Pro und contra: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

Pro: Frank Adloff: Philosophy meets sociology oder wie man das richtige Leben im falschen findet

bildfrankadloff

Eine Soziologin wird sich in der Regel nicht für zuständig erklären, wenn man sie fragt, ob es ein richtiges Leben im falschen gibt. Natürlich hat die kritische Theorie versucht, diese Frage zu beantworten (die Fragestellung dieses Blogeintrags ist ja auch Adorno geschuldet), doch folgen die meisten Soziologinnen und Soziologen heute Max Webers Empfehlung, kein Urteil darüber abzugeben, ob Lebensformen es wert sind, verwirklicht zu werden oder nicht. Dies hat zuletzt dazu geführt, nicht mehr eine kritische Soziologie, sondern eine Soziologie der Kritik (Boltanski) zu betreiben – also eine Soziologie, die gesellschaftliche Akteure dabei beobachtet, wie diese Institutionen, Sachverhalte, Verhaltensweisen usw. kritisieren. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Thomas von Aquin über Freiheit und Abhängigkeit

Günther Mensching

Die Epoche vom Ende des weströmischen Reiches bis zur Reformation gilt gemeinhin als das Zeitalter der persönlichen Abhängigkeit, der wohlabgestuften Hierarchien und Gefolgschaften. Das Verhältnis von Theologie und Philosophie des Mittelalters scheint diese Ordnung zu spiegeln, wurde doch die Philosophie als Magd der Theologie bezeichnet. Von der Etablierung der Grundherrschaft unter den Karolingern bis zu den Zünften in den Städten des Hoch- und Spätmittelalters ist der Begriff der Freiheit in der Tat nicht im modernen Sinne gebräuchlich gewesen. Vielmehr bezeichnet er, im Plural verwendet, eher Privilegien, die in der mittelalterlichen Gesellschaft konstitutive Bedeutung für die Verhältnisse der Menschen untereinander hatten. Rechte und Freiheiten wurden hoheitlich verliehen und waren nicht allgemeines und gleiches Gesetz. Weiterlesen