InDebate: Soziale Ungleichheit

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Wilhelm Vossenkuhl

Nach Marx hat es keinen ernst zu nehmenden Versuch mehr gegeben, um der Gleichheit willen die soziale Ungleichheit wenigstens in der Theorie abzuschaffen. Selbst der an der Idee der gleichen Gerechtigkeit orientierte John Rawls geht nicht nur vom Faktum der Ungleichheit aus, sondern will sie mit seiner Theorie der Gerechtigkeit als Fairness nur lindern, aber nicht abschaffen. Er hat sich wie die meisten Theoretiker damit abgefunden, dass es die soziale Ungleichheit gibt. Es kommt aber gewiss darauf an, wie groß sie ist, und ob sie wächst. Kürzlich ließ Oxfam verlauten, dass 99% des Reichtums weltweit lediglich einem Prozent der Menschheit gehörten. Dagegen argumentierten dann rasch einige Ökonomen – beschwichtigend –, diese Zahlen seien der Geldschwemme zu verdanken, die von einigen Notenbanken verursacht wurde, sie seien künstlich und nicht ernst zu nehmen. Weiterlesen

Pro und Contra: Sollte ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden?

Pro: Christoph Henning

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Für die Mehrzahl der Menschen würde ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) eine große Erleichterung sein. Es brächte für sie eine ökonomische Entlastung und eine Befreiung von erniedrigenden Behördengängen. Auch für Menschen in der Normalerwerbsbiographie (die gar nicht mehr so normal ist) böte das BGE eine Chance, nämlich die, sich zeitweise aus einer vereinnahmenden Alltagsmühle abzuseilen und eine Auszeit zu nehmen, in der man endlich Zeit für sich und die seinen hätte. Kurzum, eine reiche Gesellschaft würde sich damit das erlauben, was doch eigentlich der Sinn von Reichtum ist: ein gemeinsames gutes Leben, statt wie bisher ein übersattes Leben für einige und ein Sich-Kaputt-Laufen im Hamsterrad für viele andere. Diese historische Bedeutung des BGE lässt sich nicht wegdiskutieren.

Nachgefragt wird allerdings, zu welchem Preis all das erkauft würde und wer ihn zu entrichten hätte. Weiterlesen