InDebate: Eros oder Logos?

Ferdinand Fellmann

Ferdinand Fellmann

Die philosophische Anthropologie hat sich in den letzten Jahrzehnten stark den Gefühlen und Emotionen im menschlichen Leben zugewandt. Die klassische Definition des Menschen als animal rationale ist im Sinne der emotionalen Intelligenz erweitert worden. Als Protagonisten dieser Bewegung seien der Neurowissenschaftler Antonio Damasio und der Philosoph Harry Frankfurt genannt. Unter den Gefühlen steht an erster Stelle die erotische Liebe, die in unserer Gesellschaft von der Fortpflanzung weitgehend abgekoppelt praktiziert wird.

Kein aufgeklärter Mensch betrachtet die Sexualität noch als sündhaft, und in der Erlebnisgesellschaft ist Sex zu einer wohlfeilen Ware geworden. Facebook hat neuerdings ein Programm „Bang a friend“ aufgelegt, und niemand regt sich darüber auf. Ja, es gilt geradezu als Zeichen postmoderner Offenheit, das polyamore Sexualleben medial zu vermarkten.
Dagegen entwerfen die christlichen Kirchen, insbesondere die katholische, ein anderes Menschenbild. Sexueller Verkehr wird nach wie vor im Hinblick auf die Zeugung neuen Lebens bewertet, und Liebe heißt selbstlose Sorge für den Nächsten, die dem Menschen von Gott gegeben ist: Agape oder Caritas. Papst Benedikt XVI. hat in seiner zweiten Enzyklika 2009 Caritas in Veritate die Liebe an die Wahrheit der Offenbarung gebunden. Ohne sie drohe die Liebe zur Erotik abzugleiten und auf private Beziehungen beschränkt zu bleiben. Nur in der vom Geist Gottes erleuchteten Liebe sei es möglich, gesellschaftliche Werte wie Wohlstand und Gerechtigkeit zu bewahren, die der kirchlichen Soziallehre entsprechen. Auch der protestantische Theologe Karl Barth hat im Römerbrief-Kommentar den Eros angeprangert. Dort heißt es kategorisch: „Eros ist ein Heuchler. Er schlägt als biologische Funktion nur zu schnell aus Hitze in Kälte um. Agape ist aufrichtig. Darum hört sie nimmer auf, sondern nimmt teil an der Ewigkeit.“ Kurzum: Eros und Logos bilden für die theologische Anthropologie einen unüberwindlichen Gegensatz.
Liberale Christen halten die theologische Anthropologie und die damit verbundene Sexualethik für nicht mehr zeitgemäß. Daher ist die Frage erlaubt: Sind Eros und Logos wirklich so unvereinbar, dass die Liebe nur in Form der Agape Gott gefällig sein soll? Ich plädiere als Lebensphilosoph dafür, die Schnittmenge von erotischer Liebe und Gott gefälliger Liebe neu zu bestimmen. Dabei schwebt mir keine Rehabilitierung der heidnischen Erosreligion vor, sondern ein Menschenbild, das dem postmodernen Individualismus und Liberalismus gerecht wird. Meine These: Unser Selbst kann nicht autonom werden, solange es die sexuellen Bedürfnisse verdrängt oder als sündhaft disqualifiziert. Sich selbst zu begegnen bedarf einer Öffnung zum Anderen der Vernunft und das ist in der Regel eine geliebte Person, mit der wir intimen Verkehr haben. Diese Bindung macht die erotische Liebe für unsere Selbstfindung und Selbstbestimmung unverzichtbar. Wer dagegen die Liebe nur in der „gereinigten“ Form der Agape zulässt, bleibt sich selbst fremd. Fazit: Eros und Logos sind also nicht wie Feuer und Wasser, sondern sind nur zusammen stark.
Einen unerwarteten Beleg für die Zusammengehörigkeit von körperlicher und geistiger Liebe liefert folgender denkwürdige Satz, der die Trennung von Eros und Agape in Frage stellt: „Wenn man diesen Gegensatz radikal durchführte, würde das Eigentliche des Christentums aus den grundlegenden Lebenszusammenhängen des Menschseins ausgegliedert und zu einer Sonderwelt, die man dann für bewundernswert ansehen mag, die aber doch vom Ganzen der menschlichen Existenz abgeschnitten würde“. Eben in diese Sonderwelt mauert sich die Kurie ein, und ich betrachte es als Aufgabe der philosophischen Anthropologie, den Klerus aus der Sonderwelt mit ihren schrecklichen Verwerfungen herauszuführen. Übrigens stammt der zitierte Satz aus der ersten Enzyklika 2006 von Papst Benedikt XVI. Deus caristas est. Der Text geht noch weiter: „In Wirklichkeit lassen sich Eros und Agape – aufsteigende und absteigende Liebe – niemals ganz voneinander trennen. Je mehr beide in unterschiedlichen Dimensionen in der einen Wirklichkeit Liebe in die rechte Einheit miteinander treten, desto mehr verwirklicht das wahre Wesen von Liebe überhaupt“. Wer hätte das erwartet? Leider ist dieser Impuls im Laufe des Pontifikats versandet. Aber noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Wenn Theologie und Philosophie aufeinander zugehen, besteht Hoffnung, dass der moderne Mensch im Glauben wieder sich selbst begegnet.

Dr. Ferdinand Fellmann, Prof. em. für Philosophie an der TU Chemnitz
Nähere Informationen finden Sie unter https://www-user.tu-chemnitz.de/~ferdi/

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27 Gedanken zu „InDebate: Eros oder Logos?

  1. Ferdinand Fellmann, Sie sind doch Schüler des Philosophen Hans Blumenberg. In dessen „Matthäuspassion“ steht auf Seite 16 der denkürdige Satz. „Der Logos wird dem Menschen nachjagen bis in den Tod.“ Was sagen die Theologen dazu? Schließen Sie mit Ihrer waghalsigen Deutung der Genesis daran an?

    • Ja, E. Widmann, ich bin Schüler von Hans Blumenberg. Mein Verhältnis zu meinem Lehrer habe ich 2008 in der Zeitschrift „Information Philosophie“ dargelegt (im Netz abrufbar). Ich wende mich energisch gegen die derzeitige Mythisierung des Philosophen. Blumenbergs Auseinandersetzung mit dem Logos der christlichen Schöpfungslehre, an der sich die Theologen abarbeiten, lese ich als Protest des autonomen Individuums gegen die Endlichkeit und Zufälligkeit der menschlichen Existenz. Meine Ergänzung des Logos durch den Eros mag sich unbewusst im Fahrwasser meines Lehrers bewegen. Ich habe aber die Hoffnung, damit einen empirisch fundierten Beitrag zur Beschreibung der Welt zu liefern, in der wir als Produkte der Evolution leben. Natur und Kultur, Eros und Logos sind für mich kein unüberbrückbarer Gegensatz, sondern bedingen sich gegenseitig. Das verstehe ich unter „erotischer Rechtfertigung“ des Menschen.

  2. „Normalbürgerin“ sagt herzlich Danke. Ich glaube, ich hab jetzt
    verstanden, was Sie als Philosoph mit Eros meinen. Nur weiß ich noch
    nicht, was das mit Gott zu tun haben soll. Wenn er die Menschen wirklich
    liebt, hätte er uns die Liebe doch leichter machen können. Oder?

    • Gott hätte die Liebe wohl kaum leichter machen können, weil er im Verhältnis zum Menschen die Widersprüche und Gefühlsschwankungen selbst erfahren hat. Und weil ohne das emotionale Chaos der Liebe unser Leben ziemlich öde wäre. Bei der Schöpfung der Welt, bei der das Wort Gottes in den Vordergrund gestellt wird, ist Gott auch tätig (sog,. „Tatbericht“). Er tut und macht, aber nicht wie ein Handwerker; sondern wie ein Zeugender. Man muss schon blind sein, um nicht zu sehen, dass bei der Schöpfung der Tiere, die im Wasser „wimmeln“, Gott vom Eros getrieben ist. Das ist meine lebensphilosophische Lesart, bei der die Theologen wahrscheinlich den Kopf schütteln Aber was solls. Wenn ichs nicht so lesen darf, ist Gott für mich tod.

  3. „Die überirdischen Momente der irdischen Liebe“ – in welcher Welt lebt Ihr eigentlich? Bei uns heißt Eros nur Frust und Logos nur Streit. Heute wird jede zweite Ehe geschieden. Was kann man da machen ? Hilft das Buch, das Sie geschrieben haben? Ist das auch für eine Normalbürgerin oder nur für Akademikter vom blog? Ich hab gedacht, die Kirche will die Menschen erreichen !?

    • Hallo Heidrun Fischer! Ich kann gut nachvollziehen, dass Ihnen unsere Diskussion weltfremd vorkommt. Aber glauben Sie mir, ich lebe in der gleichen Welt wie Sie. Ich weiß auch, dass der Logos, der dem Menschen zur Verständigung gegeben ist, zu endlosen Streitereien benutzt wird. Ich weiß auch, dass der Eros, der zwei Menschen in der gemeinsamen Lust verbinden soll, zu Enttäuschungen und Aggressionen führen kann. Ich bin kein Paarberater, aber als Philosoph mache ich mir Gedanken darüber, warum heute so viele junge Menschen in der Liebe scheitern. Ich denke, das hängt mit dem übertriebenen Indiviualismus zusammen, mit der Wut der Selbstbestimmung um jeden Preis. Dabei vergessen wir, dass unser Selbstwertgefühl durch Abgrenzung und Rechthaberei nicht gestärkt, sondern eher geschwächt wird. Wenn wir auf den Partner zugehen, selbst auch einmal zurückstecken, dann ist das kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Zusammen sind wir stark. Diese uralte Einsicht versuche ich in meinem Paar-Buch zu vermitteln. Ob mir das gelingt, ob das auch für „Normalbürgerin“ (gefällt mir!) verständlich ist, müssen Sie selbst sehen. Das Bild des etruskischen Paares auf dem Umschlag der Neuausgabe meines Buches sagt mehr als tausend Worte.

    • Ich bin zwar ebenso Philosoph, sogar Philosophischer Praktiker, aber ich zähle mich auch unter die Normalmenschen was die Liebe betrifft, denn natürlich habe auch ich sowohl wunderschöne wie auch frustrierende Erfahrungen mit der Liebe gemacht. Dank ihrer lebensbestimmenden Intensität fordert sie uns heraus, die Aufgabe, die wir als Menschen sowieso immer haben, nämlich unser Leben zu FÜHREN (statt dahinzuleben), ernst zu nehmen. Dabei kann uns ein Partner eine grosse Hilfe, Stärkung und Bereicherung sein – aber eben auch ein Hindernis; auf jeden Fall ist er immer eine Herausforderung. Dass wir diese Herausforderung auf die Dauer umgehen, verhindert die Liebe: Durch ihre Intensität lassen sich die Unstimmigkeiten in der Gemeinsamkeit nicht so leicht umgehen. Es hat natürlich auch im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende verschiedene Liebeskonzepte gegeben, und es gibt sie heute noch; d.h. jeder erlebt Liebe nicht nur anders, sondern hat auch noch unterschiedliche, meist implizite, Vorstellungen, wie sie sein sollte, wie der Partner mit einem umgehen sollte usw. Hinzu kommen Widersprüchlichkeiten und Spannungen in der uns umgebenden Gesellschaft — genug Stoff für Frust also. Oder dafür, sich auseinanderzusetzen mit der Liebe, z.B. bei der Philosophischen Ferienwoche in Sils in der Schweiz, wo ganz unterschiedliche Aspekte des Themas gemeinsam diskutiert werden: http://www.gedankenreisen.com.

  4. Weil vom Johannesevangelium die Rede war: Ich sollte vielleicht noch sagen, was ich daran erotisch finde. Das ist auf jeden Fall der „Jünger, der an Jesu Brust lag“ (13,25). Der hat im Text keinen Namen, ist auch den anderen Evangelien nicht bekannt, ist vielmehr als symbolische Eintragung des Erzählers – ich glaube sogar, seiner ganzen Gemeinde – aufzufassen. Das wahre Gottesverhältnis ist ein Liebesverhältnis, wenigstens von unserer Seite: „Myrrhe und Aloe“ kommen nur im Johannesevangelium vor (19,39) und im Hohenlied, aus dem auch sonst manches ins Joh. entlehnt ist, insbesondere der „Garten“ (anstelle des eher kahlen „Ortes Gethsemane“ bei den Synoptikern). Das Hohelied ist – ganz untypisch für die Antike – in der Person der Frau gesprochen. In ihr haben Judentum und Christentum sich selbst gesehen im Gegenüber zu Gott. Da mag nun jeder ein Wort für „Liebe“ finden, das ihm passt.
    Dann aber noch die Szene aus den Ostergeschichten, wo Maria Magdalena den vermeintlichen Gärtner als Jesus erkennt (20,11-18): Wer würde nicht merken, wie es da „knistert“? Nicht umsonst ist das die berühmteste Begegnungsszene der Weltliteratur. Und was hier über Agape hinausgeht, ist das Erkennen, das Du.

    • Folker Siegert, Ihre Lesart des Johannesevangeliums fasziniert mich. Das habe ich nie so gelesen. Weiß auch nicht, wie Ihre theologischen Kollegen dazu stehen. Aber ich will hier keine Diskussion über die Bibelauslegung anfachen. Was mich interessiert, ist die Weite des Wortfeldes „Liebe“. Wenn in der Antike von Eros oder Amor die Rede war, dann stand dahinter immer das Göttliche. Das ist heute leider verloren gegangen. Aber die Stelle bleibt leer und irgendwann wird sie wieder besetzt. Denn ohne das Göttliche kommt kein Mensch auf Dauer aus. Die überirdischen Momente der irdischen Liebe sind das Salz der Erde.

  5. Lieber Herr Siegert, vielen Dank für den Hinweis auf „chara“, auf die Freude , damit stimme ich überein. Lieber Herr Fellmann, es würde mich freuen, wenn Sie auf die Fragen, die ich gestern gepostet habe, noch mit einem kurzen Hinweis antworten könnten. Des Weiteren möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es in dem Diskurs der katholischen Moraltheologie schon seit Ende 1960er Jahre differenzierte Aussagen zum Leib gibt. Bspw. hat der katholische Moraltheologe Johannes Gründel in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass es keine biblischen Anhaltspunkte für eine Diskriminierung des Leibes und der Geschlechtlichkeit gebe und dass entsprechende Einflüsse innerhalb der katholischen Moraltheologie eher auf außerchristliche Quellen zurückgehen würden. Hier spielt vermutlich das, was der katholische Theologe Johann Baptist Metz die „gnostische Dauerversuchung“ innerhalb der katholischen Kirche genannt hat, eine große Rolle. Gründel betonte schon 1969, dass die katholische Moraltheologie sich nicht gegen die Sexualität ausspricht – auch wenn es hier immer wieder zu einseitigen Festlegungen auf die Fortpflanzung gekommen ist -, sondern gegen eine Abkopplung der Sexualität vom gesamtmenschlichen Verhalten. In der Kritik steht ein grundsätzliches autoerotisches Verhalten. Ich glaube, dass der Philosoph Han und Sie, Herr Fellmann, das vermutlich auch so ähnlich sehen würden, oder täusche ich mich?

    • Hallo Herr Manemann! Zu Ihrer Aufforderung, etwas zur Frage zu sagen, warun die Liebe derzeit in der Krise steckt: Als Lebensphilosoph würde ich antworten: Die irdische Liebe ist immer krisenanfälltig wegen der Gefühlsambivalenz der Sexualität. Soziologisch ist ein wichtiger Faktor derzeit die Emanzipation der Frau, die nun auch im Umgang mit ihrem Körper ganz auf Selbstbestimmung eingestellt ist. Hier hilft natürlich die Aufforderung zum Spass haben nicht weiter. Was die Gesellschaft braucht, ist ein fruchtbarer Kompromiss zwischen Sinnlichkeit und Spirituatlität, zwischen Eros und Logos. Ich glaube, darin sind wir uns alle einig. Aber wir können das nicht erzwingen, wir können nur aufzeigen, was Sache ist. Die neue Rollenverteilung zwischen Mann und Frau muss sich selbst einpendeln und daraus wird dann wieder ein neues Verständnis von Liebe erwachsen. Hoffentlich bald!

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  7. Lieber Herr Fellmann, Lieber Herr Manemann (danke für den neuesten Prospekt aus Hannover!), der Rückgriff auf Johannes, den Evangelisten mit dem Weinglas (der andre Johannes trank Wasser) freut mich und wird uns noch weit führen können. Also, mit „Spaß“ meine ich Freude, griechisch _chara_, auch ein Lieblingswort dieses Evangelisten, das die anderen weit weniger benutzen. Gern hätte ich einen Internet-Hinweis zum weiteren Verfolgen gegeben, sehe aber, dass meine unter „Judaicum Münster“ abrufbaren Nachrichten uter „Arbeits- und Forschungsschwerpunkte“ gerade zu dieser Frage wenig hergeben, aus rein rechtlichen Gründen: Ich habe, noch von gestern kommend, meine Ergebnisse drucken lassen. Also kann ich nur auf einen Pflasterstein verweisen, der sich freilich in allen großen Bibliotheken finden wird: _Das Evangelium des Johannes in seiner ursprünglichen Gestalt. Wiederherstellung und Kommentar_ (2008). Darin findet sich ein Kapitel, das ich ursprünglich betiteln wollte: „Johanneische Erotik“, das aber jetzt (damit ich nicht auf der falschen Stelle im Meinungsmarkt vorkomme) heißt: „Der Kult der Freundschaft“ (S. 776-786). Ein Freund von mir, mit dem ich aber nicht ins Bett gehe (zumal er alt ist), behauptet, da hätte ich eine Goldader gefunden. Es gibt noch eine Seligkeit neben dem Sex.

    • Folker Siegert, schönen Dank für die Literaturangabe. Dank auch, dass Sie sich als evangelischer Theologe in die Höhle des Löwen wagen. Jetzt sind Ihre katholischen Kollegen am Zuge. Ich hoffe, dass aus unserer InDebate ein synergetischer Effekt entsteht, von dem wir alle profitieren.

  8. Hallo Herr Fellmann, Sie sind doch der Autor des interessanten Buches „Das Paar“, in dem Sie die schenkende Liebe Gottes in „erotische Rechtfertigung“ umdeuten. Glauben Sie wirklich, dass die Theologen, die unter sich schon über die Rechtfertigungslehre zerstritten sind, da mitmachen?

    Es grüßt Sie

    M. Lantz

    • Hallo M. Lantz! „Erotische Rechtfertigung“ ist wirklich ein heißes Eisen. Aber es gibt ermutigende Signale. Der renommierte evangelische Theologe Ingolf Dalferth hat 2006 sehr konstruktiv darauf reagiert. Auch der katholische Theologe Joseph Ratzinger, als er noch Vorsitzender der Glaubenskongregation war, war nicht abgeneigt und hat mir mitteilen lassen, dass er mich in seine Gebete einschließe. Also sind der Bemühungen eines Philosophen um ein integrales Menschenbild doch nicht ganz umsonst. Ich bin in der gerade bei Alber erschienenen Neusausgabe meines Paar-Buches auf die Theologen zugegangen. Schaun wir mal, wies weitergeht.

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  10. Zunächst: Vielen Dank für den Beitrag. Mit den beiden abschließenden Zitaten aus der Enzyklika über den notwendigen Zusammenhang zwischen Eros und Agape ist m.E. die Stoßrichtung des Weiterdenkens angegeben, die ja durchaus Ähnlichkeiten mit der von Ihnen skizzierten Perspektive aufweist, wie Sie ja auch selbst anmerken. Um jedoch diesen Weg zu gehen, muss von Beginn an das Waresein der Sexualität durchbrochen werden. Das vermisse ich im Beitrag. Dazu wäre es m.E. geboten, mit der Krise der Liebe zu beginnen, wie es der Philosoph Byung-Chul Han vorschlägt. Diese gründet, so Han, in der „Narzissifizierung des Selbst“. Ausdruck dieses Narzissmus ist die öffentlich zur Schau gestellte Sexualität: die Pornographie. Man surfe nur durch das Internet. Ein Blick in „You Tube“ reicht völlig aus. Sexualität wird weitestgehend mit Pornographie gleichgesetzt. Han hat recht: Wir leben in einer Transparenzgesellschaft, die auch eine Pornogesellschaft ist. Die permanente Anstachelung zum sexuellen Begehren hat ein nie dagewesenes Ausmaß errreicht. Aber, so Han: „Der Porno vernichtet nicht nur den Eros, sondern auch den Sex.“ Erotik und Sexualität sind deshalb vom Porno zu befreien, der das Rästelhafte auflöst. Gerade der Eros verweigert sich der Transparenz. Han fordert jedoch auch, die Sexualität von der Erotik zu unterscheiden: Erotik sei eine Bewegung hin zum Anderen, während Sexualität ein Bedürfnis sei, das immer wieder zum Ich zurückführe. Ist es nicht die Bewegung zum Anderen hin, die den Eros mit der Agape verbindet? Beide, ich greife noch einmal Han auf, gründen in der Unverfügbarkeit des Anderen. Wäre nicht hier anzusetzen und weiterzudenken, wenn man Theologie und Philosophie über philosophisch-anthropologische Reflexionen zum Thema „Eros – Logos“ miteinander ins Gespräch bringen möchte?

    • Jürgen Manemann, schön, dass Sie auf den Philosophen Han hinweisen, mit dem ich darin übereinstimme, dass Porno den Eros und sogar die Sexualität platt macht. Die Frage ist nur, wie unsere westlichen Spaßgesellschaften aus der Porno-Falle rauskommen. Warum hat Porno im Internet so eine Konjunktur? Vielleicht hängt das mit dem hedonistischen Individualismus zusammen, der Erotik als Bewegung hin zum Anderen unterbindet. ‚Unterm oder besser auf dem Strich zähl Ich‘. Hier sind die Soziologen gefragt. Ich als Philosoph weiß keine Lösung des Problems. Prohibition jedenfalls hilft nie. Da halte ich mich eher an den Lutheraner Folker Siegert, der uns ermuntert, neue Regeln für das Spiel mit der Liebe zu lernen: „Alsdann, viel Spaß!“

      • Prohibition hilft nicht – das habe ich auch nicht gefordert. Wenn hinter all dem, wie Han schreibt, eine Krise der Liebe steckt, dann bin ich allerdings der Auffasssung, dass dazu der Lebensphilosoph etwas beisteuern müsste. Warum steckt Liebe in der Krise? Welchen Stellenwert hat der Andere in den verschiedenen Bziehungsverhältnissen und -geflechten? Es scheint mir widersprüchlich zu sein, auf die sogenannte Spaßgesellschaft – was immer das sein mag – mit der Aufforderung zu Spaß zu reagieren.

  11. Ich sehe in dieser Debatte einen Versuch, mal wieder etwas wie „himmlische Liebe“ ins Gespräch zu bringen, in Veredelung menschlicher Seelenzustände (das Französische sagt so schön: transports, „Entrückungen“, oder auch états d’âme). Der erste, der das gemacht hat, war Platon in seinem Gastmahl: Die „uranische Liebe“ ist die zu Jünglingen; zur Vorsicht lässt er das Ganze von einem Betrunkenen vortragen, Aristophanes, der sowieso nicht den Ruf hat, ein Philosoph zu sein. So kann der den Platons nicht ernstlich schädigen.
    Was Benedikt XVI. in seinem Deus caritas est (so muss es ja wohl im Lateinischen lauten) versucht, ist, anhand des deutschen Wortes „Liebe“, das sehr weit ist, die drei griechischen Begriffe eros, agape und, zwischen ihnen gelegen (und nur im Johannesevangelium genutzt, dort aber intensiv): philia „Freundschaft“ auf einen einzigen, göttlichen zurückzuführen. Da spricht er dann auch von einem „Eros Gottes für die Menschen“ (S. 16), obwohl Joh 3,14 dasselbe agape nennt. Der Oberbegriff, den er sucht und an der Stelle auch gebraucht, ist „Hingabe“, ein typisch katholisches Wort, hauptsächlich aus der Ethik, in evangelischer Theologie auch bekannt innerhalb des Kapitels „Heiligung“.
    Frage: Wie ist das von Gott aussagbar? Er braucht sich nicht mehr zu „heiligen“! Da würde ich nun meinerseits auf Joh 3 zurückgreifen, ohne Änderung der Worte, und auf die Selbsthingabe Jesu (Hingabe an seine Mission, mit Todesrisiko) hinweisen, die insofern eine Selbsthingabe Gottes ist, als man in Jesus Gottes „Fleischwerdung“ betrifft; die ging dabei sogar „drauf“ (mit dem Ergebnis, dass Leute wie Blumenberg meinen, Gott sei nun selber tot).
    Ist es also nichts mit Eros im Himmel? – Ein positiver Hinweis findet sich m.E. doch in Ratzingers Buch, und zwar so: Gott sucht im Menschen ein Du. Das geht über agape hinaus (in der Freundschaft hingegen ist es enthalten). Das wäre dann – systematische Theologie mag das nun weiterdenken – keine Aussage der Erlösungslehre, sondern, längst vorher, eine der Schöpfungslehre. Damit treten wir nun auch vor allem Christentum einen Schritt zurück.
    In der Schöpfung ist der Eros breit angelegt, und da würde ich ihn (trotz der von Platon wie Benedikt erwähnten Gefahr des Betrunkenwerdens) zu den größten Gaben rechnen. Da ist nun die Frage, ob das Christentum – auch in dieser Enzyklika – diese Gabe „vergiftet“ durch zu viele Maßgaben und Maßregeln – von wegen „Zucht“, „Reinigung“ (S. 10) usw.
    Hier meine Meinung dazu, wenn’s jemand lesen will: Eros führt in ein Spiel, und Spiele gelingen doch nur innerhalb gewisser Spielregeln. WICHTIG: Diese Regeln liegen für mich nicht seit der Schöpfung schon fest. Die Verdammung der Homosexualität z.B. gehört nicht in die Schöpfungslehre (nachdem diese Variante biologisch nachgewiesen ist) und auch nicht in die Ethik (wo es, was Spielregeln betrifft, auf den gegenseitigen Respekt ankommt). Diese Verdammung, die einst bis ins Strafrecht reichte, ist eine entartete (Gruß an Nietzsche!) Reinheitsregel: Leviticus 18 sind Reinheitsregeln für Israeliten. In der Kirche des Neuen Bundes (ich bin Lutheraner) haben sie keine Geltung, auch wenn es Nachklänge davon noch im Neuen Testament gibt.
    Für mich ist jedes Spiel schön, das ohne Gewalt abläuft und im Respekt vor den Partnern. Man lacht gemeinsam und nicht auf andrer Kosten.
    Alsdann, viel Spaß!

    • Schönen Dank, Folker Siegert, für Ihren Vorschlag, Freundschaft (philia) stark zu machen, um den Graben zwischen Eros und Agape zu überbrücken. Das passt ja auch gut in unser gesellschaftliches Leben, in dem Freundschaft zwischen Mann uind Frau höher als erotische Liebe gehandelt wird. Ob das wirklich der Stein der Weisen ist, weiß ich nicht. Für das Verhältnis des Menschen zu seinem Gott mag das zutreffen. Das ist natürlich ein zu weites Feld, um im Rahmen von InDebate geklärt zu werden. Da müssten wir uns mit dem „Sitz im Leben“ der biblischen Texte beschäftigen, über den Sie ja bestens Bescheid wissen. Für mich wirklich beeindruckend. Vielleicht können Sie einen Text nennen, möglichst im Netz abrufbar, der theologische Laien schlau macht. Markus Schröder würde es Ihnen sicherlich auch danken.

  12. Danke Philosoph für den tollen Hinweis! Ich habe schon in die Enzyklika
    reingeschaut. Wirklich spannend, aber man braucht einige Zeit, um alles
    zu verstehen. Gassendi und Descartes, noch nie gehört. Muss ich die
    kennen? Was mir gleich auffällt und ein bischen verdächtig vorkommt,
    dass dauernd von „Reinigung“ des Eros, von „Zucht“ die Rede ist. Sex
    also doch etwas Unreines? Das müssen Sie mir erklären.

    L.G. Markus Schröder

    • Lieber Markus Schröder, wegen Gassendi und Descartes brauchen Sie sich keinen Kopf zu machen. Papst Benedikt war eben ein richtiger Gelehrter und konnte sich nicht vorstellen, dass normale Menschen einen anderen Bildungshorizont haben. Aber das nur nebenbei. Wichtiger ist Ihr Unbehagen mit der “Reinigung”, das ich teile. Ich habe den Eindruck, Benedikt schwankt beim Drahtseilakt zwischen Eros und Agape hin und her. Wenn er schreibt, ekstatische Liebe ziele auf Ewigkeit, so klingt das nach Nietzsche: Alle Lust will Ewigkeit. Vielleicht kann uns ein kluger Theologe sagen, was Sache ist.

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