Schwerpunktbeitrag: Phänomenologie der Lebenswelt Großstadt – Hinführung zu einem Projekt

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Wolfgang Gleixner

Die Philosophie des 20. Jahrhunderts hat sich ausführlich mit der Großstadt, dem ‚großstädtischen Leben‘ und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Folgen auseinandergesetzt. Auch für die Psychologie, vor allem für die Psychoanalyse, und besonders eindringlich und phänomenologisch bemerkenswert für die Kunst und die Literatur war die Großstadt Thema. Ein ganzer Fächer sehr unterschiedlicher Perspektiven, Interessen und Intentionen entstand – sehr oft kritisch, aber auch zustimmend, sogar fasziniert von der Gestalt und Gestaltung der Großstadt. Dem neuen Genre „Großstadtliteratur“ zwischen ästhetischer Gesellschaftskritik, Lebensphilosophie und Phänomenologie, zwischen Futurismus und Expressionismus, war die Großstadt ein Faszinosum und Tremendum, ersehntes Jerusalem oder befürchtetes Babel. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Aufmerken auf das Fremde

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Bernhard Waldenfels

Für eine Phänomenologie, die dem Antworten auf das Fremde ein besonderes Gewicht einräumt, gibt die Aufmerksamkeit ein Paradebeispiel ab. Sie teilt mit dem Fremden das gleiche Schicksal einer weitgehenden Geringschätzung. Der Psychologismus eines Wilhelm Wundt, der die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts beherrscht, degradiert die Aufmerksamkeit zu einer psychologischen Begleiterscheinung. Ihre kognitive Leistung wird immer wieder mit der Wirkung eines Scheinwerferkegels verglichen, der in verborgene Winkel hineinleuchtet und hervorholt, was sich dort verbirgt. Ähnlich wird das Fremde bis heute auch von Philosophen dem angeglichen, was wir noch nicht kennen, aber unter geeigneten Bedingungen kennenlernen können. Ich zitiere zwei Autoren, die zeitig auf die Mängel einer solchen Vernunftgläubigkeit aufmerksam gemacht haben. Weiterlesen