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Philosophie am Kröpcke: Gibt es einen Sinn des Lebens? (Teil 2)

Veröffentlicht am 25. März 2013

Hannover, Kröpcke-Uhr

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die im Institut erforscht werden, hält und weiß. Dementsprechend führen wir regelmäßig streng wissenschaftlich kontrollierte Studien durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Aufnahmegerät und Digitalkamera bewaffnet, und stellen allen Passanten, die uns über den Weg laufen, dieselbe Frage. Auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie.
Dieses Mal wollten wir wissen, ob es einen Sinn des Lebens gibt. Einigen Passanten schien diese Frage zu gewichtig, andere beschieden uns knapp, wir möchten das doch bitte selbst herausfinden. Auszüge aus den profunden Antworten der offeneren Zeitgenossen/innen lesen Sie hier …

Fiph: Gibt es einen Sinn des Lebens?
Martin: … gute Frage … (überlegt) …, aber ich glaube nicht, dass es darauf eine Antwort gibt. Ich würde sagen, man sollte frei nach dem Motto leben: Der Weg ist das Ziel.
Fiph: Das wäre keine Antwort?
Martin: Also es ist ja keine direkte Antwort oder Lösung. Deswegen, würde ich sagen, macht es nicht sehr viel Sinn, sich über den Sinn den Kopf zu zerbrechen – statt einfach bei der Suche zu bleiben.
Fiph: Also einfach zu leben?
Martin: Genau.
Fiph: Ist es denn gleichgültig, wie man lebt?
Martin: Gleichgültig ist das nicht, dann wäre ja alles egal. Ich denke mal – wie sagt man das denn am besten? –, dass man nach der Goldenen Regel lebt, niemandem auf die Füße tritt und dann einfach versucht, mit sich selbst und der Umwelt im Reinen zu sein. Es gibt also schon gewisse Grundregeln, aber den individuellen Sinn eines Lebens, das muss selbst erfahren und gefunden oder eventuell auch nicht gefunden werden.

Fiph: Gibt es einen Sinn des Lebens?
Harald: Das will ich doch wohl hoffen!
Fiph: Sie sind sich aber nicht ganz sicher?
Harald: Doch.
Fiph: Und was macht Sie sicher?
Harald: Mein Glaube daran, meine Erfahrung und der Wunsch natürlich.
Fiph: Sind das eher positive Erfahrungen oder können es auch negative sein?
Harald: Es können nur positive sein! Das ist nur vermeintlich, dass wir das als negativ empfinden oder voreilig als negativ ansehen, in Wirklichkeit führt es zum Erkennen eines idealeren Zustands.

Fiph: Gibt es einen Sinn des Lebens?
Holger: Ja.
Fiph: Was macht Sie da so sicher?
Holger: Die Freude, wenn man morgens aufwacht und sich auf den Tag freut, das kann man immer gar nicht so genau beschreiben, aber es passiert ja viel während eines Tages. Die Erwartung und die Spannung auf den Tag, der da kommt, ich glaube, das ist schon Sinn genug.
Fiph: Sie würden sagen, der Sinn zeigt sich in positiven Gefühlen oder Erlebnissen?
Holger: Ja, so würde ich das beschreiben.
Fiph: Kann man auch aus negativen Erlebnissen Sinn ziehen?
Holger: Ja, ich glaub’ in dem Verarbeiten von negativen Erfahrungen kann auch ein Sinn liegen. Man denkt natürlich eher an die positiven Seiten, aber wenn man so ein negatives Tal hinter sich gebracht hat, vielleicht auch gemeinsam, dann ist das bestimmt auch noch mal ein besonderes Erlebnis.
Fiph: Muss man seinem Leben selber einen Sinn geben?
Holger: Ich will mal so sagen: Wenn ich jetzt den ganzen Tag vor mir habe und ich habe nichts vor, dann freue ich mich. Aber wenn ich den ganzen Tag nichts gemacht habe, gehe ich meistens mit einem schlechteren Gefühl ins Bett.

Fiph: Gibt es einen Sinn des Lebens?
Stephan: Jeder muss sich einen Zweck im Leben geben, wenn er auf irgendetwas hin will. Wenn man planlos durch die Welt geht – hab’ ich ja genug gemacht: mit Alkohol, Drogen und all so Sachen –, dann verfehlt man ihn.

Fiph: Gibt es einen Sinn des Lebens?
Flüchtender: Ne, hab’ ich jetzt keinen Nerv drauf.

Fiph: Gibt es einen Sinn des Lebens?
Tim: Ja also, ganz persönlich würde ich sagen, Spaß – das ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort – zu haben und unseren Planeten zu schützen.
Fiph: Passt das zusammen?
Tim: Kann, muss aber nicht. Klar, man kann die Umwelt dabei zerstören oder man kann sie dabei erhalten.
Fiph: Und Ihnen würde es mehr Spaß machen, wenn Sie erhalten bliebe?
Tim: Klar, natürlich. Aber ich fahr’ auch Motorrad. Und ich hab’ auch kein’ Kat, und das geht mir am Arsch vorbei, ehrlich gesagt.
Fiph: Da kommt’s raus!
Tim: Ja, es ist immer so ‘ne Doppelmoral.

Fiph: Gibt es einen Sinn des Lebens?
Inki: Das ist ‘ne gute Frage. Also ich hab’ meinen Sinn des Lebens. Mein Sinn des Lebens für mich ist es, mein Leben zu leben, wie es mir gefällt, und mich trotzdem mehr oder weniger an die Gesellschaft so anzupassen, dass ich überlebensfähig bin, ohne ausgegrenzt zu werden, und mich um meine Tiere genügend kümmern kann. Weil meine Tiere sind mein Leben.
Fiph: Würden Sie sagen, es hat jeder eine Verantwortung dafür, seinem Leben einen Sinn zu geben?
Inki: Ja … (zögert) …, ich denke, es könnte in gewisser Weise vorherbestimmt sein, aber beschwören würde ich es nicht, weil ich bin auch kein Mensch, der an Gott glaubt. Ich glaube an mich selber, ich glaube an das, was ich tue, ob es eine höhere Macht gibt, will ich weder bejahen noch verneinen, weil ich es weder befürworten kann durch irgendwelche Argumente, noch es dementieren kann.
Fiph: Gibt es einen Sinn des Lebens?
Mathilde: Sicher.
Fiph: Ist das ein Gefühl?
Mathilde: Ich denke, dass man jeden Tag darüber nachdenkt, ob das Leben Sinn macht oder nicht. Und ich komme eindeutig zu dem Gefühl: Es macht Sinn.
Fiph: Hat das etwas mit Erfüllung zu tun?
Mathilde: Weiß man am Abend ja manchmal gar nicht, ob es eine war. Es kommt einem manchmal so vor und nachher ist es gar keine. Also, ob man das so schnell weiß, weiß ich nicht. Aber ich bin ja nun siebzig, und da weiß man das.
Fiph: Haben Sie sich die Sinnfrage häufig gestellt?
Mathilde: Ja, sehr häufig.
Fiph: Ist jeder selbst für den Sinn seines Lebens verantwortlich? Gibt es allgemeinere Orientierungspunkte?
Mathilde: Für Andere gibt es Orientierungspunkte. Manche sind religiös, manche sind irgendwie philosophisch gebildet, ich lebe so, dass ich das immer selber hinterfrage und geb’ mir auch selbst die Antworten.
Fiph: Vielen Dank.

Interviews: Eike Bohlken
Fotos: Volker Drell
(Die Namen der Befragten wurden von der Redaktion geändert).

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