Schwerpunktbeitrag: Der letzte Universalismus. Kontingenz, Konflikt und normative Demokratietheorie*

Karsten Schubert

Die Debatte um die politische Differenz stellt Kontingenz und Konfliktualität als fundamentale Eigenschaften des Politischen heraus. Dies stellt die postfundamentalistische Demokratietheorie, die auf Augenhöhe mit dieser Debatte argumentieren will, vor ein Problem: Durch die Kontingentsetzung aller normativen Begründungen ist zunächst unklar, welche Art von demokratischen Institutionen wie begründet werden kann, und sogar, ob es überhaupt eine von der postfundamentalistischen Sozialontologie ausgehend argumentierende normative Begründung für demokratische Institutionen geben kann. Meine These ist, dass Freiheit, verstanden als kontinuierliche selbstreflexive Kritik, derjenige normative Begriff ist, der sich aus der Sozialontologie von Konflikt und Kontingenz herleiten lässt. Anders gesagt: Freiheit als Kritik ist derjenige Universalismus, der sich aus der Ontologie des Partikularismus ableitet. Freiheit als Kritik kann dabei einerseits das Operieren einiger Institutionen in liberal-pluralistischen Demokratien beschreiben, und andererseits als normativer Kritikbegriff für die Analyse ihrer Dysfunktionalität dienen. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Wozu Metaethik?

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Nico Scarano

Die Frage nach dem Wozu einer philosophischen Disziplin ist nicht einfach zu beantworten. Dies gilt auch für die Metaethik. Einen Zugang zur Frage nach ihren Zielen und Zwecken gewinnt man darüber, dass es Philosophie generell um Verstehen geht. Was versucht die Metaethik zu verstehen? Welche Fragen möchte diese Disziplin mit Hilfe philosophischer Methoden beantworten? Im Folgenden werde ich (1.) zunächst umrisshaft skizzieren, was überhaupt Metaethik ist, um (2.) dann vier metaethische Arbeitsgebiete voneinander abzugrenzen und deren jeweilige Hauptfragen zumindest ansatzweise zu benennen. Schließlich werde ich (3.) kurz darauf eingehen, inwiefern die Metaethik neben ihrer eigentlichen Aufgabe, die in der Beantwortung dieser Fragen liegt, auch als Hilfsdisziplin für andere wissenschaftliche Untersuchungen dienen kann. Weiterlesen

InDebate: Steckt im Sein ein Sollen?

David Hume
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Eike Bohlken

Wem ein Naturalistischer Fehlschluss – der fehlerhafte Schluss von einem Sein auf ein Sollen – vorgeworfen wird, der muss sich warm anziehen. Der Übergang vom Sein zum Sollen gilt in der heutigen Philosophie als schwerer Lapsus. Er steht für einen groben Kategorienfehler, für ein wissenschaftliches „geht gar nicht“. Sind Sein und Sollen aber tatsächlich so unüberwindbar voneinander getrennt, wie allgemein unterstellt? Weiterlesen