InDepth – longread: Wohnungsnot in deutschen Großstädten: Zur moralischen Zulässigkeit der Vermietung von Wohnraum zu Höchstpreisen

Birgit Heitker

1. Einleitung

Die aktuelle Wohnungsnot in Großstädten ist heute ein vieldiskutiertes gesellschaftliches Thema: „Im Anschluss an die globale Finanzkrise von 2008 sind Mieten und Wohnungspreise insbesondere in prosperierenden Metropolregionen, Groß- und Universitätsstädten deutlich gestiegen. Für einkommensschwache Haushalte und zum Teil selbst für Mittelschichten wird es immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu finden.“[1] Es ist festzustellen, dass Wohnraum und Wohnkosten ungleich verteilt sind, so dass die heutige Wohnungsfrage eine ausgeprägte soziale Dimension hat.[2]

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Pro und Contra: Sollte man von ‚Anwendungsbezogener Ethik‘ statt von ‚Angewandter Ethik‘ sprechen?

Pro: Thomas Potthast

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Insofern Philosophie es zentral mit der Reflexion auf Begriffe zu tun hat, sollten eingebürgerte Termini nicht einfach verwandt werden, nur weil sie etabliert sind. Ethik ist als Teil der praktischen Philosophie stets auf Handlungen orientiert. Die Rede von einer „angewandten“ Ethik legt nahe, dass eine gar nicht angewandte „reine“ Ethik sozusagen sekundär „angewandt“ wird. Es erscheint aber nicht plausibel, völlig außerhalb menschlicher Handlungs-Praxis nach dem Guten oder dem Gerechten zu fragen, sei es metaethisch-analytisch oder normativ-begründend. Mit der Ethik verhält es sich insofern anders als mit der Mathematik oder der Physik, in der die Unterscheidung von „rein“ bzw. „theoretisch“ einerseits und „angewandt“ andererseits vielleicht sinnvoll sein mag. Weiterlesen