Pro und Contra: Ist gute Kritik konstruktiv?

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Pro: Ana Honnacker

Der Begriff der Kritik ist nicht notwendigerweise mit der Idee der Konstruktivität verknüpft. Das Gebot, Kritik müsse zwingend konstruktiv sein, muss daher mit Vorsicht (und Nachsicht) eingesetzt werden. Allzu häufig mag es als Immunisierungsstrategie eingesetzt werden, um unbequeme Stimmen mundtot zu machen. Das Recht, Missstände anzuprangern, scheint an die Bedingung geknüpft zu sein, eine Alternative für den Status Quo anzubieten. Wer das nicht kann, hat zu schweigen. Dass jedoch eine Vielzahl an Situationen vorstellbar ist, in denen nur Kritik im Sinne von Protest und gar Widerstand gegen das Bestehende auf der Tagesordnung stehen kann, möchte ich gar nicht bestreiten. Allein, dass man es dabei nicht auf Dauer belassen kann, halte ich für wichtig. Spätestens im Moment des erreichten Umsturzes, der Abschaffung des Kritisierten, muss etwas Neues an dessen Stelle gesetzt werden. Auf die Dekonstruktion oder Destruktion muss die Konstruktion folgen. Weiterlesen

InDebate: Die Unparteiischen in der Parteiendemokratie. Das Verfassungsgericht als Hüter der Legitimität?

Hüter der Legitimität? Das Bundesverfassungsgericht bei einer Urteilsverkündung. Quelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F065074-0023 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA, via commons.wikimedia.org

Hüter der Legitimität? Das Bundesverfassungsgericht bei einer Urteilsverkündung. Quelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F065074-0023 / Wegmann, Ludwig / CC-BY-SA, via commons.wikimedia.org

Dominik Hammer

Ein richtiger Dauerbrenner in Diskussionen um politische Kultur, Kirche und Staat, Demokratie und ihr Wesen sowie vordemokratische Grundlagen ist das sogenannte Böckenförde-Paradoxon, manchmal auch Böckenförde-Diktum genannt. Dieses besagt: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ (Böckenförde 2006, S. 112) Selten wird auch der zweite, zu diesem Diktum gehörende Satz hinzugefügt, nämlich: „Das ist das Wagnis, das er um der Freiheit Willen eingegangen ist“ (ebenda). Eine Ausnahme bildet ein kürzlich in der FAZ erschienener Artikel. Meist jedoch konzentriert man sich auf den ersten Teil des Paradoxons und die damit im Hinblick auf das Wesen der Demokratie getätigten Grundannahmen. Weiterlesen

InDebate: Nacktbilder, Zigaretten und das Bedürfnis nach Authentizität

Authentizität als Werbemotiv. Zigarettenwerbung in Hannover-Linden

Authentizität als Werbemotiv. Zigarettenwerbung in Hannover-Linden

Dominik Hammer

Vor kurzem kursierte in den Zeitungen die Meldung, dass mehrere Nacktfotos von Prominenten aus deren „Clouds“ gestohlen und im Internet veröffentlicht wurden. Den besonderen Reiz schien bei diesen Bildern nicht nur auszumachen, dass es sich um Celebreties handelte, Weiterlesen

Pro und Contra: Ist das Volk als Subjekt der Herrschaft eine politische Einheit?

Pro: Carl Schmitt

 Carl Schmitt_Blog

„Das Volk als Träger der verfassunggebenden Gewalt ist keine feste, organisierte Instanz. Es würde seine Natur als Volk verlieren, wenn es sich für ein tägliches und normales Funktionieren und für die regelmäßige Erledigung von Amtsgeschäften einrichtete. Volk ist seinem Wesen nach nicht Magistratur und auch in einer Demokratie niemals zuständige Behörde. Andererseits muß das Volk in der Demokratie politischer Entscheidungen und Handlungen fähig sein. Weiterlesen

InDebate: Genealogien als Methoden der Sozialwissenschaften?

Beispiel für eine historische Genealogie Bild: Ahnenreihe Jesu im Limburger Dom. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ahnenreihe_Jesu_im_Limburger_Dom.jpg Autor: SteveK http://commons.wikimedia.org/wiki/User:SteveK

Beispiel für eine historische Genealogie Bild: Ahnenreihe Jesu im Limburger Dom. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ahnenreihe_Jesu_im_Limburger_Dom.jpg
Autor: SteveK http://commons.wikimedia.org/wiki/User:SteveK

Dominik Hammer

Nicht nur in den Geschichtswissenschaften oder in der Biologie, auch in den Sozialwissenschaften begegnet die aufmerksame Leserin/der aufmerksame Leser immer wieder der Textform der Genealogie. Es seien einige willkürliche Beispiele genannt. Cornel Wests Buch „The American Evasion of Philosophy“ ist, wie der Untertitel verrät, eine „Genealogy of Pragmatism“. Die Politikwissenschaftlerin Nadia Urbinate lieferte in ihrem Buch „Representative Democracy. Principles and Genealogy“ unter anderem eine Genealogie der repräsentativen Demokratie. Weiterlesen

InDebate: Liebe als Gerechtigkeit

Graffiti im Soziokulturellen Zentrum Trotz Allem in Witten: Die Liebe stirbt nie 2013. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ATrotz_Allem_Graffiti_Liebe.jpg

Graffiti im Soziokulturellen Zentrum Trotz Allem in Witten: Die Liebe stirbt nie 2013. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ATrotz_Allem_Graffiti_Liebe.jpg

Dominik Hammer/Jürgen Manemann

Sozialethiker sehen ihre Aufgabe bekanntlich darin, sich mit der Gestaltung gesellschaftlicher Institutionen und Rahmenbedingungen im Hinblick auf ein Mehr an Gerechtigkeit zu befassen. Dabei verstehen sie das Soziale aber oft als ein objektives Gebilde, dessen Formen von den einzelnen Menschen letztlich unabhängig sind. Genau hier lauern Gefahren: Weiterlesen

Philosophy and the Web: Googles Marktmacht: Ein neues Kapitel zur Lehre von der Souveränität?

Anfang April startete in der FAZ eine Debatte über die Monopolstellung von Google und deren negative Auswirkungen für den Wettbewerb. Nachdem der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt in einem Beitrag auf den ersten Artikel antwortete, bekam er wiederum eine Antwort in Form eines offenen Briefes, geschrieben vom Chef des Axel Springer Verlages, Mathias Döpfner. In seinem Brief gesteht Döpfner Angst vor der Macht von Google ein, führt wettbewerbsschädigende Praxen und die Monopolstellung des Internetkonzerns auf sowie die Datenschutzproblematik, die sich durch Googles Zugriff auf die Daten seiner Nutzer*innen ergebe. Weiterlesen

Philosophy and the Web: Philosophie to go?

“Heutzutage ist ja alles Bio, sogar die Macht”. Dieses Bonmot verdanke ich FIPH-Fellow Dr. Eike Brock, der diese Feststellung in einem Gespräch über den Bio-Trend und die Konjunktur postmoderner Philosophie traf. Kulturkritiker*innen, die sich an den Schriften von Byung-Chul Han oder an den Befunden von Hartmut Rosa orientieren, könnten darauf verweisen, dass heutzutage eher alles „to go“ ist. Angefangen bei den Nahrungsmitteln. Denn neben Kaffee gibt es freilich auch Brötchen, Pizza, Pommes Frites und jede Menge anderes Fast Food zum Mitnehmen. Freilich ist in diesem Bereich auch an das LOHASSegment auf dem Markt gedacht. Der Comedian Rainald Grebe beschreibt dies in seinem Song „Karoshi“, der ein wenig wie der Soundtrack zu Hartmut Rosas Beschleunigungsthese klingt: „Es gibt jetzt Suppe-to-go, Suppe-to-go, so’ne Minestrone auf die Hand, das brauch ich“. Weiterlesen

Philosophy and the Web: Trugschlüsse und Entgleisungen

Gewalt- und hierarchiefreie Kommunikation ist, vor allem in Gruppendiskursen, ein hohes Gut, das es zumindest anzustreben gilt. Ein Kritikpunkt, der bereits gegen die Habermas’sche Diskurstheorie vorgebracht wird, ist daher, dass die sogenannte „ideale Sprechsituation“ empirisch nicht anzutreffen sei. Habermas ist sich dieses Umstandes bewusst. Er versteht die „ideale Sprechsituation“ eher als eine Diskurse leitende, möglicherweise auch kontrafaktische Unterstellung. Damit bleibt aber die Frage, ob Gewalt- und Hierarchiefreiheit der Kommunikation überhaupt auch nur unterstellt werden können, unbeantwortet. Weiterlesen

Philosophy and the Web

Begrüßung

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich, Euch unsere neue Kategorie „Philosophy and the Web“ vorstellen zu dürfen. An dieser Stelle werdet Ihr künftig regelmäßig Beiträge zum Themenkomplex „Internet und Philosophie“ finden. In dieser Kategorie wollen wir Websites vorstellen, die sich mit philosophischen Themen beschäftigen. Auch möchten wir aktuelle philosophische Diskussionen im und über das Internet vorstellen und kommentieren. Unser Ziel ist es, zu erforschen, welche Bedeutung dem Internet für die Philosophie im Allgemeinen und als Raum des Philosophierens im Besonderen zukommt. Wir freuen uns über Eure Kommentare, Kritik und Anregungen. Auch Hinweise auf Seiten, die Eurer Meinung nach hier vorgestellt werden sollten, nehmen wir gerne entgegen. Wir wünsche Euch viel Freude mit „Philosophy and the Web“

Dominik Hammer für das Philosophie InDebate-Team

Philosophy and the Web: The Indiana Philosophy Ontology (InPhO) project

Für die theoretische Philosophie ist die Ontologie eine der grundlegenden Disziplinen. Als Seinslehre beschäftigt sich Ontologie als Fachbereich der Philosophie mit Fragen, welche die Existenz selbst betreffen. In der Informatik wird der Begriff der Ontologie in Anlehnung an den philosophischen Begriff dazu verwendet, Darstellungs- und Ordnungsmethoden zu bezeichnen. Durch solche „Ontologien“ sollen in der Informatik Verknüpfungen von Wissensbeständen graphisch sichtbar und editierbar gemacht werden. Doch auch für geisteswissenschaftliches Arbeiten lassen sich diese mit der Mind-Map eng verwandten Graphiken gut nutzen. Welche Möglichkeiten eine solche Darstellung für die Philosophie bietet, demonstriert unter anderem das Indiana Philosophy Ontology (InPhO) -Projekt. Eine Forscher*innengruppe, die im Bereich der “Digital Humanities“ arbeitet, hat in diesem Projekt eine hilfreiche Übersicht der besonderen Art erstellt. Diese präsentiert eine graphische Einordnung philosophischer Ideen und Strömungen und verlinkt zu den jeweiligen Wikipedia-Artikeln (und in vielen Fällen auch zu den Einträgen aus der Stanford Enyclopedia of Philosophy). Die Ontologie kann durch mehrere Clicks so weit aufgefächert werden, dass die gesuchten philosophischen Konzepte oder die jeweiligen Philosoph*innen erscheinen. Die Website kann allerdings auch gezielt mithilfe einer Suchleiste nach Personen oder Begriffen durchsucht werden. Auf den Seiten der einzelnen Denker*innen finden sich neben Links und kurzen biographischen Angaben auch Philosoph*innen aus dem gleichen Disziplin, verwandte Denker*innen, und solche, die philosophische Positionen der gesuchten Philosoph*innen beeinflusst haben (oder von diesen beeinflusst wurden). Gleiches gilt für die gesuchten philosophischen Begriffe. Dort werden Untergliederung der jeweiligen philosophischen Fachdisziplinen, Schlagworte und die den Themenfeldern zuzuordnenden Philosoph*innen angezeigt. Damit stellt das Indiana Philosophy Ontology -Projekt einen gute Adresse für alle dar, die sich einen Überblick über Ideen oder Philosoph*innen und deren Kontext verschaffen wollen. Auch zur philosophischen Spurensuche lädt die Seite mit ihrer ansprechenden Fächeroptik ein.

Link: https://inpho.cogs.indiana.edu/taxonomy