Philosophie am Kröpcke: Macht Macht korrupt? (Teil 2)

Hannover, Kröpcke-Uhr

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die im Institut erforscht werden, hält und weiß. Pünktlich zu jeder Ausgabe des fiph Journal führen wir dementsprechend eine streng wissenschaftlich kontrollierte Studie durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Digitalkamera und Aufnahmegerät bewaffnet, und stellen allen Passanten, die uns über den Weg laufen, dieselbe Frage. Auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie.
Dieses Mal wollten wir wissen: „Macht Macht korrupt?“ Waren wir sonst meist um die Mittagszeit unterwegs, so erreichten wir den Kröpcke dieses Mal erst gegen 17 Uhr – offenbar keine gute Zeit fürs öffentliche Philosophieren: Grimmige Gesichter und allgemeines Gehaste bei Menschen, die offenbar gerade von der Arbeit kamen, noch irgendetwas kaufen mussten und zu fürchten schienen, wir könnten sie davon abhalten bzw. ihnen irgendetwas andrehen wollen. Fast wären wir verzweifelt, aber einige Hannoveraner/innen haben uns dann doch Rede und Antwort gestanden. Auszüge aus den profunden Antworten lesen Sie hier …

fiph: Macht Macht korrupt?
Paul: Wenn ich schlecht bin, wie willst du mich ändern?
fiph: Ich könnte versuchen, Sie zu überzeugen, Ihnen einen Spiegel vorzuhalten.
Paul: Womit denn? Nehmen Sie z.B. George Bush. Der ist ein schlechter Mensch. Der hat einen Krieg verursacht. Wie wollen Sie den ändern? Weil, der hört nicht auf jemanden. Wer ist sonst so mächtig wie der? Wer könnte zu ihm gehen und sagen: Ich hab‘ genauso viel Macht wie Du. Änder‘ Dich! Ich glaube nicht, dass sich so ein Mensch ändern kann.
fiph: Ist es also gar nicht die Macht, die Schlechtes aus den Menschen macht, sondern allein ihr Charakter?
Paul: Ersteres auch. Aber jemand, der von Anfang an schlecht ist, hat auch schlechte Ziele. Wenn man ihm die politische Power gibt, dann wird er seine Wünsche verwirklichen! So denke ich, dass die Menschen sind. Wenn man ihnen nicht zu viel Macht gibt, dann werden sie auch nicht schlechter. Wenn sie zu hoch kommen – dann ist alles verloren!

fiph: Verdirbt Macht den Charakter?
Dirk: Ich denke ja.
fiph: Und kann man was dagegen tun?
Dirk: Das kann ich nicht behaupten, weil ich keine Macht habe. Geben Sie mir 30 Millionen und ich antworte in einer Woche noch mal. Ich kann’s jetzt nicht genau sagen.

fiph: Macht Macht korrupt?
Klaus-Peter: Nicht unbedingt. Das kommt darauf an, wozu man Macht ausnutzt. Man kann die Macht ja auch zum Positiven nutzen. Es kann natürlich sein, dass Macht dazu verleitet – den Charakter, den hat man ja von vornherein.

fiph: Macht Macht korrupt?
Tina: Ja bestimmt.
fiph: Kann man da was gegen machen?
Tina: Ich glaube, Kontrolle in den Reihen der Politik ist kaum möglich. Weil das alles hinter geschlossenen Türen passiert.
fiph: Könnte es sinnvoll sein, die Macht aufzuteilen?
Tina: Es heißt ja: „Zu viele Köche verderben die Suppe.“ Ich glaub‘, das würde eher schaden als nützen.

fiph: Macht Macht korrupt?
Heinz: Ja.
fiph: Kann man was dagegen tun?
Heinz: Ja, man kann seine Einstellung so … einstellen, dass man nicht darauf anspricht. Aber das ist natürlich sehr schwierig.
fiph: Würden Sie sagen, dass Politiker, die ja über besondere Macht verfügen, eine besondere Tugend haben müssen, damit sie nicht korrumpiert werden?
Heinz: Ham‘ die ja nicht! Diese Tugend – die fehlt ja. Die erzähl’n uns vor der Wahl, was sie alles machen müssen, und wenn es dann so weit ist, dann fallen sie um!

fiph: Ich möchte von Ihnen wissen: Verdirbt Macht den Charakter?
Stephan: Das kommt auf den Charakter drauf an.
fiph: Sie würden nicht sagen, es handelt sich um ein Naturgesetz?
Stephan: Es ist wahrscheinlich sehr schwer, sich nicht verderben zu lassen.

fiph: Darf ich Ihnen eine philosophische Frage stellen?
Hertha: Nee, ich bin nicht philosophisch veranlagt. Da haben Sie keinen Spaß dran!

(Die Namen der Befragten wurden von der Redaktion geändert.)

Interviews: Eike Bohlken und Volker Drell

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