Pro und contra: War Kant Anti-Judaist?

eva-bucher

Pro: Eva Bucher

War Kant Anti-Judaist? Darauf kann man philosophisch antworten, also nicht biographistisch, sondern systematisch. Denn es ist möglich zu fragen, ob der Autor Immanuel Kant in seinen philosophischen, insbesondere seinen religionsphilosophischen Werken auf systematischer Ebene antijudaistisch argumentiert hat. Und dazu muss man sagen: Ja, das hat er. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Unbedachte Güte und die Ungerührtheit der Welt. Überlegungen zur zwischenmenschlichen Praxis des Umgangs mit moralisch wirksamen Gefühlen1

Foto Pape

Helmut Pape

I. Vorbemerkung, Klärung der Fragestellung und eine These

Die motivierende Rolle von Gefühlen ist für viele Moraltheoretiker häufig Anlaß zur Erfindung argumentativer Strategien, die im Namen der Rationalität deren Wirksamkeit leugnet oder durch Vernunft ersetzen will. Im Nachdenken über die moralische Richtigkeit des Handelns, so heißt es, sollten Gefühle keine Rolle spielen. Auch Kant z. B. hat immer wieder klar für die Ausschaltung motivierender Gefühle plädiert. Er hielt sie nicht für geeignet, um als Motivationen im moralischen Denken eine Rolle zu spielen. In der Grundlegung der Metaphysik der Sitten sagt Kant in diesem Sinne über den durch Mitempfinden motivierten Menschenfreund, daß dieser erst dann eine Chance hätte, sich moralisch zu verhalten, wenn er moralisch gefühllos geworden ist: Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Die Aktualität der Mystik

Thies

Christian Thies

Wenn in der deutschen Philosophie von einer „Rückkehr der Religion“ gesprochen wird, nennt man meistens Jürgen Habermas. Dieser Hinweis ist jedoch nicht zutreffend, denn Habermas, der sich selbst als „religiös unmusikalisch“ bezeichnet hat, interessiert sich nur für die moralische und politische Dimension der real existierenden Religionen, nicht für das Religiöse selbst. Ein viel besseres Beispiel sind die jüngsten Schriften von Ernst Tugendhat („Egozentrizität und Mystik“, München 2003 und „Anthropologie statt Metaphysik“, München 2007). Dagegen scheint auf den ersten Blick zu sprechen, dass sich Tugendhat gegen die Möglichkeit wendet, heute noch ein religiöser Mensch zu sein. Weiterlesen