InDebate: Flüchtlingskrise: die Erfahrung der Unbehaustheit

Ferdinand Fellmann

Ferdinand Fellmann

Die Flüchtlingskrise beschäftigt auf verschiedenen Ebenen die Politik, die mit allen Mitteln versucht, die Probleme in den Griff zu bekommen und soziales Gleichgewicht zu schaffen. Begleitet wird die Politik von Bürgerbewegungen gegen Fremdenfeindlichkeit und Aufrufen zur Solidarität und Menschlichkeit. Auf seine Willkommenskultur kann Europa stolz sein. Auch die moralischen Reflexionen über die Pflicht zur Hilfe für Menschen in Not sind eindrucksvoll. Allerdings gibt es eine Dimension, die von Philosophen nicht oder nur marginal erfasst wird. Daher ist es angezeigt, nach anthropologischen Argumenten Ausschau zu halten, die uns tiefere Einblicke in die Mechanismen der Integration von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen verschaffen. Dafür bieten sich die Schriftsteller an. Allerdings nicht diejenigen, die sich mit vorschnellen Äußerungen an die Öffentlichkeit wenden, sondern eher Klassiker, die gleichwohl hoch aktuell sind. Dazu zählt Thornton Wilder mit seinem Schauspiel Wir sind noch einmal davongekommen aus dem Jahre 1941. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Einige Erwägungen, warum Philosophie (nicht nur heute) interkulturell ist und sein muss

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Ram A. Mall

„Ich habe oft betont: Die westliche Philosophie (mutatis mutandis gilt dies für alle Philosophien, Vf.) kann sich nicht endlos nur innerhalb ihrer eigenen Tradition bewegen, ohne provinziell zu werden.“
Mircea Eliade

1. Schon das Kompositum „außereuropäische Philosophie“ verrät ein langlebiges Vorurteil, als stünde das Kompositum „europäische Philosophie“ im Zentrum und stellte das eine allgemeingültige universelle tertium comparationis dar. Will Philosophie sich nicht provinzialisieren (was sie in der Tat nicht wollen kann und soll), so muss sie sich „inter-kulturalisieren“, ob dies nun im ‚engeren’ Sinne intra-kulturell oder im weiteren Sinne interkulturell geschieht, also zwischen Platon und Epikur, Descartes und Hume, Hegel und Schopenhauer, Habermas und Lyotard, Nagarjuna und Shankara, Lao Tzu und Konfuzius oder im ‚weiteren’ Sinne inter-kulturell zwischen Platon und Vedanta Philosophie, Nagarjuna und Hume geschieht. Denn es sind stets unterschiedliche Kulturen der Philosophie, die sich da begegnen. Schopenhauer fühlt sich der Lehre Buddhas näher als der Hegels. Weiterlesen