Pro und contra: Kann man die Umwelt als politisches Subjekt denken?

Janicka_Iwona - Pendant

Contra: Kotti Everdene

Kann man die Umwelt als politisches Subjekt denken? Ich denke nicht. Mit dieser Einschätzung reagiere ich direkt auf die neuste Tendenz neomaterialistischer Philosophie und deren Implikationen für praktisch orientierte Individuen. Vor allem Forscher*innen, die sich posthumanistischer und neomaterialistischer Philosophie verschrieben haben, versuchen im Moment, den Begriff der Politik neu zu denken, indem sie sich auf Denker wie Gilles Deleuze, Felix Guattari, Henri Bergson, Maurice Merleau-Ponty, Friedrich Nietzsche oder Jakob von Uexküll beziehen. Sie wollen das Denken über Politik auf einer anderen Sprache und einem anderen Denkbild fußen und nehmen an, dass diese Neukonzeptualisierung direkt zu einer anderen politischen Praxis führt. Wie interessant und wertvoll diese Beiträge auch sein mögen, zur Debatte steht, ob es wirklich Politik ist, über die diese gegenwärtigen materialistischen Philosoph*innen nachdenken. Weiterlesen

InDebate: Ein Plädoyer für eine nicht-anthropozentrische Philosophie

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Iwona Janicka

In den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren ist eine bedeutsame Verschiebung in der Philosophie zu beobachten, in der unsere Beziehung zur Außenwelt radikal überdacht wird. Ein neuer Begriff „Neo-Materialismus“ oder „Neuer Materialismus“ wurde ins Leben gerufen, um diese philosophische Verschiebung in Richtung Materie oder so genannten „non-humans“ (der Umwelt, der Tiere, der Pflanzen, der Technologie, der künstlichen Intelligenz, der Maschinen) zu bezeichnen. Philosophen und Geisteswissenschaftler wie zum Beispiel Donna Haraway, Manuel De Landa, Karen Barad, Rosi Bradotti, Jane Bennett, Bill Brown, Bruno Latour sind einige der wichtigsten Denker, die die zentrale Stellung menschlicher Wesen in der Philosophie des Abendlandes problematisieren. Warum ist diese Problematisierung wichtig und warum findet sie jetzt statt? Weiterlesen