Schwerpunktbeitrag: Politische Ohnmacht

Foto Manemann

Jürgen Manemann

 

Die politische Theoretikerin Hannah Arendt hat unter Verweis auf die griechische Philosophie das Politische als einen Raum definiert, der erst zwischen den Menschen und durch die Verschiedenheit der Menschen entsteht. Dieser Raum lässt sich in den Bereich der Politik und Subpolitik auffächern. Der Begriff der Politik bezeichnet allgemein ein Sachgebiet, das die Gesamtheit der Diskurse, Institutionen und Praktiken umfasst, deren Ziel die Herstellung von Ordnung ist. Ordnungsverhältnisse sind auch Machtverhältnisse. Macht ist aber nicht ohne Gegenmacht. Weiterlesen

InDebate: Demokratie

Jacques Rancière, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AJacques_Ranciere.jpg, Autor: By Universidad Internacional de Andalucía (Jacques Rancière) [CC-BY-2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Jacques Rancière, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AJacques_Ranciere.jpg, Autor: By Universidad Internacional de Andalucía (Jacques Rancière) [CC-BY-2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Da unsere Blogger*innen Urlaub machen, starten wird in der Rubrik „Indebate“ mit neuen Beiträgen erst wieder Anfang September. In der Zwischenzeit würden wir uns freuen, wenn Ihr an dieser Stelle Eure Lieblings-Zitate zu den jeweiligen Themen postet. Einfach in den Kommentar schreiben und abschicken.

Das Thema diese Woche ist „Demokratie“. Unser Zitat hierzu stammt von Jacques Rancière:

„Die Demokratie ist weder ein Verfassungstypus noch eine Gesellschaftsform. Die Macht des Volkes ist nicht die Macht der versammelten Bevölkerung, die seiner Mehrheit oder die der Arbeiterklasse. Sie ist einfach nur die Macht, die denjenigen eigen ist, die weder zum Regieren bestimmt sind, noch zum Regiertwerden“.

 

Quelle: Jacques Rancière, Der Hass der Demokratie, August Verlag Berlin, 2. Auflage 2012, S.57

 

 

Pro und Contra: Gehören Freiheit und Wohlstand zusammen?

Pro: Steffen Hentrich

Foto Hentrich

Wohlstand ist das Resultat der schöpferischen Nutzung natürlicher Ressourcen. Wohlstand bedeutet aber auch Wohlbefinden, Sicherheit, Unabhängigkeit und die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe. Er umfasst nicht nur den Zugang zu materiellen Gütern und Dienstleistungen, sondern schließt auch die Freiheit des Menschen ein. Technologischer und gesellschaftlicher Fortschritt sind ohne menschliche Kreativität und freiwilligen Austausch undenkbar. Seit der industriellen Revolution und der sich beschleunigenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Globalisierung hat der Wohlstand der Menschheit einen ungekannten Wachstumsschub erlebt, begleitet von einer Demokratisierung der menschlichen Gesellschaft. Der Zusammenbruch des Kommunismus hat diese Entwicklung noch einmal beschleunigt. Weiterlesen

InDebate: Das Volk als Zuschauer, Politik als Ereignis – Ocular Democracy und die „Seh-Stärke“ des demokratischen Souveräns

Solongo Wandan

Die politische Laufbahn des Ex-Premierministers Silvio Berlusconi scheint in diesen Tagen vor dem endgültigen Ende zu stehen. Italiens skandalträchtiger „Cavaliere“ droht der Senatsausschluss, Politikverbot sowie eine Haftstrafe. Ungefähr zur gleichen Zeit zwingt die chinesische Regierung den regimekritischen und gegenwärtig inhaftierten Blogger Charles Xue zu einer öffentlichen Abbitte vor laufender Kamera. Das im chinesischen Staatsfernsehen gesendete Video zeigt Xue selbstkritisch; seiner „Aussage“ zufolge mache das Internet süchtig und er habe seine kritischen Kommentare über Umweltverschmutzung, Lebensmittelsicherheit und Kinderarmut in China nicht vorab überprüft. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Der Lärm der Demokratie

Christian Grabau

Der Demokratie ist immer ein „Exzess“ (Rancière) eingeschrieben, ein Lärm der mannigfaltigen Interessen, Vorlieben und Strategien, den dieselbe Ordnung, die ihn hervorgerufen hat, wieder in geordnete Bahnen lenken will. Während in der attischen Demokratie versucht wurde, das Stimmengewirr architektonisch zu beherrschen, ist es in der Moderne vor allem die Pädagogik, welche das Einvernehmen in die Körper und Herzen der Staatsbürger einschreiben und die Macht der Sprache zähmen soll. Dass ihr das nicht abschließend gelingen kann und sich der Lärm immer wieder Gehör verschafft, ist das demokratische Paradox, welches Regierungen ebenso beunruhigt wie die politische Philosophie. Das ist der Einsatzpunkt des Beitrags, der zu zeigen versucht, was passiert, wenn die Vielstimmigkeit plötzlich anhebt, Mehrdeutigkeiten für Überraschungen sorgen und Orte, die dafür eigentlich nicht vorgesehen sind, zu politischen Bühnen werden, auf denen sich Leute treffen, die sich eigentlich nichts zu sagen haben. Weiterlesen

InDebate: Keine Angst vor Dogmatismus!

Beispiel für ein demokratiekompatibles Dogma
(Foto „Marienstatue in der Kapelle von Klaus“ von „a4o“, online abrufbar unter: https://www.flickr.com/photos/oleseidel/397283577/sizes/m/in/photolist-B7byR-MaiUB-3eEGD9-48baUP-4hmYe8-4hr3Y1-4kjxHe-4kozEb-5RDKrR-6griTP-6gvuLd-6LfkbG-6Q5ypE-6ZEw8b-76Lqe4-9yRkwd-9yRowU-dhfZ1X-anWxvW-dQkbEd-e2pPDY-9suTaj-euqGZu/

 

Wenn heute von Dogmen und Dogmatikern oder Dogmatikerinnen gesprochen wird, geschieht dies meist im Zusammenhang mit dem Vorwurf des Dogmatismus an Personen oder Gruppen. Dieser Vorwurf trifft nicht nur Geistliche der katholischen Kirche, sondern auch Feministinnen, Umwelt- und Parkschützer, gewerkschaftliche „Betonköpfe“ und generell „Hardliner“ aller Couleur. Positionen oder Personen, die so bezeichnet werden, gelten als engstirnig, autoritär und letztlich undemokratisch.

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