Schwerpunktbeitrag: Einige Erwägungen, warum Philosophie (nicht nur heute) interkulturell ist und sein muss

Mall Foto

Ram A. Mall

„Ich habe oft betont: Die westliche Philosophie (mutatis mutandis gilt dies für alle Philosophien, Vf.) kann sich nicht endlos nur innerhalb ihrer eigenen Tradition bewegen, ohne provinziell zu werden.“
Mircea Eliade

1. Schon das Kompositum „außereuropäische Philosophie“ verrät ein langlebiges Vorurteil, als stünde das Kompositum „europäische Philosophie“ im Zentrum und stellte das eine allgemeingültige universelle tertium comparationis dar. Will Philosophie sich nicht provinzialisieren (was sie in der Tat nicht wollen kann und soll), so muss sie sich „inter-kulturalisieren“, ob dies nun im ‚engeren’ Sinne intra-kulturell oder im weiteren Sinne interkulturell geschieht, also zwischen Platon und Epikur, Descartes und Hume, Hegel und Schopenhauer, Habermas und Lyotard, Nagarjuna und Shankara, Lao Tzu und Konfuzius oder im ‚weiteren’ Sinne inter-kulturell zwischen Platon und Vedanta Philosophie, Nagarjuna und Hume geschieht. Denn es sind stets unterschiedliche Kulturen der Philosophie, die sich da begegnen. Schopenhauer fühlt sich der Lehre Buddhas näher als der Hegels. Weiterlesen

InDebate: Transkulturelle Dynamik und hybride Modernisierung in der Philosophie

Heubel Bild

Fabian Heubel

Seit vielen Jahren arbeite ich im Kontext chinesischsprachiger Gegenwartsphilosophie. Die daraus erwachsenden Erfahrungen stehen in schroffem Kontrast zu dem, was sich in der deutschsprachigen Philosophie beobachten läßt. In dieser ist das Interesse, ja selbst die Neugier für philosophische Entwicklungen außerhalb des anglo-europäischen Rahmens nach wie vor erstaunlich – um nicht zu sagen: schockierend – gering; zu schweigen von der breiten institutionellen Verankerung von Forschung und Lehre in diesem Bereich. In China hingegen ist akademische Philosophie, seit ihrer institutionellen Herausbildung im frühen 20. Jahrhundert, prinzipiell interkulturell strukturiert. Damit ist zunächst gemeint, dass philosophische – und nicht nur philosophische – Reflexion auf den von schweren Krisen und Kulturbrüchen begleiteten Weg der chinesischen Modernisierung ohne dauerhafte und tiefgreifende Interaktion mit westlicher Philosophie nicht möglich gewesen wäre. Philosophie musste interkulturell werden, um intellektuell auf die aus dem Westen kommende Herausforderung reagieren zu können; sie konnte gar nicht anders als auf dem Wege einer breit angelegten und geduldigen Rezeption und Transformation westlicher Theorien und Terminologien eine neue philosophische Sprache zu schaffen. Weiterlesen

InDebate: Was sollte heute Moderne heißen?

Portraitfoto-2_BSaal

Britta Saal

Was sollte heute Moderne heißen?

Dieser Frage möchte ich im Folgenden aus einem interkulturell und postkolonial geprägten philosophischen Blickwinkel nachgehen. Vorausgeschickt sei ein Zitat Stuart Halls, dem jüngst verstorbenen jamaikanischen Begründer der Cultural Studies, das als Sinnbild für die modernen Machtverhältnisse sehr deutlich die interkulturelle und koloniale Dimension der Moderne gleichermaßen zum Ausdruck bringt:

Weiterlesen