Schwerpunktbeitrag: Schelling über die Liebe zum Bösen

Henning Tegtmeyer

Wie erklärt man die Liebe zum Bösen, also die kaum zu leugnende Tatsache, dass manche Menschen freiwillig Böses tun? Diese Tatsache stellt uns vor ein unvermeidliches philosophisches Dilemma. Denn einerseits gehört Freiwilligkeit zum Begriff des bösen Handelns. Nun handelt eine Person im vollen Sinn freiwillig nur dann, wenn sie das, was sie tut, gerne tut oder liebt – sei es um seiner selbst willen oder wegen seiner erwarteten oder erhofften Folgen. Damit scheint die Rede von der Möglichkeit einer Liebe zum Bösen einen guten Sinn zu haben. Andererseits aber scheint eine solche Liebe vollkommen unverständlich, da man nur das lieben kann, was gut ist oder was man wenigstens für gut hält. So betrachtet erscheint Liebe zum Bösen als in sich unsinnig und widersprüchlich. Das ist das Dilemma: Liebe zum Bösen scheint zugleich etwas Wirkliches und dennoch unmöglich zu sein wie ein rundes Quadrat. Weiterlesen