Pro und contra: Gibt es ein richtiges Leben im falschen?

Pro: Frank Adloff: Philosophy meets sociology oder wie man das richtige Leben im falschen findet

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Eine Soziologin wird sich in der Regel nicht für zuständig erklären, wenn man sie fragt, ob es ein richtiges Leben im falschen gibt. Natürlich hat die kritische Theorie versucht, diese Frage zu beantworten (die Fragestellung dieses Blogeintrags ist ja auch Adorno geschuldet), doch folgen die meisten Soziologinnen und Soziologen heute Max Webers Empfehlung, kein Urteil darüber abzugeben, ob Lebensformen es wert sind, verwirklicht zu werden oder nicht. Dies hat zuletzt dazu geführt, nicht mehr eine kritische Soziologie, sondern eine Soziologie der Kritik (Boltanski) zu betreiben – also eine Soziologie, die gesellschaftliche Akteure dabei beobachtet, wie diese Institutionen, Sachverhalte, Verhaltensweisen usw. kritisieren. Weiterlesen

InDebate: Plädoyer für eine aktivierende christliche Politikethik – Zur gegenwärtigen Herausforderung christlicher Sozialethik

Jürgen Manemann

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presidencia.gov.ar [CC-BY-SA-2.0 (https://creativecommons.
org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Ein Gespräch, das die „ZEIT“ mit Julie Coudry, einer der wichtigsten Anführerinnen der Studentenproteste in Frankreich im Jahre 2006, und Florian Lux, einem Studenten aus Heidelberg, führte, endet mit folgenden Sätzen:

„ZEIT: Welche Träume haben Sie beide?
Coudry: Keine Träume, keine Idole.
Lux: Große, generelle Träume? Nein, keine.
ZEIT: Gar keine? Anders gefragt: Wie wollen Sie in zehn Jahren leben?
Lux: Wenn ich das wüsste.
Coudry: Das ist ja das Schicksal unserer Generation: Wir wissen das nicht mehr.“

Keine Träume, keine Wünsche, keine Visionen – jeglicher Möglichkeitssinn scheint abhanden gekommen zu sein. Weiterlesen

Pro und Contra: Ist das gute Leben ein öffentliches Thema?

pro: Ursula Wolf

Die Frage spielt auf das moderne liberale Selbstverständnis an, wonach das gute Leben Privatsache ist. In der moralphilosophischen Debatte redet man vom Vorrang des Richtigen vor dem Guten, eine Auffassung, die sich auf Kant zurückführen lässt. Kant schreibt moralischen Pflichten einen vernünftig begründeten kategorischen Forderungscharakter zu, während er Ratschläge des Glücks als hypothetische Imperative versteht, die sich relativ zum Ziel des guten Lebens ergeben. Auch wenn es sich beim eigenen Glück um ein Ziel handelt, dessen Suche man bei allen Menschen unterstellen könne, so bestehe dieses doch für verschiedene Menschen in inhaltlich verschiedenen Konzeptionen, die eine Sache subjektiver Vorlieben sind, über die sich nicht argumentieren lässt, womit das gute Leben kein öffentliches Thema sein kann. Weiterlesen

InDebate: Wie sieht ein Leben aus, das den Menschen nicht unter sein eigenes humanes Niveau drückt?

Liebe Blogger-Freundinnen und -Freunde,

im Juli möchten wir mit Euch ein Experiment wagen. Wir möchten herausfinden, welches philosophische Potenzial in der kollektiven Intelligenz (Schwarmintelligenz) steckt. Jede Woche wird es eine Frage geben. Bitte schreibt zu dieser Frage ein eigenes Statement und versucht, dieses Statement mit anderen Statements zu verbinden, zu korrigieren, zu überarbeiten, weiterzuschreiben etc. Vielleicht entsteht am Ende ein einziges Statement, verfasst von einem AutorInnen-Kollektiv. Die Frage für diese Woche lautet:

„Wie sieht ein Leben aus, das den Menschen nicht unter sein eigenes humanes Niveau drückt?“ (T. Polednitschek)