Schwerpunktbeitrag: Der letzte Universalismus. Kontingenz, Konflikt und normative Demokratietheorie*

Karsten Schubert

Die Debatte um die politische Differenz stellt Kontingenz und Konfliktualität als fundamentale Eigenschaften des Politischen heraus. Dies stellt die postfundamentalistische Demokratietheorie, die auf Augenhöhe mit dieser Debatte argumentieren will, vor ein Problem: Durch die Kontingentsetzung aller normativen Begründungen ist zunächst unklar, welche Art von demokratischen Institutionen wie begründet werden kann, und sogar, ob es überhaupt eine von der postfundamentalistischen Sozialontologie ausgehend argumentierende normative Begründung für demokratische Institutionen geben kann. Meine These ist, dass Freiheit, verstanden als kontinuierliche selbstreflexive Kritik, derjenige normative Begriff ist, der sich aus der Sozialontologie von Konflikt und Kontingenz herleiten lässt. Anders gesagt: Freiheit als Kritik ist derjenige Universalismus, der sich aus der Ontologie des Partikularismus ableitet. Freiheit als Kritik kann dabei einerseits das Operieren einiger Institutionen in liberal-pluralistischen Demokratien beschreiben, und andererseits als normativer Kritikbegriff für die Analyse ihrer Dysfunktionalität dienen. Weiterlesen

InDebate: Weltanschauliche Konflikte

 

Oliver Wendell Holmes Jr. Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AOliver_Wendell_Holmes_Jr_c1924.jpg

Oliver Wendell Holmes Jr. Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AOliver_Wendell_Holmes_Jr_c1924.jpg

Da unsere Blogger*innen Urlaub machen, starten wird in der Rubrik „InDebate“ mit neuen Beiträgen erst wieder Ende August. In der Zwischenzeit würden wir uns freuen, wenn Ihr an dieser Stelle in die Diskussion zu den jeweiligen Themen einsteigt. Als Ausgangspunkt der Diskussion stellen wir ein kontroverses Zitat zur Debatte.

Das Thema der nächsten beiden Wochen sind weltanschauliche Konflikte. Weiterlesen

Pro und contra: Trägt im Theismus-Atheismus-Streit der Theist die Beweislast?

Westermann Portrait

Pro: Hartmut Westermann

Unter dem Theismus-Atheismus-Streit verstehe ich im Folgenden die Auseinandersetzung zwischen zwei gegensätzlichen ontologischen Positionen. Behauptet der Theist, dass Gott existiert, so der Atheist, dass Gott nicht existiert. Terminologisch gefasst, stehen die theistische und die atheistische These in keinem konträren, sondern in einem kontradiktorischen Gegensatzverhältnis: Es ist nicht nur unmöglich, dass beide zugleich wahr sind; es ist auch unmöglich, dass beide zugleich falsch sind. Entsprechend lässt der Theismus-Atheismus-Streit eine dritte Position, die mit den Thesen des Theisten und des Atheisten konkurrieren würde, gar nicht zu. Zwar wird der Agnostizismus gerne als Alternative angeführt, doch ist die vom Agnostiker vertretene These von der Nichterkennbarkeit Gottes eine epistemische, die sich zu den ontologischen Thesen des Theisten und des Atheisten neutral verhält. Weiterlesen

Pro und contra: Lässt sich über Geschmack streiten?

Pro: Maria Elisabeth Reicher

Reicher

Bevor man eine Frage beantwortet, sollte man klären, wie sie gemeint ist. Ich verstehe die Frage, ob sich über Geschmack streiten lässt, in folgendem Sinn: Lassen sich Werturteile (epistemisch) rechtfertigen? Lässt sich für oder gegen Werturteile argumentieren? Ist es möglich, auf der Basis von Gründen die Falschheit eines Werturteils einzusehen bzw. jemanden durch Angabe von Gründen von der Richtigkeit eines Werturteils zu überzeugen?

Unter einem Werturteil verstehe ich hier einen Behauptungssatz, durch den ein Sprecher zum Ausdruck bringt, dass einem Gegenstand eine Werteigenschaft zukommt, z. B.: “Dies ist gut” und “Dies ist schlecht”.

Meine These lautet, dass sich über Geschmack streiten lässt in dem Sinne, dass man für oder gegen Werturteile vernünftig argumentieren kann. Weiterlesen