InDepth – longread: Hoffnungsvolle (Re)Visionen des Technischen im Zeitalter des Chthuluzän

Jan Büssers

Abstract

Das Chthuluzän ist ein Zeitalter, in dem die Hoffnung für alle In-der-Welt-seienden Agent*innen wieder wachsen muss. Nur in der Allianz von Mensch(en), Natur und Technik wächst das Rettende. In der Entwicklung einer neuen Ontologie, die sich am Aufeinandertreffen in der Welt orientiert, kann das komplexe Netz der Verweisungen (technischer Systeme) wieder denkbar und begreifbar gemacht werden. Dieser Essay plädiert für eine Neubegegnung mit der Welt in ihrer Gesamtheit aus Natur und (Techno)Kultur, um das mythisch gewordene Sosein der Technik neu denken zu können und damit neue Antworten auf die drängenden Fragen dieser Zeit entwickeln zu können. Er greift dabei auf die Positionen neomaterialistischer Denker*innen zurück und versucht eine Zusammenführung mit technikphilosophischen Positionen und Ansätzen, sowie einem generellen Nachdenken über Technik. Die Frage nach der Technik muss sich immer mit der Frage danach verbinden, worauf wir hoffen dürfen – mit einem Wir, das Menschen wie die Anderen-in-der-Welt-Seienden (critters) meint. Dabei soll herausgestellt werden, dass es den Menschen, mit deren Fähigkeit zum Antworten, d.i. response-ability, obliegt, in eine lebbare Zukunft zu weisen, für die es sich zu hoffen und zu kämpfen lohnt.

Einleitung

Unter dem Motto „Fridays for Future”[1] gehen aktuell international Schüler*innen auf die Straße, um für eine nachhaltige Klimapolitik zu demonstrieren. Die Jugend begehrt auf, um ihre Zukunft zu schützen. Die Zeit scheint gekommen, in der das Damoklesschwert des Klimawandels über dem reichen Gabentisch des Kapitalismus nicht länger ignoriert werden kann. Der Klimawandel ist zum Sinn- und Streitbild des ausufernden technischen Systems geworden, das sich auf fossile Brennstoffe gründet und in der scheinbaren Omnipräsenz seiner Auswirkungen den Begriff des Anthropozän hervorgebracht hat, d.i. das Zeitalter der Allgegenwart der Spuren des Menschen in der (Um)Welt.

Doch was heißt es, wenn eine Generation aufbegehrt? Was heißt es überhaupt, heute auf die Welt zu kommen – eingeboren in ein hochtechnologisches und kapitalistisches System? Wie ist es, all den technischen Artefakten noch ahnungslos gegenüberzustehen? Was kann es heißen, Technik neu zu begegnen – sich erneut wundern zu können über all das Vor- und Zuhandene sowie das in die (Um)Welt Eingeschriebene (zum Positiven wie Negativen)? Und umgekehrt, was schreibt die technisch geprägte (Um)Welt in die (neugeborenen) Menschen ein? Die konkrete Frage, die sich im Folgenden daraus ergibt und behandelt werden soll, ist die Frage nach der Möglichkeit einer neuen Begegnung mit der Welt (in Absehung aller mythisch gewordenen Kategosierungen), im Sinne einer Revision des Bestehenden, im Speziellen des Technischen, zur Ausbildung einer Vision für eine Zukünftigkeit im Sinne dessen, was Donna Haraway als Chthuluzän[2] bezeichnet hat. Dabei soll ein besonderer Fokus auf das menschliche Wesensmerkmal der Hoffnung in einem säkularen, zukunftsorientieren Verständnis gelegt werden – als eine Hoffnung, die neue Perspektiven für Menschen, Natur und Technik bietet.

(Neo)Materialistisch Denken – Über die Verwobenheit von Technik und Natur

Die Verwobenheit in ihrem Sinnbild als Webkunst ist ein Wesen der Technischen. Wie Christoph Hubig es ausdrückt: „Technik insgesamt erscheint als Können, als richtige Handhabung des Umgangs mit natürlichen Kräften sowie des Umgangs mit natürlichen Materialien, als Weben (…).“ (Hubig 2006, S. 38) Die Technik emergiert aus Natur qua Mensch und verwebt zugleich Natürliches und Menschliches – Materielles und Geistiges. Technik ist dabei ein Mittel zu einem intendierten Zweck, sie erscheint im Modus des „um zu“. Natur wird überführt in (Techno)Kultur. Auch der Mensch mit all seinen Sozial- und Intellektualtechniken entfernt sich von dem Naturwesen, als das dieser heutzutage nur noch idealiter zu denken ist.

Der Urgrund der Technik bestimmt sich in dieser Auffassung immer noch im Geistigen des Menschen, zugleich ist Technik aber nur in ihrer Materialität wirklich, d.i. verwirklicht – auch Sozial- und Intellektualtechniken muss eine materielle Grundlage zugestanden werden, wenn sie als (Re)Konfigurationen und über die Performanz gelesen werden. Die bloße Idee als Utopie ist noch keine Technik, ihr fehlen Ort und Zeit. Sie muss sich erst im Materiellen bewähren, d.i. realiter beweisen. Genau wie bei der Technik kann dies immer scheitern – es ist kein Siegeszug, sondern muss sich an der Realität in ihrem Wirken beweisen. Dabei können die intendierten Zwecke verfehlt werden oder es treten unbeabsichtigte Effekte auf. Letzteres treibt die Schüler*innen in den wöchentlichen Demonstrationen auf die Straße – das scheinbar unschädliche Kohlenstoffdioxid hat sich erst spät als Bedrohung für das Klima erwiesen, war es doch zunächst als unschädlich eingestuft worden, da es auch auf natürliche Weise im Stoffwechsel unterschiedlichster Organismen entsteht, ausgestoßen und wieder von anderen verstoffwechselt wird.

Die Welt zerfällt in Idee und Materie, Natur und Kultur (samt Technik) – ja noch der Mensch ließ sich bis vor Kurzem in scheinbar klar distinkte männliche und weibliche Individuen zweiteilen. Die Beharrlichkeit des Denkansatzes mit dichotomischen Zuschreibungen muss hinterfragt werden. Dies ist ein Ansatzpunkt, der zurzeit intensiv in der angloamerikanischen Debatte des/der New Materialism(s)[3] und der queer-feministischen Technikdebatten vorangetrieben wird. Dabei sticht der Ansatz von Donna Jeanne Haraway heraus, die uns einlädt, mit dem Trubel[4] (engl. trouble) in der Welt zu bleiben und dort (weiter) zu denken, Narrative zu bilden und auch mit den chthonischen Wesen dieser Welt zu bleiben, das sind die gleich den Titan*innen unterdrückten Wesen, die in den großen Narrativen unserer Zeit allenfalls eine Nebenrolle spielen. Diese critters[5] sind es, deren Platz in der Welt das Denken neu verstehen muss. Die Blume am Rain ist (k)ein Zweck an sich selbst, sie ist eben (auch) in ihren vielfältigen Verweisungen Sammelstelle für pollensammelnde Insekten, Futter für Weidetiere und damit in weitester Lesart Honig und Fleisch auf den Tellern des Menschen.

Dabei steht auch das Wagnis im Vordergrund, die mythisch gewordenen Kategorien von Natur und Technik, Subjekt und Objekt neu zu denken, die so scheinbar selbstverständlich unsere Welt strukturieren: „Natures, cultures, subjects, and objects do not preexist their intertwined worldings.” (Haraway 2016, S. 13) Die Welt besteht nicht von Anfang an aus gegebenen unterschiedlichen, d.i. kategorial unterschiedenen, Entitäten – vielmehr konstituiert sich dies im Aufeinandertreffen der verschiedenen (menschlichen ebenso wie nicht-menschlichen) Agent*innen in der Welt. Karen Barad prägte hierfür den Begriff der Intra-Aktion[6], der für eine neue Relationierung innerhalb der bestehenden Welt Partei ergreift und damit den Primat des menschlichen Exzeptionalismus infragestellt. Der Technikbegriff erschöpft sich nicht im konkreten Objekt; Technik ist auch das Geflecht an Verweisungen, das sind die Relationierungen in der Welt – die erst in ihr entstehen und auch wieder vergehen, wie ein Gesicht im Sandstrand. Die Wendung des Blicks und der Haltung, die damit gefordert wird, ist vielleicht eine ebensolche, wie sie anfangs in der Frage gewagt wurde, wie es sein müsste, heute neu in diese Welt geboren zu werden, d.i. in ihrer jetzigen technischen Konfiguration: eine Welt mit so vielen früher unbekannten Schnittstellen von Mensch und Technik; ebenso der Natur in ihrer Doppelgestalt als auf dem scheinbaren Rückzug Seiende und zugleich im Vormarsch als sich gegen den anthropogenen Einfluss stemmende Gaia. In-der-Welt-Sein ist ein Mit-Anderen-Sein, das sich eben nicht nur auf Belebtes beschränkt, sondern auch auf das Gegenständliche, die unbelebte Natur und alles andere, was (Um)Welt ausmacht.

Mensch und Technik im kapitalistischen Räderwerk

Die Undurchdringlichkeit des technischen Systems mit all seinen vielzähligen Verweisungen eröffnet sich schon mit Betrachtung der eigenen Wohnung – in den containerhaften Räumen, in denen sich der sogenannte Alltag abspielt, befinden sich unzählige technische Geräte mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie frühere Generationen in dieser Form nicht kannten. Vom digitalen Funkwecker am Bettrand, der das Zeitregime des Schlafens minutiös überwacht, über die Kaffeemaschine in der Küche, die den fehlenden Schlaf in flüssiger Form materiell qua Koffein in den Körper bringt, zum Smartphone am Frühstückstisch, das schon allerlei Informationen und Möglichkeiten bereithält (ja, das über die Wohnung hinausverweist und eine potentielle Verknüpfung mit aller Welt bedeutet), bis hin zum Türschloss, das noch im gläsernsten Gebäude den Hauch von materieller Sicherheit im Handumdrehen zu garantieren scheint.

Dieser kursorische Gang durch die Welt des werktäglichen Morgens[7] (bewusst vieles ausklammernd und das Smartphone in aller Abstraktheit darstellend) zeigt die selbstverständliche Allgegenwart von Techniken und Artefakten im alltäglichen Leben – ja, zum Teil Artefakte, die wie das Smartphone auf den Router im eigenen Haus oder den Sendemast für mobile Daten verweist. Sogar der Funkwecker bezieht seine Zeit von einem Gegenstand außerhalb der Wohnung und dieser ist auch nur ein Mittel zur Übermittlung, denn die Zeit in ihrer standardisierten Genauigkeit entstammt wiederum dem Artefakt der Atomuhr, die an einem ausgewählten Standort zentral die Zeit in ihrem aktuellen Paradigma misst und vorgibt. Auch der Kaffee, der in der Maschine aufgebrüht wird, erzählt seine eigene Geschichte: der Techniken seiner Kultivierung, seines Anbaus, seiner Ernte, seines Transports, des Röstens, Verpackens, der Liefe­rung und Sortierung im Einzelhandel, des Transports in die Wohnung, sowie des ganzen Handels mit monetären Einheiten vom Erzeuger bis zur Supermarktkasse.[8]

Die Praktiken unserer gelebten Wirklichkeit, die unsere technischen Systeme konstituieren, sind zu vielfältig und zu umfassend, um sie noch fassbar zu machen. Sie haben ein globales Netz gespannt, greifen ineinander, drängen aufs Funktionieren und den eigenen (Fort)Bestand. Technik ermöglicht und verschränkt gleichsam. Die Hybris dieser Technik wurde wohl am prägnantesten von Herbert Marcuse beschrieben, der gerade auch die Perspektive des in diesem System arbeitenden Menschen mitdenkt: „Die befreiende Kraft der Technologie – die Instrumentalisierung der Dinge – verkehrt sich in eine Fessel der Befreiung, sie wird zur Instrumentalisierung des Menschen.“ (Marcuse 1967, S. 174) Die Herrschenden qua Technik werden gleichsam zu den Beherrschten qua Technik – die Technik als System drängt auf den eigenen Bestand und verdinglicht dabei alle Beteiligten, d.i. die Forderung nach dem geräuschlosen Funktionieren des Räderwerks – jenem alternativlosen Gang der Welt, der keine Störung duldet. Dem zu entkommen sucht eine marxistische Lesart von Technik, d.i. eine materialistische Lesart, die eben auf das Gesamte der Technik anzuwenden ist und sich den dialektischen Momenten stellt – also sowohl Gesellschaft als auch die von ihr bewegte Materie. Wenn das Smartphone am Frühstückstisch auf den Abbau seltener Erden verweist, dann darf uns nicht egal sein, unter welchen Bedingungen diese aus der Erde geholt wurden – für die daran beteiligten Menschen als Arbeitende, wie für die Umwelt und ihre Ökologie.

Bereits bei Ernst Bloch findet sich diese Forderung: „Marxismus der Technik, wenn er einmal durchdacht sein wird, ist keine Philanthropie für mißhandelte Metalle, wohl aber das Ende der naiven Übertragung des Ausbeuter- und Tierbändigerstandpunktes auf die Natur.“ (Bloch 1993, S. 813) Es ist nicht die Last, die der Stahl im Kapitalismus trägt, die unser Eingedenken fordern sollte, sondern es gilt das stahlharte Gehäuse des Kapitalismus, auf das schon Max Weber hinwies, zu bedenken (im Heideggerschen Sinne, das zu denken gibt). Das Capitalozän[9] muss dem Chthuluzän weichen.

Über das Chthulutzän – Auf den Spuren einer neuen Ontologie des Miteinander-Seins

Damit sollte ein so angestrebtes System der Technik die kooperativen Kräfte im Zusammenspiel von Menschen, Natur und Technik betonen – In-der-Welt-Sein ist immer ein Mit-Sein und im besten Sinne ein Zusammen-Füreinander-Sein (von Menschen, wie auch den anderen critters) oder wie es Donna Haraway benennt: „Sympoiesis is a word proper to complex, dynamic, responsive, situated, historical systems. It is a word for worlding-with, in company.” (Haraway 2016, S. 58)

Im Kern dieses Ansatzes steht ein neues Verhältnis von Menschen, Natur und Technik, das sich, wie gerade von den Neomaterialist*innen vertreten, nur aus einer neuen Ontologie begründen lässt. Es kann keine Heideggersche Fundamentalontologie mehr gemeint sein, die sich aus der Angst des Menschen vor dem Tod speist, sondern es muss eine Ontologie etabliert werden, die dem gesamten Sein in Totalität (das Entstehen und Vergehen mitdenkend) genauso wie dem einzelnen Sein in seiner individuellen Konkretheit und Besonderheit gerecht wird. Sie muss die conditio humana mit dem Sein der critters[10] verbinden. Die conditio humana, als So-Sein des Menschen, ist dabei zunächst den unveränderlichen Grundbedürfnissen als verfügte Menschenrechte unterzuordnen – d.i. der sprichwörtliche Ritt auf der Rasierklinge, hier zwischen Naturgesetzen und der Gesetzgebung der Menschen, also im Sinne des gesellschaftlichen Rechts[11]. Unveräußerlich erscheinen dabei die überlebenswichtigen Bedürfnisse des Menschen, das sind Nahrung, Wasser, Kleidung, Wohnen, Hygiene, Bildung, sowie eine Rechtsordnung, die körperliche Unversehrtheit und das Leben selbst schützt. Dabei kann auch den anderen critters nach ihren jeweiligen Bedürfnissen ein Anspruch auf Wasser, Nahrung und ihr Platz in der Welt zugestanden werden (sich widerstrebende Bedürfnisse miteingepreist, d.h. auch der Löwe wird nicht auf Stroh als Nahrung umsteigen und mit dem Lamm Seit an Seit schreiten können, wie es der Prophet Jesaja[12] für das kommende, utopische Gottesreich beschrieb). Das Miteinander-Sein der unterschiedlichen critters unterliegt den eingeschriebenen Bedürfnissen zum Erhalt des Lebens, d.i. Überleben, und das Miteinander-Sein der Menschen ist darüber hinaus ein Politisches, wobei auch hier gilt, dass der Traum vom ewigen Frieden auf absehbare Zeit der süße Traum der Philosoph*innen bleiben wird.[13]

Mit Technik greift der Mensch jedoch in das Zusammensein der verschiedenen critters ein – zum eignen Schutz und Nutzen. Als Reaktion auf dieses ausufernde Walten des Menschen in der Welt haben sich ökologische Bewegungen verschiedenster Couleur gebildet. Ökologie darf dabei nicht als bloßer Selbstzweck oder als eine Ideologie gedacht werden, die zurück zu einem harmonischen Miteinander will, das es so nie gegeben hat. Vielmehr ist Ökologie wesentlicher Bestandteil der menschlichen Response-Abilität (engl. response-ability). Die Menschen sind jene, die Verantwortung übernehmen können, da sie antworten können. Nur die Allianz mit der launischen Natur qua Technik ermöglicht es, langfristig lebbare Systeme für alle critters zu etablieren, die weder bedroht vom Versiegen der natürlichen Ressourcen sind, auf denen diese Systeme basieren, noch zum Versiegen der Diversität an critters führen – Diversität durchaus nicht nur als bloßer Selbstzweck verstanden, sondern auch als Optionswert für die Zukunft. Denn wer weiß, welche Allianzen und sympoietischen Beziehungen mit critters noch gebraucht werden – zum Erhalt des Ökosystems und der Sicherung der Bewohnbarkeit des Planten Erde genau wie für mögliche technische Innovationen der Zukunft.

Doch was macht diese Allianz aus und was steht im Kern einer Allianz? Eine Allianz, verstanden als Zusammenschluss kategorial unterschiedlicher Entitäten, die trotz ihres Bündnisses eigenständig bleiben, erscheint mit Blick auf die Natur (als Gesamtheit aller von-sich-aus-seienden Dinge) schwierig. Entweder der Mensch liest die Natur als Quasi-Subjekt und unterstellt diese*r bestimmte Interessen (wodurch zugleich eine Objektivierung stattfindet), oder liest Natur als kodierende*r Trickster*in, die bei jeder Begegnung neue materiell-semiotische Deutungen zulässt. Die Natur bliebe bei letzterem selbst hinter einem Schleier versteckt – wie beim verschleierten Bild von Saïs, dem bspw. Schiller ein Gedicht gewidmet hat. In jedem Falle bliebe die Deutungshoheit beim Menschen und die Allianz könnte allenfalls in einer negativen Rückkopplung bestehen, indem technische Artefakte zu ungewollten/unerwarteten Effekten in der Welt führen – wobei auch hier gilt, dass das Maß dieser Einschätzung dem Menschen obliegt. Bei aller Rücksicht auf Natur und die anderen critters kommt dem Menschen doch immer eine Sonderrolle zu. Menschen sind diejenigen, die reflektieren können und technische Artefakte hervorbringen – sie sind der Bezugspunkt der intelligibel gemachten Relata und vererben das Wissen um Technik von Generation zu Generation. Wird dies als Maß genommen, so kann auch die Frage gestellt werden, welche Technik an zukünftige Generationen vererbt werden sollte – d.i. Technik als Vermächtniswert, im Sinne einer Option in der Zukunft.

(Re)Visionen – Technik aus Hoffnung

Damit ist das Tor zu einer bisher wenig beleuchteten Ebene in diesen Überlegungen aufgestoßen: der Zeitlichkeit. Das Nachdenken über Technik und Natur muss immer aufs Neue die Revision des jetzig Bestehenden wagen, d.i. die Genese des So-Seienden denken können, und zugleich offen sein für die Visionen des Zukünftigen, d.i. des Noch-Nicht-Seienden (aber Realmöglichen). Sie muss das Geflecht wirklicher Relationierungen verantwortungsvoll entwirren, d.h. Genesen, Genealogien und Kausalitäten in der Welt offenlegen, sodass die Relata wieder ihre Geschichte erzählen, Spuren des Menschen sichtbar werden und in eine (bessere) Zukunft gewiesen werden kann.

In die Technik selbst eingeschrieben sind die Signaturen der Hoffnung aus der Vergangenheit – jede Technik verweist auf die Hoffnung und Freiheit des Menschen (zu verschiedenen Zeitpunkten). Hoffnung, d.i. ein menschliches Wesensmerkmal, das aus der Zeitlichkeit resultiert und dem ein Wille zum (besseren) Morgen zugrunde liegt. Hoffnung ist zunächst immateriell, d.h. ein psychischer Zustand im Menschen, dennoch wird diese verkörpert sowohl durch die Performanz des Menschen als auch in den Dingen, die (1) in der Welt durch sie bewegt werden oder (2) ihren (materiellen) Ursprung aus den Ideen der Hoffnung nehmen. Hoffnung ist damit nicht nur ein religiöses Moment, sondern findet sich auch im praktischen Vollzug der Welt – sowohl in den drängenden sozialen Fragen als auch gerade in der Technik, die sich anschickt, Lösungen für Probleme anzubieten. Sie ist eine Triebfeder, aber kein Siegeszug der intendierten Zwecke – Hoffnung kann immer scheitern, enttäuscht werden, d.h. sie muss sich an der Realität beweisen; sie ist Wille zur Möglichkeit, aber keine vollendete Wirklichkeit. Damit ist Hoffnung ein Vorschein auf das möglich Kommende und wenn sie sich verwirklicht findet, mag sie in den Hintergrund geraten, ja in Vergessenheit, dass es einmal eine reale Andersheit gegeben haben könnte.

Damit muss von Zeit zu Zeit auch die Suche nach den eingeschriebenen Signaturen von verschütteter Hoffnung gewagt werden, d.i. der unbedingte Glaube, dass am Beginn eines jeden Dinges ein Wille zu einer besseren Zukunft steht. Kehren wir noch einmal zum Wecker auf dem Nachttisch zurück. Die Zeit als messbarer Gegenstand hat zu verschiedenen Artefakten geführt, die zur Bestimmung der Uhrzeit wie des Datums dienen. Die genaue Kenntnis eines Zeitpunktes ermöglicht gezieltes Aufeinandertreffen in der Welt – losgelöst von den Himmelsphänomenen (Stand der Sonne, Mondzyklen usw.) lässt sich nun ein Tag bis in Sekundenbruchteile zerlegen und Termine auf die Minute genau festlegen. Die Digitalisierung der Zeit und die Möglichkeit der Integration von Zeitanzeigen in verschiedenen Artefakten haben die Zeit längst vom Uhrwerk entfernt – der Mensch lebt längst inmitten des metaphorischen Räderwerks der (Uhr)Zeit, das vielmehr ein Digitalisat ist.

Auch der Ortswechsel hat zur Erfindung zahlreicher Artefakte geführt – schon der Ritt auf einem Pferd sowie die damit verbundene Domestizierung wilder Pferde war eine technische Innovation, die später von der Logistik rund um die Pferdekutschen übertroffen und mit dem Bau der ersten Automobile in ungekannte Dimensionen gelenkt wurde. Auch der Schiffbau, die Eisenbahn und das Flugzeug würden spannende Gegenstände für eine Revision zur Mobilität geben – im Kern dieser Techniken steht auch wieder das Aufeinandertreffen von Menschen durch die Überwindung von Distanzen. Arbeit kann auch in entlegenen Gegenden angenommen werden, da der tägliche Gebrauch des Automobils möglich ist – ein Umstand, der mittlerweile zu täglich kilometerlangen Staus führt und gerade während des Dieselskandals im Rahmen drohender Fahrverbote debattiert wird. Eine Revision kann eben auch bedeuten, dass Einzelne die Revision ihres Lebensstandards wagen müssen. Sie müssen dazu eine neue Vision entwickeln, d.i. eine lebbare Alternative finden. Dies muss ein Plädoyer für eine gesellschaftliche Debatte sein, in der die konservativen Kräfte neben der Sicherung des Bestandes eben auch konservativ für die Sicherung des lebbaren Ökosystems eintreten und die reform-orientierten Kräfte neben Innovationen auch die Errungenschaften des bestehenden Systems retten müssen.

Im Kapitalismus findet sich im Technischen die Pervertierung des Prinzips Hoffnung, d.i. die in die Artefakte eingeschriebene Hoffnung der schnellen Vergänglichkeit[14] und damit des erneuten Konsums. Obgleich Vergänglichkeit der Artefakte kein Merkmal der kapitalistischen Praxis ist, sondern auch qua natürlichen Verschleiß auftritt, bleibt doch zu konstatieren, dass eine lange Gebrauchsdauer desselben Artefakts den Gesetzen des kapitalistischen Marktes zuwiderhandelt, d.i. dem stetigen Wachstum der Absatzzahlen. Die Geschicklichkeit in der Wahl der Materialien und der Konzeption des Artefakts muss immer schon auf Sollbruchstellen ausgelegt sein – d.i. zum einen das Wissen, dass es keine perfekten Artefakte gibt, deren Funktionalität bis in alle Ewigkeit zu garantieren ist, zum anderen aber auch das Spiel mit eben jenen Schwachstellen und der mangelnden Rentabilität der Reparatur, wenn es an diesen Stellen zum Bruch kommt. Die Technik, die in die Zukunft weist, muss sich davon lösen – nicht um ein Ideal der Unzerstörbarkeit zu evozieren, sondern um den Wert der materiellen Grundlagen, im Sinne der Ressourcen, wieder in den Fokus zu rücken. Nicht eine Flut unbrauchbarer Dinge auf Halde weist in die Zukunft, sondern jene Dinge, die idealiter repariert werden können, bis auch die letzte Planke am Schiff erneuert wurde, und zurecht gefragt werden kann, ob es noch dasselbe Schiff ist wie dasjenige, was dereinst vom Stapel lief.

Die Technik, die als Lösung für ein Problem erscheint, d.i. im Materiellen wie Immateriellen als Werkzeug, ist dem Menschen Fluch und Segen zugleich, wie es die Hoffnung selbst auch ist – jene meist zum Scheitern verurteilte Hinwendung zu einer zugleich möglichen wie unmöglichen Zukunft. Hoffnung ist damit in einer ersten Näherung an den neomaterialistischen Diskurs unserer Tage eine Form der response-ability; nur dort, wo der Mensch sich qua Hoffnung auf eine reale Andersheit einlässt und diese denkbar wie umsetzbar macht, wächst die Verantwortung im Sinne der Möglichkeit, Antworten zu geben. Ethik in dieser schönen neuen Welt des Mit-Seins, jenem Vorschein einer möglichen Andersheit, nimmt den Menschen in die Pflicht, eingedenk der anderen critters zu entscheiden. Das Verweben von Natürlichem und Kultürlichem in der Technik durch die Hand des Menschen diente lange genug den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen allein – in der neuen Ontologie des Miteinander-Seins und Aufeinandertreffens muss auch eine neue Kultur des Miteinanders etabliert werden, d.i. eine Ethik.[15]

Schluss

Fassen wir zusammen, mit der Technik haben die Menschen ein Netzwerk in der Welt etabliert, das in all seinen Verweisungen undurchdringbar erscheint. Bisher (allen ökologischen Fortschritten zum Trotz) ist der Mensch das Maß für die Technik. Zugleich ist diese*r in der dialektischen Doppelgestalt als Herrschende*r und Beherrschte*r, d.h. die Technik, die dienlich ist, verlangt zugleich nach der Dienlichkeit des Menschen zur Sicherung ihres Bestandes. Die Frage nach der Technik – welche Technik – kann bei all den Lockungen innovativer Fragestellungen rund um die Herausforderungen von Digitalisierung und Klimawandel nur in Rückbesinnung auf das „(Nicht-)Menschliche“ beantwortet werden, d.i. in Parteinahme aller in der Welt vorfindlichen und aufeinandertreffenden Entitäten. Sie muss realiter gedacht werden, d.h. Scheitern muss immer möglich sein. In der Technik darf es kein „too big to fail“ wie in der kapitalistischen Bankenwelt geben. Denn scheitern Techniken, so muss die Hoffnung für Neues wachsen. Systeme, die nur noch auf die Sicherung ihres Bestandes drängen, haben die Hoffnung – wie der gegenwärtige Kapitalismus – bereits aufgegeben. Sie zerstören die Lebensgrundlagen, auf denen sie aufbauen und verkennen die einfache Tatsache, dass nicht eine Bank „too big to fail“ ist, sondern der Planet Erde in seiner gegenwärtigen, lebensermöglichenden Konfiguration. Jene Konfiguration gilt es zu sichern und ein Scheitern hätte existentielle Folgen – für die Menschen wie für viele andere critters. Die menschliche Sonderrolle ist nicht mehr eine Privilegierende; sie ist eine zugleich hoffnungs- wie verantwortungsvolle. Die Rolle des Menschen ist das prometheische Erbe, tätig in der Welt zu sein und nicht die eigenen Gemächsel ihrem freien Lauf zu überlassen – Reflexion über die Welt, Nachdenken über Technik und die Kunst des Vorausschauens als ein Funke von jener Fackel aus der Hand des Titanen, die in die Zukunft weist.

Welche Technik ist es also, die in die Zukunft weist? Es ist eben jene, die mehr als eine*n Herr*in kennt – die anderen critters ihren Platz in der Welt zugesteht und ein Miteinander von Menschen, Natur und Technik forciert. Eine Allianz nicht geschmiedet allein um des Menschen Vorteil willen, sondern eine Allianz, die bei den realen Relationen in der Welt bleibt und sich an den Grundbedürfnissen aller critters orientiert. Eine Allianz, die in Ermangelung partizipativer Elemente für alle critters den Menschen zur Verantwortung drängt, d.i. durch ein bewusstes Hinschauen die Veränderungen durch Technik in der Welt in ihren Auswirkungen zu registrieren und gegebenenfalls zu intervenieren. Das Chthuluzän muss dieses Zeitalter werden, in dem die Herrschaft des Menschen zugunsten aller eingeschränkt wird und die Kunst des Vorausschauens die Menschen wieder leitet. Es ist ein Zeitalter der Erneuerung von Aufklärung, denn auch hier gilt es, der selbstverschuldeten Unmündigkeit im Kapitalismus zu entrinnen.

Am Ende steht die Einsicht, dass bloßes Hoffen alleine nicht ausreicht – es bedarf auch des mutigen Schrittes nach vorne, d.i. das erhoffte Schicksal in die Hand zu nehmen. Nur aus dem konkreten Hier und Jetzt in der Dichte seiner komplexen Verweisungen lässt sich ansetzen: zu denken, wie zu handeln. Nehmen wir die Herausforderungen für die Zukunft an und schaffen es, Technik so zu gestalten, dass sie in eine lebbare Zukunft weist. Mit der Technik sichern Menschen nicht nur ihr eigenes (Über)Leben – sie greifen ein in Welt und Realität, verändern das Bild des Planeten nachhaltig und haben doch auch zugleich die Möglichkeit, daraus ein verantwortliches Unterfangen zu machen. Sägen wir nicht länger am Ast, auf dem wir selbst sitzen, d.i. das Klima- und Ökosystem des Planeten Erde. Stehen wir auf von der reich gedeckten Tafel des Kapitalismus, kurz bevor das am seidenen Faden hängende Damoklesschwert herniedersaust – nehmen wir die Verantwortung für das Schicksal wieder selbst in die Hand. Hören wir auf die Stimmen der Schüler*innen auf den Straßen und wagen wir die hoffnungsvolle (Re)Vision des Technischen, die in eine lebbare Zukunft weist, d.i. die Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Welche Technik? – Jene, die Hoffnung macht und eine*n jede*n zum Handeln fordert!

Literaturverzeichnis

Barad, Karen (2007): Meeting the Universe Halfway. Quantum Physics and the Entanglement of Matter and Meaning. Durham, London: Duke University Press.
Barad, Karen; Kleinman, Adam (2012): Intra-actions. Interview of Karen Barad by Adam Kleinman. In: Mousse (34), S. 76–81.
Bloch, Ernst (1993): Das Prinzip Hoffnung. Band 2: Kapitel 33-42. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Haraway, Donna Jeanne (2016): Staying with the Trouble. Making Kin in the Chthulucene. Durham: Duke University Press.
Holz, Hans Heinz (2017): Die Sinnlichkeit der Vernunft. Gespräche mit Arnold Schölzel und Johannes Oehme, Februar 2011. Berlin: Das Neue Berlin.
Hubig, Christoph (2006): Die Kunst des Möglichen. Band 1: Technikphilosophie als Reflexion der Medialität. Bielefeld: Transcript.
Hubig, Christoph (2015): Die Kunst des Möglichen. Band 3: Macht der Technik. Bielefeld: Transcript.
Marcuse, Herbert (1967): Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. Neuwied: Luchterhand.
Wahrig, Bettina (2018): Im Trubel bleiben – einige Hyper‐/Hypolinks mit Kommentaren zur Zukunft der Wissenschaftsgeschichte. In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 41(4), S. 433-437.

© Jan Büssers

Jan Büssers hat den Master „Technik und Philosophie“ an der TU Darmstadt studiert. Zurzeit ist er Doktorand an der TU Braunschweig und Teil des dortigen Promotionsprogramms „Konfigurationen von Mensch, Maschine und Geschlecht“ (KoMMa.G).

[1] Inspiriert durch den von Greta Thunberg in Schweden initiierten „Skolstrejk för Klimatet“.
[2] Der Ursprung des Wortes liegt laut Haraway (2016) in der Verbindung der altgriechischen Worte khthôn und kainos (vgl. S. 2). Der Begriff wird explizit dem Anthropozän wie dem Capitalozän entgegengesetzt und ist eine Mahnung, sich gegen die Narrative dieser beiden (verwobenen) Denkrichtungen zu stellen, d.h. die Stellung des Menschen in der Welt neu zu denken.
[3] Die Idee des agentiellen Schnitts wurde von Karen Barad entwickelt. Für ihre Interpretation der Dichotomien: vgl. Barad und Kleinman 2012, S. 77-80.
[4] Diese Übersetzung weicht von dem deutschen Titel „Unruhig bleiben“ ab und folgt der übersetzenden Lesart von Bettina Wahrig (2018).
[5] Der Begriff critter stammt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie Kreatur und Viech – sowohl Donna Haraway als auch Karen Barad nutzen ihn für die Gesamtheit der nicht-menschlichen Agent*innen (menschliche Agent*innen aber teilweise auch miteinbeziehend). Bei Barad umfassen critters explizit auch Atome sowie subatomare Teilchen – diesem Verständnis soll sich hier angeschlossen werden.
[6] Vgl. Barad 2007, S. 33. Christoph Hubig greift dieses Konzept in seinem dritten Band der „Kunst des Möglichen“ auf und pointiert: „Intra-Aktion steht für Relationen, deren Relata durch diese Relation erzeugt werden. Die Relationen sind hierbei als Aktivitätsmuster zu fassen; es sind die »Praktiken«. Wir finden sie organisiert in Netzen (im buchstäblichen Sinne). (…) Die Relata sind zunächst bloße Dinge (also nicht irgendwie identifizierte Subjekt- oder Objekt-Sachen) (…).“ (Hubig 2015, S. 77)
[7] Die fiktive Darstellung erhebt keinen Anspruch auf Generalisierbarkeit, sie ist eine stereotypisierende Darstellung westlich geprägter Lebensverhältnisse – ein Narrativ à la „Corporate America wakes“.
[8] Und auch dieses Bild muss wieder kursorisch bleiben, um nicht den Rahmen dieser Abhandlung zu sprengen – dennoch sollten die Verweisungen deutlich geworden sein, die von einem natürlichen Vorkommen und dessen Kultivierung bis in das Gestell eines kapitalistischen Marktes erzählen.
[9] Neben dem Anthropozän wendet sich Donna Haraway (2016) auch gegen das Capitalozän, das eng mit dem Anthropozän verschränkt ist.
[10] Auch die Neomaterialist*innen betonen das „Living and Dying“, denn die Atome sind ebenfalls sterblich geworden – ein Gedanke, der insbesondere bei Karen Barad immer wieder betont wird und sich auf die Teilung des einst Unteilbaren in der Mitte des 20. Jahrhunderts bezieht.
[11] Dies führt zu einem inneren Widerspruch gerade bei den Menschenrechten, da es kein Recht einer Gesellschaft oder eines Volkes ist, sondern für alle Menschen gelten soll: Ein Umstand, der bis heute nicht eingelöst wurde.
[12] Vgl. Jesaja 11:7 & 65:25.
[13] Dies soll nicht als Naturkonstante oder bloße Gegebenheit verstanden werden. Doch der langen Tradition von Streit und kriegerischen Auseinandersetzungen verdanken ja nicht zuletzt auch die chthonischen Titan*innen ihre Verbannung in die Tiefen des Tartaros, während die anderen Gött*innen ihre Fehden mit den Menschen als Mittel weiter austragen. Auch die critters im Chthuluzän müssen um ihren Platz in der Welt und Anerkennung kämpfen – und wo sie dies nicht können, muss der Mensch für sie eintreten.
[14] Hiermit sind verschiedene Phänomene adressiert – von der Sehnsucht nach dem neuesten, innovativeren (vermeintlich besseren) Artefakt bis hin zur sogenannten einigen Artefakten unterstellten „geplanten Obsoleszenz“, d.i. die eingeschriebene Vergänglichkeit nach Plan qua Verschleiß an Sollbruchstellen.
[15] Sicherlich hatte Hans Heinz Holz nicht den neomaterialistischen Diskurs im Sinne, als er das Folgende äußerte. Dennoch halten sich die Neomaterialist*innen an das von Holz geforderte Vorgehen, wenn er sagt: „(…) bevor wir nicht die ontologische Basis renoviert haben, ist alle Ethik immer nur privates subjektives Geschwätz. Ich würde sogar sagen, wer an den Anfang der Philosophie die Ethik stellt, der ist ein kleinbürgerlicher Sozialdemokrat.“ (Holz 2017, S. 268).

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