Pro und contra: Burkaverbot – ja oder nein?

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Pro: Lisz Hirn

In der aktuellen Diskussion rund um das Thema Burkaverbot werden zweifelsohne viele Argumente gegen eine gezielte Verhüllung des weiblichen Körpers ins Feld geführt. Im Folgenden beziehe ich mich ausschließlich auf das Verbot zur Ganzkörper- bzw. Gesichtsverschleierung und nicht auf den Hijab. So zeige diese angeblich die Ungleichheit von Mann und Frau und sei ferner ein Mittel zur Unterdrückung der Letzteren sowie das Symbol eines zutiefst konservativ geprägten, politischen Islams. Da der Koran kein (eindeutiges) Verschleierungsgebot für Frauen ausspricht, gibt es auch für die Burka keinerlei religiöse Legitimation. Worum geht es also in der Debatte um die Burka? Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Bildung für eine Kultur der Verständigung

Katja Neuhoff

Katja Neuhoff

Menschen sind von Natur aus sowohl bildungsfähig als auch bildungsbedürftig. Als je besondere Menschen bringen sie ihre eigene Perspektive auf die Wirklichkeit mit. Ausgehend davon können sie sich in Freiheit bilden. Bildung kann eine Kultur der Verständigung fördern durch die Anleitung zur Ausbildung eigener Werthaltungen und eines moralischen Bewusstseins; durch die Erkenntnis, dass die eigene Sichtweise immer begrenzt ist und daher angewiesen bleibt auf andere Perspektiven zur Erfassung der Realität und durch die Orientierung an dem intersubjektiven Anspruch, die eigenen Einstellungen und Werthaltungen begründen zu können. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Pluralität, Indifferenz und Toleranz

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Gerald Hartung

Ohne Zweifel ist heute eine sehr viel größere Anzahl von Überzeugungen möglich als ehemals; möglich, das heißt erlaubt, das heißt unschädlich. Daraus entsteht die Toleranz gegen sich selbst (Friedrich Nietzsche)

Nach Nietzsches Ansicht ist Toleranz gegen sich selbst nur um den Preis des Verlusts von Überzeugungen – anders gesagt: einer Haltung der Indifferenz in Bezug auf die Selbstdeutung des eigenen Lebens – möglich. Sie ist ein Symptom unserer modernen Kultur, der die Geschichtlichkeit der Lebenssituationen, die Variabilität der Überzeugungen, die Ablösung der Wahrheitsfrage durch das Wahrscheinlichkeitskalkül, mithin der Verlust von Selbst-Gewissheit eingeschrieben ist. Wer sich seiner selbst nicht gewiss ist, dem fehlt auch Gewissheit und Verlässlichkeit im Umgang mit Anderen. Die Außenseite der Indifferenz ist folglich die Gleichgültigkeit gegenüber Anderen. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Anerkennung und Toleranz

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Rainer Forst

Toleranz sollte nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.

Johann Wolfgang Goethe, Maximen und Reflexionen

Goethes Diktum ist paradigmatisch für eine gängige Kritik des Begriffs der Toleranz: Im Tolerieren, dem Dulden des Anderen, stecke eine Geringschätzung seiner; Toleranz sei eine strategische, herablassende (Kant spricht vom „hoch­müthi­gen Namen der Toleranz“) oder gar (wie Marcuse meinte) repressive Haltung, in der der Andere nicht wirklich, nicht im eigentlichen Sinne anerkannt werde. Weiterlesen

InDebate: Von der „Religionsfreiheit“ seit 1700 Jahren

Franco Rest

„Religionsfreiheit“ ist heute wie in vergangenen Jahrhunderten keineswegs politisch gesichert; das gilt vor allem für diktatorisch und autokratisch geführte Staaten, besonders wenn sie sich von einer Religion her definieren möchten; davon können gegenwärtig Christen, Juden und Buddhisten in muslimisch geprägten Staaten berichten. Aber leider gilt es auch für (sog.) Demokratien. Ein aktuelles Beispiel sind die Homeschoolingfamilien, welche ihre schulpflichtigen Kinder aus religiösen und weltanschaulichen Gründen nicht in eine anerkannte öffentliche Schule schicken, sondern diese in den eigenen vier Wänden unterrichten. Weiterlesen