Schwerpunktbeitrag: The border as an interface – ethical-political perspectives after Auschwitz

Jürgen Manemann

It all started with the borders opening

4 September 2015: The refugee situation in Budapest worsens dramatically. The government holds talks. The photographs of the lifeless three-year-old boy on a Turkish beach on 2 September, and the 71 bodies on the A4 motorway in Austria, sway the public perception of the situation.

5 September 2015: Shortly after midnight, the border to Germany is opened to refugees. Every day, almost 10,000 refugees arrive at the main station in Munich alone. The numbers are rising. Germany and the European Union are overwhelmed by the situation. Thousands of Germans provide spontaneous support. Within a few days, a civil-society movement has arisen to help the refugees.[1] The Christian churches offer emergency aid and accommodation. Weiterlesen

InDebate: Flüchtlingskrise: die Erfahrung der Unbehaustheit

Ferdinand Fellmann

Ferdinand Fellmann

Die Flüchtlingskrise beschäftigt auf verschiedenen Ebenen die Politik, die mit allen Mitteln versucht, die Probleme in den Griff zu bekommen und soziales Gleichgewicht zu schaffen. Begleitet wird die Politik von Bürgerbewegungen gegen Fremdenfeindlichkeit und Aufrufen zur Solidarität und Menschlichkeit. Auf seine Willkommenskultur kann Europa stolz sein. Auch die moralischen Reflexionen über die Pflicht zur Hilfe für Menschen in Not sind eindrucksvoll. Allerdings gibt es eine Dimension, die von Philosophen nicht oder nur marginal erfasst wird. Daher ist es angezeigt, nach anthropologischen Argumenten Ausschau zu halten, die uns tiefere Einblicke in die Mechanismen der Integration von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen verschaffen. Dafür bieten sich die Schriftsteller an. Allerdings nicht diejenigen, die sich mit vorschnellen Äußerungen an die Öffentlichkeit wenden, sondern eher Klassiker, die gleichwohl hoch aktuell sind. Dazu zählt Thornton Wilder mit seinem Schauspiel Wir sind noch einmal davongekommen aus dem Jahre 1941. Weiterlesen

InDebate: Willkommen, aber unerwünscht. Die Kämpfe der Geflüchteten um Menschenrechte und Menschenwürde

Ein Interview mit Maissara Saeed, Refugee-Aktivist in Hannover
(englische Fassung siehe unten)

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Maissara Saeed, Yoko Arisaka, Jeanette Ehrmann, Michael Thomas

Maissara Saeed flüchtete 2010 von Omdurman in Sudan nach Deutschland, wo er politisches Asyl beantragte. 2012 erhielt er eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. In Sudan hat Maissara Saeed an der Universität Khartum einen Bachelor-Abschluss in medizinisch-technischer Laborassistenz und in klinischer Chemie erworben. Anschließend arbeitete er als medizinisch-technischer Assistent in verschiedenen Krankenhäusern in Omdurman sowie als Berater für soziale Arbeit im Bereich Kindergesundheit. Er war als Mediator für HIV-positive MigrantInnen am Ethno-Medizinischen Zentrum Hannover tätig und hat auf internationalen Konferenzen zahlreiche Vorträge zu den Themen Public Health und soziale Arbeit gehalten. Maissara Saeed ist Mitbegründer von drei NGOs: AFRIDE. AfrikanerInnen in Deutschland, The German Sudanese Association for Development und Al Bait Al Sudani Association. Zurzeit ist Maissara Saeed am Aufbau einer selbstorganisierten Empowerment-Gruppe von geflüchteten Menschen beteiligt.

Maissara, wie war Ihr erster Eindruck, als Sie in Deutschland angekommen sind?

Ich habe Sudan im Juni 2010 wegen der untragbaren Sicherheitslage und der politischen Instabilität des Landes verlassen. Ich flüchtete über Ägypten und Österreich und kam im August 2010 in Deutschland an. Weiterlesen