Schwerpunktbeitrag: Nachhaltigkeit, aufgelöst in Gerechtigkeit

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Anton Leist

Wenn wir von „Nachhaltigkeit“ ganz allgemein sprechen, meinen wir dann mehr und anderes, als wenn wir von Gerechtigkeit zwischen den Generationen sprechen?

„Nachhaltige Entwicklung“ sei, so die bekannte Definition der Brundtland-Kommission von 1987, eine Entwicklung, bei der die gegenwärtigen Generationen ihre Bedürfnisse erfüllen, ohne die Chancen der zukünftigen Generationen zu verringern, die ihrigen zu befriedigen. Damit legt die Definition eine intergenerationelle Bedingung fest. Warum spricht sie aber nicht einfach nur von „Nachhaltigkeit“, oder beispielsweise von „nachhaltigem Wohlstand“? Einmal deshalb, weil mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ die Forderung nach Konstanz oder gar Wachstum des Wohlstandsniveaus unter der Bedingung von knapper werdenden natürlichen Ressourcen betont werden soll. Zum anderen deshalb, weil der Begriff „Entwicklung“ die Hoffnung signalisiert, dass sich das Wohlstandsniveau in den schlechter bestellten Ländern steigern lässt. Die Definition spricht also nicht nur direkt ein in die Zukunft hineingreifendes intergenerationelles, sondern indirekt auch ein auf die Gegenwart bezogenes Verhältnis zwischen reichen und armen Ländern an. Weiterlesen

InDebate: Die abgesagte Katastrophe –Kritische Randnotizen zum EINEWELT Zukunftsforum

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Ana Honnacker

Nichts weniger als die Zukunft der globalen Gesellschaft war das Thema des am 24. November 2014 in Berlin ausgerichteten „EINEWELT Zukunftsforums„. Eingeladen hatte das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ), um den Abschluss des Dialogprozesses, der Anfang 2014 gemeinsam mit zahlreichen Nichtregierungsorganisationen, Vereinen und Initiativen gestartet worden war, mit der Übergabe der daraus entstandenen „EINEWELT Zukunftscharta“ an die Bundeskanzlerin zu begehen. Eingerahmt von „Zukunftsslams“ und „Erlebnisinseln“, in denen die verschiedenen Akteure sich und ihre Projekte vorstellen konnten, präsentierte sich eine durchweg zufriedene Bundesregierung. Die insgeheim ausgegebene Losung der Veranstaltung dürfte jedoch „Alles unter Kontrolle, keine Panik“ gelautet haben. Welthunger, Armut und Klimawandel wurden zu einer rein technologischen Herausforderung stilisiert, die im Rahmen des bestehenden Systems bewältigt werden kann. Die Logik des Wachstums wird mit dem Stichwort Nachhaltigkeit indiziert. Das beruhigt und schont die Nerven: Wir müssen nicht uns ändern. Jedenfalls nicht radikal. Wir bauen energieeffiziente Häuser und höhere Deiche. Wir kaufen fair gehandelten Kaffee und trinken Wasser aus der Leitung statt aus Plastikflaschen.  Der notwendige radikalere Kulturwandel wird vertagt. Weiterlesen

InDebate: Die Grenzen der Freiheit

Individuelle Autonomie muss in ihren Wirkungen auf die Weltbevölkerung und künftige Generationen gedacht werden

Felix Ekardt

Die gleiche Freiheit aller Bürger ist bis heute selbst bei jenen, die universalistisch denken, meist als Ordnung innerhalb von Gesellschaften gedacht worden – aber nicht als Ordnung zwischen den Gesellschaften und zwischen den Zeiten. In diesem Sinne genießen heute die im Okzident lebenden 20 % der Menschheit die größte Freiheit seit Menschengedenken. Der größere Teil der Menschheit dagegen lebt in z.T. unvorstellbarer Armut und unter repressiven, freiheitsfeindlichen Regierungen. Und jungen und künftigen Menschen drohen wir verbrannte Erde zu hinterlassen. Sobald nun Länder wie China oder Indien unseren Lebensstil übernehmen – wie sie es, mit sichtbaren Auswirkungen auf den Ölpreis, gerade versuchen –, droht unsere heutige Existenzform zusammenzubrechen, weil unsere Ressourcenbasis und das globale Klima dies nicht hergeben. Weiterlesen