InDebate: Emotionen und Demokratie

Jürgen Manemann

Demokratie ist mehr als eine Regierungsform. Sie ist eine Lebensform. Und sie ist vor allem eins: ein Ereignis. Zur Demokratie befähigt werden wir durch unsere Leidempfindlichkeit, welche die Voraussetzung dafür ist, nicht nur das eigene Leid, sondern auch das Leid Ander*er wahrzunehmen. Demokratie zeichnet sich überdies durch eine Differenzsensibilität aus, die der Motor von Pluralität ist (für ausführliche Literaturhinweise zum Folgenden siehe Manemann 2019).

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InDebate: Derrida, Gastfreundschaft und die AfD

Vondermaßen, Foto

Marcel Vondermaßen

Der Wahlerfolg der AfD in Deutschland und anderer populistischer Parteien in ganz Europa beunruhigt die politische Landschaft. Kann die Philosophie etwas zur Diskussion dieser aktuellen politischen Entwicklungen beitragen? Sie kann es[1] und, ja, sie sollte es. Insbesondere, da in der derzeitigen politischen Auseinandersetzung fast immer auf Werte und Normen Bezug genommen wird.

Die These des folgenden Beitrages lautet: „Der Begriff der ‚Gastfreundschaft‘ von Jacques Derrida ist dazu geeignet, einen neuen Blick auf die Ängste und Emotionen zu werfen, die als Grundlage für den Erfolg der AfD und ähnlicher Parteien gesehen werden.“ Der Beitrag bietet überdies Argumente für einen Lösungsansatz, der sich nicht im „Ernstnehmen der besorgten Bürger*innen“ erschöpft. Weiterlesen

InDebate: ‚Lügenpresse‘: zum Anspruch auf Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Die Pose der Wahrheit als Instrument der Meinung

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Agnes Wankmüller

Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) und die Proteste der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) in Dresden sind seit 2013 bzw. 2014 eine Erscheinung in Deutschland, über die seitens der etablierten Politik Ratlosigkeit herrscht. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass sie die Einwanderung von Muslimen und Muslimas problematisieren, sondern ebenfalls mit der Haltung und dem Selbstanspruch, die seitens AfD und Pegida in Bezug zum politischen und medialen Establishment evoziert werden: man sieht sich als exklusive Vertreter der Wahrheit und der Wahrhaftigkeit. Weiterlesen

InDebate: Der Philosophenkönig Peter Sloterdijk. Zum aktuellen Philosophenstreit

Peter Sloterdijk By Rainer Lück https://1RL.de - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7325682

Peter Sloterdijk
By Rainer Lück https://1RL.de – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7325682

Jürgen Manemann

Der Philosoph Peter Sloterdijk sieht seine Zeit gekommen. Der Denker in dürftiger Zeit schaltet sich in die große Politik ein und fordert nichts weniger als eine Revolution. Schon seit geraumer Zeit hält er Ausschau nach einer „neue(n) Generation von Politikern“, die sich mit visionären Antrieben aufladen, um „große Politik“ zu machen. Mit der Alternative für Deutschland (AfD) scheint der Kairos da zu sein. „Große Politik“ basiere auf dem Gespür für die Macht des Schicksals. Sloterdijk, der Seher, experimentiert damit, Stifter oder Medium einer gegenreligiösen Weltanschauung zu sein. Und nicht nur das: Er versteht seine Philosophie als einen Beitrag zu einer „Loskettungspraxis“, und derjenige, der Ketten löse, sei der Erlöser. Weiterlesen