InDebate: Es ist kompliziert! Zur möglichen Wahlverwandtschaft zwischen Politik und Wissenschaften

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Marvin Dreiwes

„Ein Wissenschaftler ist kein Politiker, der wurde nicht gewählt und der muss nicht zurücktreten. Kein Wissenschaftler will überhaupt so Dinge sagen wie: Diese politische Entscheidung, die war richtig. Oder diese politische Entscheidung, die war falsch. Oder diese politische Entscheidung, die muss jetzt als Nächstes getroffen werden. Sie hören das von keinem seriösen Wissenschaftler. […] Die Wissenschaft bekommt damit langsam wirklich ein Problem mit dieser doppelten Aussage, die sowohl von der Politik, wie auch von der Wissenschaft kommt. Beide Seiten sagen, die Politik trifft die Entscheidungen und nicht die Wissenschaft. Das sagt sowohl die Politik, wie auch die Wissenschaft. Dennoch wird weiterhin immer weiter dieses Bild des entscheidungstreffenden Wissenschaftlers in den Medien produziert. Wir sind hier langsam an einem Punkt, wo dann demnächst auch die Wissenschaft in geordneter Weise den Rückzug antreten muss, wenn das nicht aufhört.“
– Christian Drosten, NDR Info: Coronavirus-Update. Folge 24, 30.03.2020.

Die Corona-Krise zeigt, wie viel Unsicherheit in der Verhältnisbestimmung von Politik und Wissenschaft besteht. Politische Entscheidungsträger*innen – so scheint es – waren noch nie so sehr auf wissenschaftliche Expertise angewiesen, aber auch in der Gesellschaft selbst findet sich ein Verlangen nach eindeutigen wissenschaftlichen Erklärungen und Empfehlungen. Zugleich finden sich Wissenschaftler*innen wie nie zuvor in der medialen Öffentlichkeit präsentiert und damit zugleich in Debatten, für die sie nicht immer gerüstet sind.[1] Trotz eines Grundvertrauens gegenüber Wissenschaftler*innen[2] führt deren Sichtbarkeit zu der Frage: Wie sehr können und müssen sich Wissenschaftler*innen in die Politik einmischen? Und wie stark können und müssen Politiker*innen wissenschaftliche Ergebnisse als Grundlage ihrer Entscheidungen gewichten?

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InDebate: The Political Aesthetics of Bruno Latour

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Michael L. Thomas

An Inquiry into Modes of Existence, the most recent publication of Bruno Latour, represents an exciting new philosophical project in so far as it raises an audacious question in a novel methodological light: “How do we compose a common world?” On its surface, this question calls forth images of universality of human beings, a “kumbaya”( https://en.wikipedia.org/wiki/Kumbaya) society organized through a shared vision and lack of conflict. The question changes in the hands of Latour, however, insofar as it is not a question of normativity, but of what I term political aesthetics. Weiterlesen