InDebate: Liebe als Gerechtigkeit

Graffiti im Soziokulturellen Zentrum Trotz Allem in Witten: Die Liebe stirbt nie 2013. Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ATrotz_Allem_Graffiti_Liebe.jpg

Graffiti im Soziokulturellen Zentrum Trotz Allem in Witten: Die Liebe stirbt nie 2013. Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ATrotz_Allem_Graffiti_Liebe.jpg

Dominik Hammer/Jürgen Manemann

Sozialethiker sehen ihre Aufgabe bekanntlich darin, sich mit der Gestaltung gesellschaftlicher Institutionen und Rahmenbedingungen im Hinblick auf ein Mehr an Gerechtigkeit zu befassen. Dabei verstehen sie das Soziale aber oft als ein objektives Gebilde, dessen Formen von den einzelnen Menschen letztlich unabhängig sind. Genau hier lauern Gefahren: Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Schelling über die Liebe zum Bösen

Henning Tegtmeyer

Wie erklärt man die Liebe zum Bösen, also die kaum zu leugnende Tatsache, dass manche Menschen freiwillig Böses tun? Diese Tatsache stellt uns vor ein unvermeidliches philosophisches Dilemma. Denn einerseits gehört Freiwilligkeit zum Begriff des bösen Handelns. Nun handelt eine Person im vollen Sinn freiwillig nur dann, wenn sie das, was sie tut, gerne tut oder liebt – sei es um seiner selbst willen oder wegen seiner erwarteten oder erhofften Folgen. Damit scheint die Rede von der Möglichkeit einer Liebe zum Bösen einen guten Sinn zu haben. Andererseits aber scheint eine solche Liebe vollkommen unverständlich, da man nur das lieben kann, was gut ist oder was man wenigstens für gut hält. So betrachtet erscheint Liebe zum Bösen als in sich unsinnig und widersprüchlich. Das ist das Dilemma: Liebe zum Bösen scheint zugleich etwas Wirkliches und dennoch unmöglich zu sein wie ein rundes Quadrat. Weiterlesen

InDebate: Können Staaten miteinander befreundet sein?

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Bernhard Schreyer

Derzeit erlebt man als Beobachter des politischen Betriebs im Rahmen der Diskussionen über den NSA-Abhörskandal einen Bedeutungsaufschwung der Freundschaft als (außen-) politische Tugend. Wenn gleich auch hier – wie so oft – in politischen Auseinandersetzungen der Mangel beklagt und nicht der Vorhandensein gelobt wird. Es wird vorgebracht, dass es den Vereinigten Staaten an Anstand und Gespür mangele, wie man sich gegenüber einem Freund zu verhalten habe. Die entsprechende Suada gipfelt in einem Urteil, das die Form eines kategorischen Imperativs annimmt: „Einen befreundeten Staat darf man nicht ausspionieren“. Doch was bedeutet die Rede von der Freundschaft im Bereich der Politik? Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Politik und Liebe

Ein Beitrag zur Präsentation und Diskussion von Jürgen Manemanns Buch „Wie wir gut zusammen leben. 11 Thesen für eine Rückkehr zur Politik“ (Patmos 2013) im Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

Hans Asbeck

In seinem Buch „Wie wir gut zusammen leben. 11 Thesen für eine Rückkehr zur Politik“ bindet Jürgen Manemann Politik an unser „vorpolitisches“ Leben. Dies gipfelt darin, dass geradezu Liebe politisches Handeln begründen soll. Hier möchte ich ansetzen, wobei meine kritischen Bemerkungen vielleicht mehr als ein Einfordern von Vertiefung und Ergänzung zu verstehen sind.
Problematisch scheint mir, dass Manemann das Verhältnis von Liebe zu Politik so versteht, dass erstere gewissermaßen als Vorschule politisch umzusetzenden Mitleids erscheint (Hervorhebungen von mir): Weiterlesen