InDebate: Kierkegaard und Nietzsche oder: die Angst des Kriegers vor dem Guten

Polednitschek

Thomas Polednitschek

Frei ist, wer Krieger ist. So ist es in Nietzsches ‚Götzen-Dämmerung‘ zu lesen: „Der freie Mensch ist Krieger.“[1]. Aber als Philosophischer Praktiker weiß ich: Der Krieger einer von Nietzsche imprägnierten Spätmoderne ist keinesfalls frei. Er erliegt der Illusion, ein freier Mensch zu sein, weil er nicht von der Kierkegaard’schen Angst vor dem Bösen gequält wird. Er hat diese Angst hinter sich gelassen, indem er sich von seinem repressiven Über-Ich befreit und sein Gewissen auch gleich mit »entsorgt« hat. Beispiel ist der Immobilienbesitzer, der seine unerwünschten Mieter in ihren Wohnungen solange schikaniert, bis sie freiwillig ausziehen, damit er die Wohnungen der oft langjährigen Mieter in profitablere Eigentumswohnungen umwandeln kann. Moralität hält dieser Krieger des entfesselten Finanzkapitalismus unserer Tage eher für einen humanen Schwächeanfall. Der Krieger ist der von seiner betriebswirtschaftlichen Rationalität korrumpierte homo oeconomicus. Er missachtet sämtliche Verkehrsregeln im Straßenverkehr, wenn dies für ihn selbst von Nutzen ist. Sein »Markenzeichen« ist, dass er sich am Kältepol (Beuys) des Denkens bewegt. Weiterlesen