InDebate: Das große Leugnen. Skepsis und Gewissheitssuche in Zeiten der Pandemie

(c) Ana Honnacker

Ana Honnacker

Es ist Woche vier des Lockdowns in Deutschland. Ein Frühlingssamstag, wie er schöner kaum sein könnte. Auf dem Markt haben sich die meisten Menschen mit den Hygieneregelungen arrangiert, erstaunlich schnell hat sich eine neue Normalität eingestellt. Viele tragen Masken, man hält den empfohlenen Abstand, sodass sich lange Schlangen bilden. Auch das ein Bild, an das man sich gewöhnt. Der innerlich anschlagende Alarm, es werde ewig dauern, bis man an der Reihe sei, wird leiser und leiser. Die Wahrnehmung adjustiert sich – damit nimmt auch das sensuelle Dauerfeuer ab, das permanent Gefahr signalisiert und bei so manchem (so auch bei mir) einen Fluchtinstinkt auslöst, dem unter den jetzigen Bedingungen nicht nachzukommen ist, sofern man nicht über einen Privatjet und ein entsprechendes Refugium verfügt.

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InDebate: Apokalyptische Kippfiguren: Subversives Handeln und Weltverneinung im Anschluss an Jacob Taubes

Ana Honnacker

Die Diskrepanz zwischen dem, was ist, und dem, was sein sollte, kann als das auslösende Moment aller Kritik gedacht werden. Einen vorgefundenen Zustand nicht hinnehmen zu wollen, vielleicht sogar nicht hinnehmen zu können, weil er als untragbar, unerträglich empfunden wird, führt in eine eigentümliche Pendelbewegung zwischen Kritik und Desiderat. Damit ist auch so etwas wie die natürliche, zumindest aber charakteristische Fortbewegungsweise derer, die reflexive – und nicht zuletzt selbstreflexive – Aufklärungsarbeit betreiben, beschrieben. Ein Hin- und Herschwingen zwischen (ablehnender) Beschreibung des Ist-Zustandes und Einforderung eines bestimmten Soll-Zustandes ist daher auch der Religionsphilosophie zu eigen und eröffnet das Spannungsfeld, in dem sich ihre Reflexionsgegenstände wiederfinden.

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Pro und contra: Burkaverbot – ja oder nein?

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Pro: Lisz Hirn

In der aktuellen Diskussion rund um das Thema Burkaverbot werden zweifelsohne viele Argumente gegen eine gezielte Verhüllung des weiblichen Körpers ins Feld geführt. Im Folgenden beziehe ich mich ausschließlich auf das Verbot zur Ganzkörper- bzw. Gesichtsverschleierung und nicht auf den Hijab. So zeige diese angeblich die Ungleichheit von Mann und Frau und sei ferner ein Mittel zur Unterdrückung der Letzteren sowie das Symbol eines zutiefst konservativ geprägten, politischen Islams. Da der Koran kein (eindeutiges) Verschleierungsgebot für Frauen ausspricht, gibt es auch für die Burka keinerlei religiöse Legitimation. Worum geht es also in der Debatte um die Burka? Weiterlesen

Pro und Contra: Ist gute Kritik konstruktiv?

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Pro: Ana Honnacker

Der Begriff der Kritik ist nicht notwendigerweise mit der Idee der Konstruktivität verknüpft. Das Gebot, Kritik müsse zwingend konstruktiv sein, muss daher mit Vorsicht (und Nachsicht) eingesetzt werden. Allzu häufig mag es als Immunisierungsstrategie eingesetzt werden, um unbequeme Stimmen mundtot zu machen. Das Recht, Missstände anzuprangern, scheint an die Bedingung geknüpft zu sein, eine Alternative für den Status Quo anzubieten. Wer das nicht kann, hat zu schweigen. Dass jedoch eine Vielzahl an Situationen vorstellbar ist, in denen nur Kritik im Sinne von Protest und gar Widerstand gegen das Bestehende auf der Tagesordnung stehen kann, möchte ich gar nicht bestreiten. Allein, dass man es dabei nicht auf Dauer belassen kann, halte ich für wichtig. Spätestens im Moment des erreichten Umsturzes, der Abschaffung des Kritisierten, muss etwas Neues an dessen Stelle gesetzt werden. Auf die Dekonstruktion oder Destruktion muss die Konstruktion folgen. Weiterlesen