Schwerpunktbeitrag: Der Lärm der Demokratie

Christian Grabau

Der Demokratie ist immer ein „Exzess“ (Rancière) eingeschrieben, ein Lärm der mannigfaltigen Interessen, Vorlieben und Strategien, den dieselbe Ordnung, die ihn hervorgerufen hat, wieder in geordnete Bahnen lenken will. Während in der attischen Demokratie versucht wurde, das Stimmengewirr architektonisch zu beherrschen, ist es in der Moderne vor allem die Pädagogik, welche das Einvernehmen in die Körper und Herzen der Staatsbürger einschreiben und die Macht der Sprache zähmen soll. Dass ihr das nicht abschließend gelingen kann und sich der Lärm immer wieder Gehör verschafft, ist das demokratische Paradox, welches Regierungen ebenso beunruhigt wie die politische Philosophie. Das ist der Einsatzpunkt des Beitrags, der zu zeigen versucht, was passiert, wenn die Vielstimmigkeit plötzlich anhebt, Mehrdeutigkeiten für Überraschungen sorgen und Orte, die dafür eigentlich nicht vorgesehen sind, zu politischen Bühnen werden, auf denen sich Leute treffen, die sich eigentlich nichts zu sagen haben. Weiterlesen