InDebate: Der Philosophenkönig Peter Sloterdijk. Zum aktuellen Philosophenstreit

Peter Sloterdijk By Rainer Lück https://1RL.de - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7325682

Peter Sloterdijk
By Rainer Lück https://1RL.de – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7325682

Jürgen Manemann

Der Philosoph Peter Sloterdijk sieht seine Zeit gekommen. Der Denker in dürftiger Zeit schaltet sich in die große Politik ein und fordert nichts weniger als eine Revolution. Schon seit geraumer Zeit hält er Ausschau nach einer „neue(n) Generation von Politikern“, die sich mit visionären Antrieben aufladen, um „große Politik“ zu machen. Mit der Alternative für Deutschland (AfD) scheint der Kairos da zu sein. „Große Politik“ basiere auf dem Gespür für die Macht des Schicksals. Sloterdijk, der Seher, experimentiert damit, Stifter oder Medium einer gegenreligiösen Weltanschauung zu sein. Und nicht nur das: Er versteht seine Philosophie als einen Beitrag zu einer „Loskettungspraxis“, und derjenige, der Ketten löse, sei der Erlöser. Weiterlesen

InDebate: Die Endlagersuche und das Gemeinwohl. Eine politikethische Erörterung

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Jürgen Manemann

Kurzvortrag auf der Anhörung „Rückholung/Rückholbarkeit hoch radioaktiver Abfälle aus einem Endlager, Reversibilität von Entscheidungen“; Berlin, 02.10.2015 (Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe gemäß § 3 Standortauswahlgesetz)

 

Ausgangsfrage: Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht für Elemente der Rückholbarkeit und Reversibilität, welche sprechen dagegen? Wie sehen Sie die Priorisierung hinsichtlich Sicherheit bzw. Rückholbarkeit?

Das spezifische Problem der Endlagerfrage besteht in der Langfristigkeit der Zeithorizonte. Sie überfordert unser Vorstellungsvermögen. Mit dieser Langfristigkeit haben weder Politik noch Ethik bisher umgehen müssen. Man erinnere sich nur daran, dass der Homo sapiens sich erst vor ca. 200 000 Jahren entwickelte und dass der homo sapiens sapiens erst seit ca. 100 000 Jahren existiert. Zu den ältesten Bauwerken gehören die Pyramiden von Gizeh. Sie wurden vor 4500 Jahren gebaut. Weiterlesen

InDebate: Was ist das – das Anthropozän?

Johannes Frisch - Aus der Menschenheimath. Vierter Brief. Die Vulkane in Die Gartenlaube, 1853 ("The Garden Arbor"), S. 36-38  (https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ADie_Gartenlaube_(1853)_b_037.jpg)

Johannes Frisch – Aus der Menschenheimath. Vierter Brief. Die Vulkane in Die Gartenlaube, 1853 („The Garden Arbor“), S. 36-38 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3A Die_Gartenlaube_(1853)_b_037.jpg)

Jürgen Manemann

Was ist das – das Anthropozän? Zunächst einmal ein Begriff. Wir benötigen Begriffe, um zu Erkenntnissen zu gelangen. Begriffe führen uns aber nicht automatisch zur Erkenntnis. Sie können sogar von ihr wegführen. Es bedarf Begriffe, die, wie Theodor W. Adorno fordert, das auf den Begriff Gebrachte – das Begrifflose – hervortreten lassen, ohne es dem Begriff gleichzumachen. Das bedeutet, dass wir uns „die Begriffe nicht mehr nur schenken lassen, sie nicht nur reinigen und aufhellen, sondern sie allererst machen, schaffen, hinstellen (…).“ Begriffe müssen also „erfunden, hergestellt oder vielmehr erschaffen werden“ (G. Deleuze/F. Guattari, 10). Es gibt Begriffe, die willkürlich sind, haltlos, und es gibt Begriffe, die triftig sind. Es gibt Begriffe, denen wir vertrauen, und solche, denen wir misstrauen. Aber: Es gibt keinen einfachen Begriff. Gilles Deleuze und Félix Guattari bringen es auf den Punkt: Jeder Begriff ist eine Mannigfaltigkeit. Er besitzt nicht nur eine Komponente, sondern mehrere. Mannigfaltig sind Begriffe nicht zuletzt deshalb, weil sie eine Geschichte haben. Weiterlesen

InDebate: Pegida ist eine anti-politische Bewegung!

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Jürgen Manemann

Auf der politischen Ebene lässt sich so etwas wie eine Rückkehr zur Politik ausmachen. Der Souverän, Bürgerinnen und Bürger, melden sich zurück. Man denke etwa an die überraschende Bürgerbewegung „Stuttgart 21“ oder die Occupy-Bewegung. Selbst wenn es sich hier nur um vorübergehende Erscheinungen handeln sollte, so kann das politische Signal, das von ihnen ausgegangen ist, nicht mehr geleugnet werden.

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