Philosophie am Kröpcke: Ist der Klimawandel ungerecht? (Teil 2)

Hannover, Kröpcke-Uhr

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die im Institut erforscht werden, hält und weiß. Pünktlich zu jeder Ausgabe des fiph Journals führen wir dementsprechend eine streng wissenschaftlich kontrollierte Studie durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Digitalkamera und Aufnahmegerät bewaffnet, und stellen allen Passanten, die uns über den Weg laufen, dieselbe Frage. Auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie. Dieses Mal wollten wir wissen: „Ist der Klimawandel ungerecht?“– eine Frage, die zu Gegenfragen einlud. Auszüge aus den profunden Antworten lesen Sie hier …

fiph: Ist der Klimawandel ungerecht?
Thorsten: Ich finde ihn unmöglich – dagegen muss was getan werden!
fiph: Ist der Klimawandel vom Menschen gemacht?
Thorsten: Ja, von wem sonst?
fiph: Dann könnte man ja auch sagen, jemand hat Schuld daran.
Thorsten: (unterbricht) Sie und ich!
fiph: Unter anderem! Haben denn alle Menschen gleichermaßen Schuld am Klimawandel?
Thorsten: Alle Menschen gleichermaßen!
fiph: (überrascht) Wir verbrauchen doch viel mehr …
Thorsten: Wir haben es nie anders gelernt. Wie die Menschen in der Sahelzone, die das letzte Büschchen da ausreißen und verbrennen oder sich steinigen lassen und dafür die Steine aus der Wand reißen. Die ham’s ja auch nicht anders gelernt! Die Entwicklungsländer, China, Indien, Pakistan, Brasilien, die werden jetzt durch Raubbau groß. Die sollen andere Wege gehen, wie wir auch andere Wege gehen, ganz einfach!

fiph: Ist der Klimawandel ungerecht?
Armin: Nee, der ist gerecht. Da können wir eigentlich nichts gegen machen. Das ist ganz natürlich. Und was natürlich ist, kann ja nicht ungerecht sein.
fiph: Würden Sie sagen, dass der Klimawandel nicht von Menschen beeinflusst ist?
Armin: Doch, würde ich sagen.
fiph: Könnten wir nicht anders handeln, als wir es bisher tun?
Armin: Könnten wir auch.
fiph: Wenn es in unserer Macht liegt, etwas positiv oder negativ zu beeinflussen, haben wir dann nicht auch die Verantwortung dafür?
Armin: Das ist der Knackpunkt. Wie weit fühlen wir uns verantwortlich für unser Handeln? Ich fühle mich nicht so verantwortlich für den Klimawandel, weil ich von selber versuche, mich danach zu richten, dass ich das Klima nicht bewusst beeinflusse.

fiph: Ist der Klimawandel ungerecht?
Max: Fangfrage!
fiph: Ist nicht so gedacht. Finden Sie die Frage schief gestellt?
Max: Ja. Was soll man denn darauf antworten?

fiph: Ist der Klimawandel ungerecht?
Peter: Natürlich ist das ein Gerechtigkeitsproblem. Sie sehen das ja jetzt wieder mit der Atomlobby, wie die also geschont worden ist, und sicherlich könnte man jetzt sagen, die Atommeiler tragen dazu bei, dass das Klima besser wird. Aber man weiß ja nie, ob so’n Ding nicht mal in die Luft geht.
fiph: Sehen Sie bei sich persönlich auch Handlungsbedarf?
Peter: Ja natürlich. Ich könnte ein kleineres Auto fahren.

fiph: Ist der Klimawandel ungerecht?
Annette: Ungerecht für wen?
fiph: Zum Beispiel für die Betroffenen.
Annette: Menschen?
fiph: Vielleicht auch Tiere.
Annette: Wer fragt denn nach den Pflanzen? Also ich finde, für manche Pflanzen ist das bestimmt sehr ungerecht. Das ist nicht so einfach zu beantworten. Weil, wenn es ungerecht ist, braucht man ja erst mal einen Schuldigen.
fiph: Gibt es den?
Annette: Jein. Vielleicht.
fiph: Sind Menschen schuld am Klimawandel?
Annette: Ja. Aber die Tiere pupsen ja auch (lacht).
fiph: Könnten denn die Kühe ihr Verhalten ändern?
Annette: Nein, ich glaube eher nicht, aber der Mensch könnte das Verhalten der Kühe ändern, insofern als es dann weniger Kühe gibt, wenn wir weniger Fleisch essen.
fiph: Also handelt es sich doch um eine Frage der Gerechtigkeit?
Annette: Die Frage ist nicht ganz abwegig in dem Zusammenhang

fiph: Ist der Klimawandel ungerecht?
Margarete: Ja, weil es uns besser geht, und denen in der Südsee, denen geht es schlechter.
fiph: Vielen Dank!

Interviews: Eike Bohlken
Fotos: Volker Drell
(Die Namen der Befragten wurden von der Redaktion geändert.)

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