InDebate: Verachtung als Politik. Zum Grundsatzprogramm der Alternative für Deutschland

Hervorgehoben

Björn Freter

Die Alternative für Deutschland sieht in ihrem Grundsatzprogramm den »sozialen Frieden und den Fortbestand der Nation als kulturelle[r] Einheit« bedroht. Die »Ideologie des Multikulturalismus«, heißt es, stelle »importierte kulturelle Strömungen« und »einheimische Kultur« gleich. Gleichbewertung des ›Einheimischen‹ und des ›Imports‹ bedeutet, im Verständnis der AfD, de facto die Abwertung deutscher Kultur. Die AfD eröffnet damit eine scharfe Trennung zwischen dem offenkundig wertvollen Eigenen und dem offenkundig weniger wertvollen Anderen, das, wenn es dem Eigenen nur zu nahekommt, dieses wertvolle Eigene verdirbt. Dieses Zu-nahe-Kommen ist wichtig. Was das Fremde in der Fremde eigentlich ist, ist ganz uninteressant. Von Bedeutung wird das Fremde erst und nur durch seine bedrohliche Nähe zum Eigenen. Das Fremde kommt dabei als das, was es selbst ist, überhaupt nicht in den Blick. Das hat eine merkwürdige Konsequenz. Das Fremde wird nicht als das, was es ist, abgelehnt, sondern als das, was es nicht ist, nämlich: nicht das Eigene. Das aber bedeutet: Das Fremde wird verachtet. Verachtung bedeutet eine Abwertung des Anderen auf Grund seines Andersseins. Weiterlesen

Pro und contra: Burkaverbot – ja oder nein?

Hirn Foto

Pro: Lisz Hirn

In der aktuellen Diskussion rund um das Thema Burkaverbot werden zweifelsohne viele Argumente gegen eine gezielte Verhüllung des weiblichen Körpers ins Feld geführt. Im Folgenden beziehe ich mich ausschließlich auf das Verbot zur Ganzkörper- bzw. Gesichtsverschleierung und nicht auf den Hijab. So zeige diese angeblich die Ungleichheit von Mann und Frau und sei ferner ein Mittel zur Unterdrückung der Letzteren sowie das Symbol eines zutiefst konservativ geprägten, politischen Islams. Da der Koran kein (eindeutiges) Verschleierungsgebot für Frauen ausspricht, gibt es auch für die Burka keinerlei religiöse Legitimation. Worum geht es also in der Debatte um die Burka? Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: „We love death“ – Jihadism and nihilism

Manemann, Foto

Jürgen Manemann

Something goes wrong…
Welcome to my world
full of hate and blood
I am writing lines for my kids with blood
In a world nobody knows what the day to come brings
Children’s souls cry quietly when the Black angel sings

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Schwerpunktbeitrag: Philosophie im subsaharischen Afrika

Graneß_Anke

Anke Graneß

Afrika ist der zweitgrößte Kontinent der Erde. Seine kulturelle, ethnische, sprachliche und religiöse Pluralität sucht ihresgleichen. Neben den beiden großen Religionen Islam und Christentum gibt es eine Vielzahl an traditionellen Religionen und damit verbundenen Wert- und Normvorstellungen. Diese (oft vergessenen) Fakten sollen verdeutlichen, dass wir, wenn wir uns dieser Region zuwenden, eine sehr große Pluralität an philosophischen Traditionen erwarten sollten – und nicht eine einzige, unwandelbare afrikanische Philosophie. Weiterlesen

InDebate: Können Kulturen kämpfen?

 Hirn Foto

Lisz Hirn

Beweisen die weltweiten Attentate und Anschläge terroristischer Gruppen, dass wir uns schon mitten in einem „Kampf der Kulturen“ befinden? In seinem kontrovers diskutierten Buch argumentiert Samuel P. Huntington gegen die Vorstellung einer einheitlichen „Weltkultur“. Er geht davon aus, dass sich Konflikte zwischen den Zivilisationen zunehmend verschärfen werden. Viele seiner Prognosen haben sich bewahrheitet. Aber heißt das gleichzeitig, dass wir nun Huntingtons Weltbild übernehmen können?

Erinnern wir uns nochmal an eines der Ereignisse, das Anfang des Jahres 2015 für Aufsehen gesorgt hat. Zwölf Menschen werden im Januar bei einem Terror­anschlag auf die Redaktion des Magazins „Charlie Hebdo“ ermordet. Einmal mehr wird klar, dass Terror keine europäischen Grenzen kennt. Ein Aufschrei geht durch die westliche Zivilisation, man nimmt sich an den Händen und präsentiert eine zivilisatorische Einheit wie schon lange nicht mehr. Alle sind plötzlich Charlie, selbst die, die Charlie einen Tag vor dem Anschlag gar nicht kannten. Allerdings bleibt unklar, von wem eigentlich die Bedrohung ausgeht. Weiterlesen