Schwerpunktbeitrag: Von der Seele zum Selbst. Probleme des Person-Verständnisses im Pragmatismus

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Hans Joas

In seinem überaus einflussreichen Lehrbuch ‚Principles of Psychology‘ von 1890 zitiert William James einen Autor, der die ganze Idee von einer Seele als Ausgeburt eines philosophischen Denkstils bezeichnet, dessen Hauptmaxime es ist, genau das, worüber man gar nichts weiß, als die Erklärung von allem anderen zu bezeichnen. Aber nicht alle Denker des 19. Jahrhunderts, die den Begriff der Seele obsolet fanden, schlugen schlicht seinen Ausschluss aus der wissenschaftlichen Begriffssprache vor. Andere empfahlen eine Rettung von Teilen seines Bedeutungsgehalts, indem diese verteidigenswerten Teile auf neue philosophische und wissenschaftliche Grundlagen gestellt wurden. Es waren diese Versuche zur Transformation des Seelenbegriffes, die zum Begriff des Selbst führten, den wir heute in Psychologie und Soziologie verwenden. Die klassischen Autoren des Pragmatismus spielten in diesem Prozess eine entscheidende Rolle. Schon häufig wurde – unter anderem auch von mir selbst – geschildert, wie wichtig das lange Kapitel über das Selbst in James’ ‚Psychologie‘ in dieser Hinsicht war und wie es zum Ausgangspunkt für die folgende, jüngere Generation von Pragmatisten – Denker wie John Dewey, George Herbert Mead und Charles Horton Cooley – wurde, von hier aus Anregungen von Fichte und Hegel zur menschlichen Intersubjektivität neu aufzugreifen und daraus eine Theorie der sozialen Konstitution des Selbst zu entwickeln. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Die Konkretheit des Metaphysischen. Sein und Gutes als unentbehrliche Fragen

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Rémi Brague

Die Metaphysik hat lange Zeit als eine abstrakte und „lebensferne“ Wissenschaft gegolten. In dem bekannten Bild von Carl Spitzweg hat sich der ‚Bücherwurm‘ zur höchsten Stufe auf der Bibliotheksleiter hinaufgewagt. Vor ihm steht das Schild, das den Namen der ganzen Abteilung zeigt: „Metaphysik“. Diese Spitzfindigkeiten waren sowieso nutzlos, ja vielleicht sinnlos, wie der logische Positivismus eines Rudolf Carnap es behauptete.

Die Fortschritte der Naturwissenschaften und der durch sie ermöglichten und mit ihr eng zusammenhängenden Technologien zwingen uns jedoch zu einer Fragestellung, die letztendlich metaphysischer Natur ist, ja sie verleihen dem altehrwürdigen Wissenszweig eine unerhörte Brisanz, Konkretheit und Aktualität. Weit entfernt davon, dass wir in einem „nachmetaphysischen“ Zeitalter (Jürgen Habermas) leben, ist es vielmehr so, dass es ohne eine gewisse Form von Metaphysik keine Zukunft, ja überhaupt kein nach– geben kann. Weiterlesen