Schwerpunktbeitrag: Aufmerken auf das Fremde

Walderfels_01_4c--

Bernhard Waldenfels

Für eine Phänomenologie, die dem Antworten auf das Fremde ein besonderes Gewicht einräumt, gibt die Aufmerksamkeit ein Paradebeispiel ab. Sie teilt mit dem Fremden das gleiche Schicksal einer weitgehenden Geringschätzung. Der Psychologismus eines Wilhelm Wundt, der die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts beherrscht, degradiert die Aufmerksamkeit zu einer psychologischen Begleiterscheinung. Ihre kognitive Leistung wird immer wieder mit der Wirkung eines Scheinwerferkegels verglichen, der in verborgene Winkel hineinleuchtet und hervorholt, was sich dort verbirgt. Ähnlich wird das Fremde bis heute auch von Philosophen dem angeglichen, was wir noch nicht kennen, aber unter geeigneten Bedingungen kennenlernen können. Ich zitiere zwei Autoren, die zeitig auf die Mängel einer solchen Vernunftgläubigkeit aufmerksam gemacht haben. Weiterlesen