Philosophie am Kröpcke: Macht Macht korrupt? (Teil 2)

Hannover, Kröpcke-Uhr

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die im Institut erforscht werden, hält und weiß. Pünktlich zu jeder Ausgabe des fiph Journal führen wir dementsprechend eine streng wissenschaftlich kontrollierte Studie durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Digitalkamera und Aufnahmegerät bewaffnet, und stellen allen Passanten, die uns über den Weg laufen, dieselbe Frage. Auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie.
Dieses Mal wollten wir wissen: „Macht Macht korrupt?“ Waren wir sonst meist um die Mittagszeit unterwegs, so erreichten wir den Kröpcke dieses Mal erst gegen 17 Uhr – offenbar keine gute Zeit fürs öffentliche Philosophieren: Grimmige Gesichter und allgemeines Gehaste bei Menschen, die offenbar gerade von der Arbeit kamen, noch irgendetwas kaufen mussten und zu fürchten schienen, wir könnten sie davon abhalten bzw. ihnen irgendetwas andrehen wollen. Fast wären wir verzweifelt, aber einige Hannoveraner/innen haben uns dann doch Rede und Antwort gestanden. Auszüge aus den profunden Antworten lesen Sie hier … Weiterlesen

InDebate: Von der „Religionsfreiheit“ seit 1700 Jahren

Franco Rest

„Religionsfreiheit“ ist heute wie in vergangenen Jahrhunderten keineswegs politisch gesichert; das gilt vor allem für diktatorisch und autokratisch geführte Staaten, besonders wenn sie sich von einer Religion her definieren möchten; davon können gegenwärtig Christen, Juden und Buddhisten in muslimisch geprägten Staaten berichten. Aber leider gilt es auch für (sog.) Demokratien. Ein aktuelles Beispiel sind die Homeschoolingfamilien, welche ihre schulpflichtigen Kinder aus religiösen und weltanschaulichen Gründen nicht in eine anerkannte öffentliche Schule schicken, sondern diese in den eigenen vier Wänden unterrichten. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Die Normalität der Macht

Rainer Paris

Macht ist normal und alltäglich, sie ist allgegenwärtig und immer schon da. Andererseits gilt: Wo wir unmittelbar mit ihr konfrontiert sind, etwa bei einer direkten, unverhüllten Drohung, sind die Relevanzen von Alltag und Normalität sofort suspendiert. Macht stiftet Normalität und durchbricht sie zugleich. Wie ist das im Einzelnen zu verstehen? Weiterlesen

Philosophie am Kröpcke: Macht Macht korrupt? (Teil 1)

Hannover, Kröpcke-Uhr

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die im Institut erforscht werden, hält und weiß. Pünktlich zu jeder Ausgabe des fiph Journal führen wir dementsprechend eine streng wissenschaftlich kontrollierte Studie durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Digitalkamera und Aufnahmegerät bewaffnet, und stellen allen Passanten, die uns über den Weg laufen, dieselbe Frage. Auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie.

Dieses Mal wollten wir wissen: „Macht Macht korrupt?“ Waren wir sonst meist um die Mittagszeit unterwegs, so erreichten wir den Kröpcke dieses Mal erst gegen 17 Uhr – offenbar keine gute Zeit fürs öffentliche Philosophieren: Grimmige Gesichter und allgemeines Gehaste bei Menschen, die offenbar gerade von der Arbeit kamen, noch irgendetwas kaufen mussten und zu fürchten schienen, wir könnten sie davon abhalten bzw. ihnen irgendetwas andrehen wollen. Fast wären wir verzweifelt, aber einige Hannoveraner/innen haben uns dann doch Rede und Antwort gestanden. Auszüge aus den profunden Antworten lesen Sie hier … Weiterlesen

Pro und Contra: Brauchen wir Heroen?

pro: Herfried Münkler


Wenn von Helden die Rede ist, wird gerne der selbst wenig heldenhafte Brecht zitiert: Als bekannt wird, dass Galilei sich den Forderungen der päpstlichen Kurie gebeugt und widerrufen hat, ruft der enttäuschte Andrea aus: „Unglücklich das Land, das keine Helden hat.“ Galilei selbst akzentuiert sein Entscheidungsdilemma etwas anders: „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.“ Diese Feststellung wird gerne zitiert, wenn man etwas gegen das Erfordernis von Helden sagen will. Aber so ist sie eigentlich nicht zu verstehen. Gegen Andrea besteht Galilei darauf, dass das Unglück eines Landes nicht im Fehlen, sondern im Erfordernis von Helden liegt. Doch das Unglück, auf Helden angewiesen zu sein, lässt sich nicht dadurch aus der Welt schaffen, dass man der Bewältigung schwieriger Konstellationen die Helden verweigert. Keiner hat das besser gewusst als Brecht. Freilich hat er auch gewusst, dass er selber zum Helden nicht taugte. Deswegen hat er sich mit Galilei identifiziert. Politische Konstellationen und Herausforderungen folgen nicht unbedingt den Imperativen der Glücksgarantie für ein bestimmtes Land. Man muss gerüstet sein, auch weniger glückliche Konstellationen bewältigen zu können – und dafür braucht man mitunter Helden. Helden sind also zu definieren als die Unglücksbewältigungsreserve eines Landes. Man muss sich mit ihnen nicht brüsten oder gar gegenüber Anderen hervortun. Aber man ist gut dran, wenn man in Situationen, wo es der Helden bedarf, auf diese zurückgreifen kann. Weiterlesen

InDebate: Keine Angst vor Dogmatismus!

Beispiel für ein demokratiekompatibles Dogma
(Foto „Marienstatue in der Kapelle von Klaus“ von „a4o“, online abrufbar unter: https://www.flickr.com/photos/oleseidel/397283577/sizes/m/in/photolist-B7byR-MaiUB-3eEGD9-48baUP-4hmYe8-4hr3Y1-4kjxHe-4kozEb-5RDKrR-6griTP-6gvuLd-6LfkbG-6Q5ypE-6ZEw8b-76Lqe4-9yRkwd-9yRowU-dhfZ1X-anWxvW-dQkbEd-e2pPDY-9suTaj-euqGZu/

 

Wenn heute von Dogmen und Dogmatikern oder Dogmatikerinnen gesprochen wird, geschieht dies meist im Zusammenhang mit dem Vorwurf des Dogmatismus an Personen oder Gruppen. Dieser Vorwurf trifft nicht nur Geistliche der katholischen Kirche, sondern auch Feministinnen, Umwelt- und Parkschützer, gewerkschaftliche „Betonköpfe“ und generell „Hardliner“ aller Couleur. Positionen oder Personen, die so bezeichnet werden, gelten als engstirnig, autoritär und letztlich undemokratisch.

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