InDebate: Europas Dekolonisationsverweigerung. Über die Notwendigkeit der Selbstenthöhung Europas

      Björn Freter

Die afrikanische Philosophie entwickelt sich bestens. Eine Vielzahl, in der westlichen Philosophiediskussion weithin unbekannte, dennoch unzweifelhaft bedeutende Beiträge hat sie in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht.

Bevor ich mit meinen Überlegungen fortfahre, sei eine kurze Bemerkung zum Sprachgebrauch erlaubt: Wenn von Afrika oder Europa, von afrikanischer oder europäischer Philosophie die Rede ist, bedeutet das natürlich eine erhebliche Vereinfachung. Diese Vereinfachung ist allerdings lediglich eine sprachliche Konzession. Damit ist zu keinem Zeitpunkt eine Vereinheitlichung der Vielfalt der zusammengefassten Phänomene gemeint oder gar ein impliziter normativer Kommentar abgegeben. Weiterlesen

InDebate: Verachtung als Politik. Zum Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland

Björn Freter

Die Alternative für Deutschland sieht in ihrem Grundsatzprogramm den »sozialen Frieden und den Fortbestand der Nation als kulturelle[r] Einheit« bedroht. Die »Ideologie des Multikulturalismus«, heißt es, stelle »importierte kulturelle Strömungen« und »einheimische Kultur« gleich. Gleichbewertung des ›Einheimischen‹ und des ›Imports‹ bedeutet, im Verständnis der AfD, de facto die Abwertung deutscher Kultur. Die AfD eröffnet damit eine scharfe Trennung zwischen dem offenkundig wertvollen Eigenen und dem offenkundig weniger wertvollen Anderen, das, wenn es dem Eigenen nur zu nahekommt, dieses wertvolle Eigene verdirbt. Dieses Zu-nahe-Kommen ist wichtig. Was das Fremde in der Fremde eigentlich ist, ist ganz uninteressant. Von Bedeutung wird das Fremde erst und nur durch seine bedrohliche Nähe zum Eigenen. Das Fremde kommt dabei als das, was es selbst ist, überhaupt nicht in den Blick. Das hat eine merkwürdige Konsequenz. Das Fremde wird nicht als das, was es ist, abgelehnt, sondern als das, was es nicht ist, nämlich: nicht das Eigene. Das aber bedeutet: Das Fremde wird verachtet. Verachtung bedeutet eine Abwertung des Anderen auf Grund seines Andersseins. Weiterlesen