InDebate: Apokalyptische Kippfiguren: Subversives Handeln und Weltverneinung im Anschluss an Jacob Taubes

Hervorgehoben

Ana Honnacker

Die Diskrepanz zwischen dem, was ist, und dem, was sein sollte, kann als das auslösende Moment aller Kritik gedacht werden. Einen vorgefundenen Zustand nicht hinnehmen zu wollen, vielleicht sogar nicht hinnehmen zu können, weil er als untragbar, unerträglich empfunden wird, führt in eine eigentümliche Pendelbewegung zwischen Kritik und Desiderat. Damit ist auch so etwas wie die natürliche, zumindest aber charakteristische Fortbewegungsweise derer, die reflexive – und nicht zuletzt selbstreflexive – Aufklärungsarbeit betreiben, beschrieben. Ein Hin- und Herschwingen zwischen (ablehnender) Beschreibung des Ist-Zustandes und Einforderung eines bestimmten Soll-Zustandes ist daher auch der Religionsphilosophie zu eigen und eröffnet das Spannungsfeld, in dem sich ihre Reflexionsgegenstände wiederfinden.

Weiterlesen

InDebate: Klimanotstand – jetzt!

M. Bode

Jürgen Manemann

„Klimanotstand“ – was heißt das eigentlich? Der Begriff steht für einen Bewusstseinswandel. Wer den Klimanotstand ausruft, anerkennt, dass er/sie sich nicht in einer Situation einer Krise, sondern in der Situation einer Katastrophe befindet. Nur eine Katastrophe legitimiert die Ausrufung eines Notstandes. Mit der Ausrufung des Notstandes geht deshalb das Bekenntnis einher, dass die Katastrophe nicht etwas ist, das in der Zukunft droht, sondern dass wir uns schon in der Situation einer Katastrophe befinden. Durch das rapide Artensterben verschwinden nicht nur viele Tier- und Pflanzenarten für immer. Mit diesem Aussterben sind die Lebensgrundlagen aller Lebewesen bedroht. Die Ausrufung des Klimanotstandes als symbolischer Akt verleiht der Katastrophe eine sinnbildhafte Repräsentanz. Der Klimanotstand avanciert somit zu einem Instrument, die Katastrophe auf der politischen Ebene sinnlich erfahrbar werden zu lassen.

Weiterlesen