InDebate: Gleichberechtigung. Die ZEIT ist reif für Veränderung

Hervorgehoben

 

Agnes Wankmüller

Die ZEIT hat die Debatte um Geschlechtergerechtigkeit und sexuelle Gewalt in einer Reihe von Artikeln wieder aufleben lassen. Leider auf eine Art und Weise, die der Debatte mehr schadet als nützt. Im Titelthema-Artikel „Der bedrohte Mann“ von Jens Jessen in der Ausgabe vom 05.04.18, auf den eine Woche später die Replik „Mann irrt“ von Bernd Ulrich folgte, gelingt es zwar, verschiedene Positionen aus dem Meinungsspektrum zur Gleichstellungsdebatte anzusprechen. Den konservativen bis antifeministischen Statements von Jessen, die befremdlich nahe an den Strohmann-Argumenten der üblichen Youtube-Antifeministen liegen (zumindest jener, die subtil genug sind, sich nicht offen für die Unterwerfung der Frau durch den Mann auszusprechen), folgt eine Replik durch Ulrich: Diese verbleibt in einer moderat-bürgerlichen, mittleren Position und versäumt es, eine deutliche Gegenposition zu entwickeln. Durch die Gegenüberstellung beider Artikel als „Titelthema“ und „Replik“ wird durch die ZEIT jedoch eine Balance zwischen zwei ähnlich von der Mitte entfernt gelagerten Haltungen, und damit eine gewisse Neutralität suggeriert. Wie im Folgenden anhand von Auszügen aus beiden Texten gezeigt werden soll, trägt dies letztlich  dazu bei, die konservative Position zu affirmieren und die Bewusstseinsbildung für die Notwendigkeit der Debatte zu untergraben. Weiterlesen