Schwerpunktbeitrag: Das Problem Europa. Überlegungen mit Friedrich Nietzsche[1]

Paul Stephan

I. Zu fremden Sternen

Auf die Frage, wohin Europa strebt, gibt der Philosoph Friedrich Nietzsche eine überraschende wie provokante Antwort:

„Ich höre mit Vergnügen, dass unsre Sonne in rascher Bewegung gegen das Sternbild des Herkules hin begriffen ist: und ich hoffe, dass der Mensch auf dieser Erde es darin der Sonne gleich thut. Und wir voran, wir guten Europäer!“[2]

Zugegebenermaßen ist hier nicht von Europa, sondern von der Menschheit insgesamt die Rede – doch die „guten Europäer“ sollen bei diesem gewaltigen Dezentrierungsunternehmen die Rolle einer Avantgarde einnehmen. Das Unheimliche an dieser Stelle ist, dass mit einer Bewegung der Sonne hin zu einem anderen Sternbild ihr eigener Untergang verbunden wäre und mit dem ihren auch derjenige der Erde. Sollen die „guten Europäer“ die Menschheit in den Untergang führen? Weiterlesen

InDebate: Absolute Helden? Anmerkungen zum „aggressiven Humanismus“

: CC by Rasande Tyskar Schwabinggrad Ballett - place of inequitable solutions II via Flickr

CC by Rasande Tyskar Schwabinggrad Ballett – place of inequitable solutions II via Flickr

Ana Honnacker

„Alle fragen sich: wie kann ich noch schöner werden?
Aber keiner fragt sich: für wen?
alle klagen ständig über Burn Out- Beschwerden
doch nach Hause will keiner gehn
Ich hab nen neuen Anzug, neues Auto – und die alten Probleme
was ich jetzt brauche, sind bequeme
Überlebensstrategien für das dritte Jahrtausend.“ [1]

Was Farin Urlaub hier ironisch herbeisehnt, darauf lässt sich nur noch mit einer gehörigen Portion Ignoranz hoffen: Die Zeit der Bequemlichkeit ist vorbei. Ein einfache Fortsetzung des Gewohnten stellt keine angemessene Antwort auf die vielgesichtigen und komplexen Krisen unserer Gegenwart dar. Die Einsicht, dass wir unsere Komfortzone verlassen müssen und es neue, alternative Formen des Zusammen- und Miteinanderlebens braucht, mündet auch in einem Nachdenken über das, was es heißt, menschlich zu sein und menschlich zu handeln. Weiterlesen