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Philosophie am Kröpcke: Ist der Klimawandel ungerecht? (Teil 1)

Veröffentlicht am 8. April 2013

Hannover, Kröpcke-Uhr

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die im Institut erforscht werden, hält und weiß. Pünktlich zu jeder Ausgabe des fiph Journals führen wir dementsprechend eine streng wissenschaftlich kontrollierte Studie durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Digitalkamera und Aufnahmegerät bewaffnet, und stellen allen Passanten, die uns über den Weg laufen, dieselbe Frage. Auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie. Dieses Mal wollten wir wissen: „Ist der Klimawandel ungerecht?“– eine Frage, die zu Gegenfragen einlud. Auszüge aus den profunden Antworten lesen Sie hier …

fiph: Ist der Klimawandel ungerecht?
Anton: (überlegt) Ich glaube nicht, dass die Frage, ob das gerecht ist oder nicht, in Bezug auf die natürlichen Umstände die angemessene Bezeichnung ist. Über die Auswirkungen kann man vielleicht diskutieren…
fiph: Nun geht ja die Mehrheit der Experten inzwischen davon aus, der Klimawandel sei menschengemacht. Müsste man dann nicht auch Menschen Verantwortung und Schuld zusprechen?
Anton: Wenn man davon ausgeht, dass der Klimawandel anthropogen verursacht ist, dann ist es sicherlich so, dass die, die den Nutzen aus der Verursachung gezogen haben, in geringerem Maße von den Auswirkungen betroffen sind als die, die weniger Nutzen daraus gezogen haben. Insofern kann man sagen, dass die Folgen nicht gerecht verteilt sind.
fiph: Sie sind nicht der Meinung, dass der Klimawandel anthropogen verursacht ist?
Anton: Ich weiß es nicht. Es gibt gute Argumente, davon auszugehen, dass es so ist. Aber letztlich weiß man es nicht.

fiph: Ist der Klimawandel ungerecht?
Janine: Na, was heißt ungerecht? Wir ham selber dran schuld.
fiph: Was folgt daraus in praktischer Hinsicht?
Janine: Na erst mal natürlich für die Regierung, dass die was tun müssen. Und selber kann halt jeder was machen: Mit dem Auto muss man nicht unbedingt die kleinsten Strecken fahren. Damit fängt’s ja schon immer an.
fiph: Könnte man gerechter mit den Folgen des Klimawandels umgehen?
Janine: Was heißt gerechter? Es ist halt nun mal einfach so! Es ist zwar Zeit, etwas daran zu ändern. Es ist aber jeder selber dafür verantwortlich.

fiph: Ist der Klimawandel ungerecht?
Marek: Für wen?
fiph: Zum Beispiel für die Betroffenen.
Marek: (lacht verlegen) Für die Betroffenen ist er natürlich ungerecht, weil für die einen hat er viel größere Auswirkungen als für die anderen. Insofern haben, glaube ich, die entwickelten Industrienationen da bessere Karten als Dritte-Welt-Staaten.
fiph: Gibt es Menschen, die eine größere Schuld daran trifft?
Marek: Hmm, das ist eine schwere Frage. Ich würde dem zustimmen, dass die Industrieländer zumindest eine größere Verantwortung tragen. Ob sie dann eine größere Schuld trifft, ist eine andere Frage. Ich meine, sie sind auch da hineingeboren.

fiph: Ist der Klimawandel ungerecht?
Christoph: Für wen? Für uns? Für die Betroffenen? Da muss man erst mal die Frage stellen, ob wir für den Klimawandel verantwortlich sind.
fiph: Sind wir es?
Christoph: Meiner Meinung nach sind wir es nicht. Es gibt Studien z.B. von der TU Braunschweig, die das belegen. Andere hingegen sagen, dass wir es sind. Und man muss auch immer sehen, welche Interessen vertreten werden, z.B. wie viel Geld da reingepumpt wird, z.B. in die grünen Energien. Wenn bestimmte Forschergruppen nicht sagen, dass sie sich dafür einsetzen, fallen vielleicht Sponsorengelder weg. Wenn es ums Geld geht, ist es immer schwer zu sagen, wo da die Gerechtigkeit ist.
fiph: Was müsste man denn konkret tun?
Christoph: Viele Sachen sind unsinnig. Man versucht einerseits mit der Abwrackprämie, die Autos hier von den Straßen zu schaffen, und dann werden die Autos nicht verschrottet, sondern nach Afrika verkauft. Das heißt – wir leben ja auf einer Welt – es ändert sich im Grunde nichts. Das meiste, was gemacht wird, ist Augenwischerei.
fiph: Herrscht zu viel Unvernunft in der Welt?
Christoph: Ja, einerseits das (kommt in Fahrt). Und es ist auch anmaßend, anderen Ländern zu sagen, sie müssen jetzt das und das machen. Das, was wir vor 100 Jahren erlebt haben, da hatten wir auch noch nichts zur Begrenzung. Es wäre also ungerecht, ihnen das vorzuschreiben!

Interviews: Eike Bohlken
Fotos: Volker Drell
(Die Namen der Befragten wurden von der Redaktion geändert.)

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