InDebate: Die Grenzen der Freiheit

Individuelle Autonomie muss in ihren Wirkungen auf die Weltbevölkerung und künftige Generationen gedacht werden

Felix Ekardt

Die gleiche Freiheit aller Bürger ist bis heute selbst bei jenen, die universalistisch denken, meist als Ordnung innerhalb von Gesellschaften gedacht worden – aber nicht als Ordnung zwischen den Gesellschaften und zwischen den Zeiten. In diesem Sinne genießen heute die im Okzident lebenden 20 % der Menschheit die größte Freiheit seit Menschengedenken. Der größere Teil der Menschheit dagegen lebt in z.T. unvorstellbarer Armut und unter repressiven, freiheitsfeindlichen Regierungen. Und jungen und künftigen Menschen drohen wir verbrannte Erde zu hinterlassen. Sobald nun Länder wie China oder Indien unseren Lebensstil übernehmen – wie sie es, mit sichtbaren Auswirkungen auf den Ölpreis, gerade versuchen –, droht unsere heutige Existenzform zusammenzubrechen, weil unsere Ressourcenbasis und das globale Klima dies nicht hergeben. Weiterlesen

Philosophie am Kröpcke: Sind Sie ein Weltbürger? (Teil 2)

Hannover, Kröpcke-Uhr

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die am Institut erforscht werden, weiß und hält. Pünktlich zu jeder Ausgabe des fiph-Journals führen wir dementsprechend eine streng wissenschaftlich kontrollierte Studie durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Digitalkamera und Aufnahmegerät bewaffnet, und stellen allen Passanten, die nicht schnell genug flüchten, dieselbe Frage. Auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie.

In den Korridoren zwischen den Baustellen und vor der verhüllten Kröpcke-Uhr wollten wir dieses Mal wissen, wie weltoffen die Hannoveraner sind. „Sind Sie ein Weltbürger?“ lautete unsere Frage. Auszüge aus den profunden Antworten lesen Sie hier … Weiterlesen

Indebate: Liquid Democracy? – Ein kritischer Diskussionsbeitrag

Gezi Park Library – Taksim Platz, Istanbul
By Akinranbu (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
URL: https://commons.wikimedia.org/
wiki/File%3AGezi902.jpg

Jürgen Manemann

Viele Zeitgenossen, insbesondere Vertreter*innen und Anhänger*innen der Piratenpartei, sehen die neue Herausforderung der Politik in einem „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (J. Habermas). Die Netzgemeinde ist für sie der Ort, an dem Politik betrieben und entschieden wird. Die Revolutionierung der Politik besteht für sie in der Digitalisierung der Politik. Angestrebt wird eine Revolutionierung der Demokratie: die Transformation einer repräsentativen Demokratie in eine liquid democracy [(ver-)flüssig(t)e Demokratie]. Weiterlesen

Pro und Contra: Müssen Ethiker moralisch sein?

pro: Markus Wild

Ungesunde Ärzte und schlappe Fitnesstrainerinnen sollten es besser wissen. Doch der Gedanke ist hier nicht zwingend, dass professionelle Einsichten Einfluss auf die Lebensführung haben sollten.

Das trifft meines Erachtens auf Ethiker nicht zu. Sie sind Philosophen, und für diese gilt ein härterer Maßstab, und zwar deshalb, weil zur Idee der Philosophie eine Lebensführung gehört, die sich durch philosophische Einsichten bestimmen lässt. Hat die Philosophie eine Natur, wie Wasser oder Gold? Kaum. Ist sie eine besondere Praxis? Ihr Tun unterscheidet sich nicht von anderen Geisteswissenschaften. Hat sie einen besonderen Gegenstand? Sie hat Gegenstände wie andere Disziplinen auch, nur ist die Betrachtung abstrakter. Weiterlesen