InDebate: Liebe als Gerechtigkeit

Graffiti im Soziokulturellen Zentrum Trotz Allem in Witten: Die Liebe stirbt nie 2013. Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ATrotz_Allem_Graffiti_Liebe.jpg

Graffiti im Soziokulturellen Zentrum Trotz Allem in Witten: Die Liebe stirbt nie 2013. Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ATrotz_Allem_Graffiti_Liebe.jpg

Dominik Hammer/Jürgen Manemann

Sozialethiker sehen ihre Aufgabe bekanntlich darin, sich mit der Gestaltung gesellschaftlicher Institutionen und Rahmenbedingungen im Hinblick auf ein Mehr an Gerechtigkeit zu befassen. Dabei verstehen sie das Soziale aber oft als ein objektives Gebilde, dessen Formen von den einzelnen Menschen letztlich unabhängig sind. Genau hier lauern Gefahren: Weiterlesen

Pro und contra: Eine Therapie-Robbe für demenzkranke Menschen?

Foto Friesacher

Pro: Heiner Friesacher

Modernes Leben ist ohne Technik nicht vorstellbar und nicht mehr realisierbar. Das betrifft natürlich auch das Gesundheitssystem und damit auch die Pflege. Technische Innovationen haben ohne Zweifel zur Lebensverbesserung von Patienten/innen und Bewohnern/innen beigetragen (denken wir z.B. an Gehhilfen und Rollstühle, an elektronische Kommunikationsmedien und Notrufsysteme), bergen aber auch Risiken und Gefahren. Es kommt in technikintensiven Arbeitsbereichen schnell zur Verschiebung der Aufmerksamkeit weg von den Menschen und hin zu den technischen Systemen. Weiterlesen

InDebate: „Wie bitte geht Gerechtigkeit?“ – Zum 4. Festival der Philosophie Hannover

Layout 1

Jürgen Manemann

Das Thema des 4. Festivals der Philosophie lautet „Wie bitte geht Gerechtigkeit?“. Es wird bewusst nicht gefragt: „Was ist das – die Gerechtigkeit?“. Auf dem Festival soll nämlich nicht distanziert und abstrakt über Gerechtigkeit gesprochen werden. Wenn wir abstrakt von der Gerechtigkeit sprechen, geht jede konkrete Verantwortung unter. Wir müssen also die Frage so stellen, dass uns das, wonach wir fragen, so trifft, dass es uns betrifft. Deshalb fragen wir: „Wie bitte geht Gerechtigkeit?“. Weiterlesen

InDebate: Plädoyer für eine aktivierende christliche Politikethik – Zur gegenwärtigen Herausforderung christlicher Sozialethik

Jürgen Manemann

Pope_Francis_in_March_2013_(cropped) (2)
Pope_Francis_in_March_2013_(cropped)
presidencia.gov.ar [CC-BY-SA-2.0 (https://creativecommons.
org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Ein Gespräch, das die „ZEIT“ mit Julie Coudry, einer der wichtigsten Anführerinnen der Studentenproteste in Frankreich im Jahre 2006, und Florian Lux, einem Studenten aus Heidelberg, führte, endet mit folgenden Sätzen:

„ZEIT: Welche Träume haben Sie beide?
Coudry: Keine Träume, keine Idole.
Lux: Große, generelle Träume? Nein, keine.
ZEIT: Gar keine? Anders gefragt: Wie wollen Sie in zehn Jahren leben?
Lux: Wenn ich das wüsste.
Coudry: Das ist ja das Schicksal unserer Generation: Wir wissen das nicht mehr.“

Keine Träume, keine Wünsche, keine Visionen – jeglicher Möglichkeitssinn scheint abhanden gekommen zu sein. Weiterlesen

InDebate: Darf sich Kunst alles erlauben?

Dominik Hammer/Jürgen Manemann

 

Kunstfreiheit ist ein Grundrecht. Daher darf sich die Kunst, rechtlich betrachtet, (fast) alles erlauben.  Von der Kunstfreiheit geschützt wird jede Äußerung, die sich unter den sogenannten „offenen Kunstbegriff“ fassen lässt. Dieser sieht das Merkmal der Kunst darin, dass Kunst das ist, was der Künstler als Kunst bezeichnet. Kunst muss aber auch einer fortgesetzten Interpretation zugänglich sein und darf sich nicht auf schnell verständliche, eindeutige Aussagen beschränken. Nicht nur die Freiheit der Kunst wird also weit gefasst, sondern auch der Kunstbegriff. Und das ist gut so. Kunst lebt von ihrer radikalen, für Bürgerinnen und Bürger oft schwer erträglichen Freiheit. Sie muss über die Maße provokant sein dürfen. Weiterlesen

Indebate: Liquid Democracy? – Ein kritischer Diskussionsbeitrag

Gezi Park Library – Taksim Platz, Istanbul
By Akinranbu (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
URL: https://commons.wikimedia.org/
wiki/File%3AGezi902.jpg

Jürgen Manemann

Viele Zeitgenossen, insbesondere Vertreter*innen und Anhänger*innen der Piratenpartei, sehen die neue Herausforderung der Politik in einem „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (J. Habermas). Die Netzgemeinde ist für sie der Ort, an dem Politik betrieben und entschieden wird. Die Revolutionierung der Politik besteht für sie in der Digitalisierung der Politik. Angestrebt wird eine Revolutionierung der Demokratie: die Transformation einer repräsentativen Demokratie in eine liquid democracy [(ver-)flüssig(t)e Demokratie]. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Politik und Liebe

Ein Beitrag zur Präsentation und Diskussion von Jürgen Manemanns Buch „Wie wir gut zusammen leben. 11 Thesen für eine Rückkehr zur Politik“ (Patmos 2013) im Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

Hans Asbeck

In seinem Buch „Wie wir gut zusammen leben. 11 Thesen für eine Rückkehr zur Politik“ bindet Jürgen Manemann Politik an unser „vorpolitisches“ Leben. Dies gipfelt darin, dass geradezu Liebe politisches Handeln begründen soll. Hier möchte ich ansetzen, wobei meine kritischen Bemerkungen vielleicht mehr als ein Einfordern von Vertiefung und Ergänzung zu verstehen sind.
Problematisch scheint mir, dass Manemann das Verhältnis von Liebe zu Politik so versteht, dass erstere gewissermaßen als Vorschule politisch umzusetzenden Mitleids erscheint (Hervorhebungen von mir): Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Zwischen Tragik und Hoffnung – Die Philosophie von Cornel West

Jürgen Manemann

Cornel West Esther, Wikimedia Commons, lizenziert unter CreativeCommons-Lizenz by-sa-2.0-de,  URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/ File:Cornel_West_Utah_2008.jpg?uselang=de

Cornel West
Esther, Wikimedia Commons, lizenziert unter CreativeCommons-Lizenz by-sa-2.0-de,
URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/
File:Cornel_West_Utah_2008.jpg?uselang=de

 

„I’m just trying to make some sense of the world, and love folks before I die.“ In dieser Äußerung des US-amerikanischen Philosophen Cornel West ist brennpunktartig die Programmatik seiner Philosophie zusammengefasst. Prophetischer Pragmatismus zielt darauf ab, Philosophie wieder radikal an die Existenz zurückzubinden. Wests philosophische Leitfrage lautet: Was ist ein humanes Leben? Die Frage verhält sich kontrafaktisch zur bestehenden spätmodernen Gesellschaft. Weiterlesen