein Auge, kein Ohr, keine Nase, keine Zunge, keinen Leib, kein Bewusstsein; es gibt keine Gestalten, keine Töne, keinen Duft, keinen Geschmack, keine Tastobjekte, keine Seiende“ (Herz-Sutra)

Der Leser wird am Anfang stutzen, da im Titel gleich zwei Wörter stehen, die als philosophische Termini fremd klingen. „Compassion“ wird in der Philosophiegeschichte kaum thematisch behandelt. Zwar entspricht das Wort, wenn man Sino-Japanische Schriftzeichen verwendet, der ersten Hälfte des mahayana-buddhistischen Begriffspaars „Karna (悲) – Prajna (智)“. „Prajna“ kann ohne große Probleme mit: „Weisheit“ oder „Vernunft“ übersetzt werden. Aber inwieweit „Karna“ dem christlichen Begriff „Compassion“ entspricht, ist schon eine Frage. Noch fremder mag das Wort „Sinnesvergessenheit“ klingen. Der Leser wird sich fragen, ob mit dem Wort „Sinn“ so etwas wie „Sinnbedeutung“ oder ein Erkenntnisorgan gemeint ist. Hier sind beide Bedeutungen gemeint. Aber was soll es heißen, dass dieser Sinn „vergessen“ wird? Der umsichtige Leser wird zwar ahnen, dass der aus dem „Herz-Sutra“ als der Quintessenz-Schrift des Mahayana-Buddhismus zitierte Motto-Satz diesen Sachverhalt exponiert. Aber das Zitat wäre an sich selbst unverständlich, wenn es als ein Satz gelesen wird, der logisch für die rationale Vernunft des philosophischen Denkens zugänglich sein soll.  Weiterlesen

InDebate: Technik als Anti-Natur in der Natur selbst? Aus der Sicht der „Compassion“ auch im buddhistischen Sinne

Ryosuke Ohashi

Köln, Rheinbrücke im Hochwasser
(c) Ryosuke Ohashi

Robert Smithon, Spiral Jetty, 1970, in: Kunst des 20. Jahrhunderts
(c) Robert Smithon

(1) Die Natur hat das Leben hervorgebracht, das in seiner langen Evolutionsgeschichte auch die Menschengestalt angenommen hat. Der Mensch besitzt die Technik, so glaubt er zumindest, mit der er als „Herr und Besitzer der Natur“ (Descartes) diese zu beherrschen, zu ändern und auch zu zerstören imstande ist. Allerdings ist die heutige Lage der Technikwelt auch so zu bezeichnen, dass eher der Mensch vom sich selbst vorantreibenden Mechanismus der Technik wie z.B. des Aktien- und Kapitalmarktes besessen wird. Wenn eine neue Ware durch die moderne Technik hergestellt wird, wird sie im Vergleich mit der älteren Version in vielen Hinsichten verbessert. Zugleich wird aber noch ausdrücklicher, dass sie nicht zum Zweck der Erfüllung der Bedürfnisse der besseren Qualität, sondern zum Zweck der Erweckung dieser Bedürfnisse produziert wird. Weiterlesen