Schwerpunktbeitrag: Unbedachte Güte und die Ungerührtheit der Welt. Überlegungen zur zwischenmenschlichen Praxis des Umgangs mit moralisch wirksamen Gefühlen1

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Helmut Pape

I. Vorbemerkung, Klärung der Fragestellung und eine These

Die motivierende Rolle von Gefühlen ist für viele Moraltheoretiker häufig Anlaß zur Erfindung argumentativer Strategien, die im Namen der Rationalität deren Wirksamkeit leugnet oder durch Vernunft ersetzen will. Im Nachdenken über die moralische Richtigkeit des Handelns, so heißt es, sollten Gefühle keine Rolle spielen. Auch Kant z. B. hat immer wieder klar für die Ausschaltung motivierender Gefühle plädiert. Er hielt sie nicht für geeignet, um als Motivationen im moralischen Denken eine Rolle zu spielen. In der Grundlegung der Metaphysik der Sitten sagt Kant in diesem Sinne über den durch Mitempfinden motivierten Menschenfreund, daß dieser erst dann eine Chance hätte, sich moralisch zu verhalten, wenn er moralisch gefühllos geworden ist: Weiterlesen