InDepth-longread: Passiver Widerstand? Der Körper und die feministische Philosophie

Kaja Kröger

1. Einleitung

Der Körper ist nicht nur ein Widerstand in der materiellen Welt, er ist es auch in der feministischen Philosophie.

In erster Linie erachtet die traditionelle patriarchale Philosophie und ihre Institutionalisierung die Zentrierung körperlicher Erfahrung als Erkenntnisorgan als auch als Erkenntnisobjekt als illegitim, was in feministischer Theorie bereits im letzten Jahrhundert eingehend thematisiert worden ist.[1] Gleichzeitig gab es aber auch im Zuge der Entwicklung poststrukturalistischer feministischer Theorien wiederum ein zunehmendes Fremdeln mit einer positiven und identifikatorischen Bezugnahme auf Körperlichkeit. Doch woher kommt dieses philosophische Unbehagen bezüglich des Körpers? Und welche Probleme begegnen jenem feministischen Denken heutzutage, das Verstrickungen von Körperlichkeit und Geschlecht artikulieren möchte?

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InDebate: Gleichheit vor dem Virus! – Verwundbarkeiten in der Corona-Krise[1]

Totentanz, https://commons.m.wikimedia.org/wiki/File:Totentanz_blockbook_o.jpg

Jürgen Manemann

„Nackt in der Badewanne“ verkündete Madonna in einem Videoclip, dass das Coronavirus „der große Gleichmacher“ sei, und stellte dabei erleichtert fest: „Wenn das Schiff untergeht, gehen wir alle zusammen unter.“[2] Eine solche Aussage zeugt von Blindheit gegenüber den unterschiedlichen Verwundbarkeiten, denen unterschiedliche Menschen aufgrund unterschiedlicher Gefährdungen in der Corona-Pandemie ausgesetzt sind. Zu Recht rieben sich einige Fans die Augen; verwundert ob derlei Weltfremdheit mahnten sie: „Entschuldige, meine Königin, ich liebe dich so sehr, aber wir sind nicht gleich. Wir können durch die gleiche Krankheit sterben, aber die Armen werden am meisten leiden. Romantisiere diese Tragödie nicht“.[3]

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InDebate: Corona und Ausgangsbeschränkungen

Marcus Döller

Es scheint dieser Tage einen liberalen Konsens darüber zu geben, dass ein Rückzug ins Private und Häusliche geboten sei. „Stay Home! Stay safe!“ – so lautet die Anrufung. Der Gedanke des Rückzuges ins Private und Häusliche markiert dabei freilich selbst schon eine privilegierte Perspektive. Der Rückzug ins Private, Geschützte, Isolierte macht dabei zweierlei strukturelle Fehler: Zum einen naturalisiert er das Private und das „Zuhause“ als einen Ort der Sicherheit und des Rückzuges, der für viele nichts anderes als die Hölle sein muss. Zum anderen setzt dieser Gedanke das Private dem Politischen und damit öffentlich Verhandelbaren entgegen. Beide Fehler sind Grundfehler, die dem Liberalismus eingeschrieben sind und nun auf falsche Weise reproduziert werden.

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InDebate: Das große Leugnen. Skepsis und Gewissheitssuche in Zeiten der Pandemie

(c) Ana Honnacker

Ana Honnacker

Es ist Woche vier des Lockdowns in Deutschland. Ein Frühlingssamstag, wie er schöner kaum sein könnte. Auf dem Markt haben sich die meisten Menschen mit den Hygieneregelungen arrangiert, erstaunlich schnell hat sich eine neue Normalität eingestellt. Viele tragen Masken, man hält den empfohlenen Abstand, sodass sich lange Schlangen bilden. Auch das ein Bild, an das man sich gewöhnt. Der innerlich anschlagende Alarm, es werde ewig dauern, bis man an der Reihe sei, wird leiser und leiser. Die Wahrnehmung adjustiert sich – damit nimmt auch das sensuelle Dauerfeuer ab, das permanent Gefahr signalisiert und bei so manchem (so auch bei mir) einen Fluchtinstinkt auslöst, dem unter den jetzigen Bedingungen nicht nachzukommen ist, sofern man nicht über einen Privatjet und ein entsprechendes Refugium verfügt.

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