InDebate: Kierkegaard und Nietzsche oder: die Angst des Kriegers vor dem Guten

Polednitschek

Thomas Polednitschek

Frei ist, wer Krieger ist. So ist es in Nietzsches ‚Götzen-Dämmerung‘ zu lesen: „Der freie Mensch ist Krieger.“[1]. Aber als Philosophischer Praktiker weiß ich: Der Krieger einer von Nietzsche imprägnierten Spätmoderne ist keinesfalls frei. Er erliegt der Illusion, ein freier Mensch zu sein, weil er nicht von der Kierkegaard’schen Angst vor dem Bösen gequält wird. Er hat diese Angst hinter sich gelassen, indem er sich von seinem repressiven Über-Ich befreit und sein Gewissen auch gleich mit »entsorgt« hat. Beispiel ist der Immobilienbesitzer, der seine unerwünschten Mieter in ihren Wohnungen solange schikaniert, bis sie freiwillig ausziehen, damit er die Wohnungen der oft langjährigen Mieter in profitablere Eigentumswohnungen umwandeln kann. Moralität hält dieser Krieger des entfesselten Finanzkapitalismus unserer Tage eher für einen humanen Schwächeanfall. Der Krieger ist der von seiner betriebswirtschaftlichen Rationalität korrumpierte homo oeconomicus. Er missachtet sämtliche Verkehrsregeln im Straßenverkehr, wenn dies für ihn selbst von Nutzen ist. Sein »Markenzeichen« ist, dass er sich am Kältepol (Beuys) des Denkens bewegt. Weiterlesen

Pro und Contra: Lässt sich heute noch sinnvoll vom Subjekt reden?

Pro: Peter Zima

Die Etymologie des Wortes hypokeimenon / subiectum, das sowohl „Zugrundeliegendes“ als auch „Unterworfenes“ bedeuten kann, lässt die Vermutung aufkommen, dass auch dem Begriff diese Ambivalenz anhaftet. Diese Ambivalenz macht sich im interdisziplinären Kontext bemerkbar, wenn das Subjekt-Problem aus philosophischer, soziologischer, semiotischer und psychologischer Sicht betrachtet wird, wobei es es als zugleich determiniert und autonom, heterogen und homogen in den Blick kommt. Weiterlesen

Philosophie am Kröpcke: Haben Sie eine Seele? (Teil 2)

Hannover, Kröpcke-Uhr

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die im Institut erforscht werden, hält und weiß. Pünktlich zu jeder Ausgabe des fiph Journals führen wir dementsprechend eine streng wissenschaftlich kontrollierte Studie durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Digitalkamera und Aufnahmegerät bewaffnet, und stellen allen Passanten, die uns über den Weg laufen, dieselbe Frage, auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie. Dieses Mal wollten wir wissen „Haben Sie eine Seele?“. Auszüge aus den profunden Antworten lesen Sie hier … Weiterlesen

Philosophie am Kröpcke: Haben Sie eine Seele? (Teil 1)

Hannover, Kröpcke-Uhr

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die im Institut erforscht werden, hält und weiß. Pünktlich zu jeder Ausgabe des fiph Journals führen wir dementsprechend eine streng wissenschaftlich kontrollierte Studie durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Digitalkamera und Aufnahmegerät bewaffnet, und stellen allen Passanten, die uns über den Weg laufen, dieselbe Frage, auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie. Dieses Mal wollten wir wissen „Haben Sie eine Seele?“. Auszüge aus den profunden Antworten lesen Sie hier … Weiterlesen